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vom 28.06.2020, aktuelle Version,

Miklós Nyiszli

Miklós Nyiszli (* 17. Juni 1901 in Szilágysomlyó (Schomlenmarkt); † 5. Mai 1956 in Oradea) war ein Mediziner und Buchautor jüdischer Herkunft aus Siebenbürgen. Er war Überlebender des Holocaust.

Leben

Miklós Nyiszli wurde als Sohn eines Kaufmanns in Siebenbürgen geboren. Nach einem Medizinstudium in Klausenburg, Kiel und Breslau praktizierte er in seiner Heimat als Gerichtsmediziner und Allgemeinarzt.

Ende Mai 1944 deportierte das Eichmann-Kommando Nyiszli mit seiner Frau und der 15-jährigen Tochter in das KZ Auschwitz-Birkenau, wo er zunächst im KZ Auschwitz-Monowitz Zwangsarbeit im Buna-Zweigwerk der I.G. Farben leisten musste. Ende Juni 1944 wurde er in den Häftlingskrankenbau nach Auschwitz-Birkenau überstellt und vom ersten Lagerarzt Josef Mengele als Pathologe in dem neu eingerichteten Sektionsraum des Krematorium II eingesetzt. Bei der Evakuierung des Lagers Mitte Januar 1945 mit einem folgenden Todesmarsch in Richtung KZ Mauthausen überlebte Nyiszli im Nebenlager KZ Ebensee, wo er Anfang Mai von amerikanischen Truppen befreit wurde.

Nach der Rückkehr in seine Heimat verfasste Nyiszli innerhalb weniger Monate seinen Erinnerungsbericht. Er wurde 1946 in ungarischer Sprache unter dem Titel Ich war der Pathologe von Dr. Mengele im Auschwitzer Krematorium veröffentlicht. Nyiszlis Memoiren waren der erste Bericht über die tragische Zwangsarbeit der jüdischen „Sonderkommandos“ in Auschwitz-Birkenau und über den bewaffneten Häftlingsaufstand in Auschwitz. Diesem Sonderkommando war auch Alberto Errera zugeteilt. Dessen heimlich gemachte Aufnahmen nackter Menschen vor der Vergasung und von Leichenverbrennungen stellen wichtige Zeugnisse des Holocaust dar. Wesentliche Teile seiner Berichte wurden im Film von B. NelsonDie Grauzone (Orig: The Grey Zone)“ (USA 2001) verarbeitet.

Im Oktober 1947 sagte Nyiszli als Zeuge vor dem Internationalen Militärtribunal in Nürnberg über seine Zeit im Sonderkommando im KZ Auschwitz-Birkenau aus. Nyiszli starb 1956 nach langer Krankheit an einem Herzinfarkt.

Werke

  • Dr. Mengele boncolóorvosa voltam az auschwitz-i krematóriumban. Debrecen 1946 (Ungarisch und Rumänisch; 1951 ins Französische, 1960 ins Englische und 2004 ins Deutsche übersetzt).
    • englische Übersetzung: Auschwitz. An eyewitness account of Mengele’s infamous death camp. Translated by Tibère Kremer and Richard Seaver. Seaver, New York 1986 (Erstauflage 1960).
    • deutsche Übersetzung: Im Jenseits der Menschlichkeit. Ein Gerichtsmediziner in Auschwitz. Übersetzt von Angelika Bihari. Hrsg. von Friedrich Herber. Verlag Karl Dietz Berlin, Berlin 1992. ISBN 3-320-01791-8
  • Sonderkommando. In: Hans Günther Adler, Hermann Langbein, Ella Lingens-Reiner (Hrsg.): Auschwitz. Zeugnisse und Berichte. 6., überarbeitete Auflage. CEP Europäische Verlagsanstalt, Hamburg 2014 (Erstauflage 1962), ISBN 978-3863930608, S. 74-77.
  • Im Jenseits der Menschlichkeit. Ein Gerichtsmediziner in Auschwitz. Hrsg. von Friedrich Herber. 2. Auflage überarbeitet von Andreas Kilian und Friedrich Herber. Karl Dietz Verlag Berlin, Berlin 2005, ISBN 3-320-02061-7.

Literatur

  • Eric Friedler, Barbara Siebert, Andreas Kilian: Zeugen aus der Todeszone. Das jüdische Sonderkommando in Auschwitz. dtv, München 2005, ISBN 3-423-34158-0.
  • Gideon Greif: Stufen der Auseinandersetzung im Verständnis und Bewusstsein der Shoah in der israelischen Gesellschaft, 1945–2002. In: Psychosozial. Nr. 93 (Heft 3/2003).
  • Bernhard André und Andreas Kilian: Film-Heft Die Grauzone. Hg. Vom Institut für Kino und Filmkultur im Auftrag der Bundeszentrale für politische Bildung, Köln 2005.