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vom 14.01.2017, aktuelle Version,

Militärrealgymnasium

Militärrealgymnasium – Bundesoberstufenrealgymnasium an der Theresianischen Militärakademie
Schulform Bundesoberstufenrealgymnasium
Gründung 1965
Adresse

Burgplatz 1

Ort Wiener Neustadt
Bundesland Niederösterreich
Staat Österreich
Koordinaten 47° 48′ 31,2″ N, 16° 14′ 39,7″ O
Träger Bund
Leitung Werner Sulzgruber
Website www.milrg.at
Das MilRG ist in der Wiener Neustädter Daun-Kaserne untergebracht

Das Militärrealgymnasium (MilRG), korrekte Bezeichnung „Bundesoberstufenrealgymnasium an der Theresianischen Militärakademie (BORG)“, ist ein Oberstufenrealgymnasium mit naturwissenschaftlichem Schwerpunkt, welches der Theresianischen Militärakademie angeschlossen ist. Die Schule ist gemeinsam mit anderen Schulen, der städtischen Höheren Lehranstalt für wirtschaftliche Berufe, einer Neuen Mittelschule und einer polytechnischen Schule in den Räumen der Daun-Kaserne untergebracht. Der Schule angeschlossen ist ein militärisch geführtes Internat. Im Oktober 2014 wurde bekannt gegeben, dass das Militärrealgymnasium aus finanziellen Gründen geschlossen werden soll.

Geschichte

Vorgeschichte bis 1965

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren in Österreich durch die Besatzungsmächte alle militärischen Aktivitäten verboten. Die Machtübernahmen der Sowjetunion in Ost- und Mitteleuropa veranlassten die Westmächte, in verdeckter Form in ihren Besatzungszonen Kadertruppen als Vorbereitung auf eine künftige österreichische Armee einzurichten und weitgehend zu finanzieren. im Rahmen dieser „B-Gendarmerie“ begann am 21. Oktober 1953 der Unterricht des 1. Jahrganges der Gendarmerie–Abteilung K (K für Kurse) in Enns.[1]

Nach Abschluss des Österreichischen Staatsvertrages wurde am 27. Juli 1955 die Schule in Enns in „Provisorische Grenzschutz–Schutzabteilung“ umbenannt und ab 9. April 1956 hieß sie „Militärakademie“. Die Verlegung in die Burg in Wiener Neustadt, die nach schweren Kriegsschäden wieder aufgebaut war, erfolgte am 17. Dezember 1958 und im Jahre 1966 erhielt die Schule ihren traditionellen Namen „Theresianische Militärakademie (TherMilAk)“.

Ende der 1950–er Jahre wurde entschieden, nur Personen mit Matura zur Offiziersausbildung zuzulassen. Für den Auswahlkurs im Jahre 1959 hatten sich auch geeignete Bewerber für eine Offizierslaufbahn aus den Reihen der Unteroffiziere und Chargen gemeldet, was zur Einrichtung eines „Realschulmaturakurses“ an der Militärakademie führte. Kurz darauf wurde dieser Ausbildungslehrgang als Schule für Berufstätige in das öffentliche Schulwesen integriert, in dem die Teilnehmer in fünf Semestern zur Matura geführt werden sollten.

Ein Übereinkommen vom 18. November und 22. Dezember 1959 zwischen dem Bundesministerium für Landesverteidigung und dem Bundesministerium für Unterricht bestimmte für die Schule die Bezeichnung „Bundesoberrealschule an der Militärakademie (BOR)“. Seither stellt das Unterrichtsressort das Lehrpersonal, das Verteidigungsministerium trägt den Sachaufwand. Nach Inkrafttreten des Schulorganisationsgesetzes im Jahre 1962 wurde die Bezeichnung in „Bundesrealgymnasium für Berufstätige an der (Ther) Militärakademie“ (BRGfB) bei gleichzeitiger Verlängerung der Schulzeit auf sechs Semester geändert.[2]

Schule und Internat ab 1965

Zimmer des Internats
Naturwissenschaftliche Ausbildung
Sportliche Ausbildung

Soziale Überlegungen zur Verbesserung der Bildungsmöglichkeiten für Söhne von Offizieren und die Tatsache, dass schon bisher ein beträchtlicher Offiziersnachwuchs aus Absolventen des BRGfB bestand, führten zu Überlegungen, auch für 14–jährige eine Schule mit angeschlossenem Militärinternat einzurichten. Ein interministerielles Abkommen vom 6. Oktober 1965 zwischen den Ministern Georg Prader (Verteidigung, ÖVP) und Theodor Piffl-Percevic (Unterricht, ebenfalls ÖVP) führten zur Gründung des Militärrealgymnasiums (MilRG), dessen Name zu Beginn „Bundesrealgymnasium (nw – naturwisschenschaftlich)“ lautete und das in erster Linie der Qualifikation zukünftiger Berufs- und Milizoffiziere dienen sollte.

Die Auswahl der Schüler, welche nach der Aufnahme als Zöglinge bezeichnet werden, erfolgt durch eine Kommission. Es müssen gewisse Anforderungen in sportlicher, medizinischer und schulischer Hinsicht erfüllt werden. Der Schwerpunkt der Ausbildung in dieser Bundesschule – denn es handelt sich um keine Privatschule – liegt zurzeit im Bereich der Naturwissenschaften. Es besteht ein Zukunftskonzept mit Schwerpunkt in den Bereichen der Persönlichkeitsbildung und Leadership. Schon jetzt werden neben der vormilitärischen Ausbildung an einzelnen Nachmittagen und der sehr breiten sportlichen Aktivität (Klettern, Reiten, Ausdauer- und Kraftsport etc.) auch viele Sozialkompetenzen vermittelt (Teambuilding, Mediationsausbildung/Peers etc.). Der Unterricht für die Schüler wird, mit Ausnahme vom Bereich Sport, ausschließlich von zivilen Lehrern durchgeführt, während die Betreuung und Erziehung im Internat von Erziehern bzw. Erzieheroffizieren wahrgenommen wird.

Seit 19. März 1969 bildete das MilRG gemeinsam mit dem BRGfB das so genannte Schulbataillon des Bundesheeres. Die Schule ist organisatorisch als Schulbataillon deklariert, obgleich das militärische Personal de facto von nur sehr geringer Zahl ist und keine 20 Personen umfasst.

Die Schulzeit dauerte zunächst fünf Jahre, in den letzten beiden Jahren war eine militärische Ausbildung vorgesehen, die ungefähr der Ausbildung der Einjährig-Freiwilligen entsprach. Seit dem Jahre 1972 lautet die Bezeichnung „Bundesoberstufenrealgymnasium an der TherMilAk“ und der Unterricht dauert wie in allen anderen Oberstufen der Realgymnasien vier Jahre. Neben einer Ausbildung mit naturwissenschaftlichem Schwerpunkt erhalten die Schüler eine „Vormilitärische Ausbildung“, die sie auf die Offizierslaufbahn vorbereiten soll.[3]

Im Jahre 1998 wurde die Offiziersausbildung als Fachhochschule mit dem Studiengang „Militärische Führung“ installiert. Damit erhielt das Schulbataillon die Zusatzaufgabe, für qualifizierte Unteroffiziere mit entsprechender Dienstzeit den Vorbereitungskurs und die Zusatzprüfung für die Offiziersausbildung durchzuführen. Somit gab es im Schulbataillon bis zur Schließung des BRGfB am 28. Juni 2012 drei Formen der Heranbildung von Offiziersanwärtern.

Nachdem Frauen seit 1. Jänner 1998 im Bundesheer freiwillig als Soldatinnen dienen können, haben die ersten weiblichen Zöglinge im Jahre 1999 ihre Ausbildung am MilRG begonnen und seit 2000 gibt es die ersten weiblichen Militärakademiker.[4]

Uniformierung

Zöglinge des MilRG

Der Schulbesuch erfolgt grundsätzlich in Uniform. Beim täglichen Unterricht wird eine Art von Dienstanzug getragen, wie er auch im restlichen Bundesheer in Verwendung stand. Als Ausgangsanzug, auch A-Garnitur genannt, fungiert ein graues, zweireihiges Sakko. Dazu wird ein weißes Hemd mit dunkelgrauer Krawatte und eine graue Uniformhose getragen. Als Kopfbedeckung ist ein schwarzes Barett mit dem Abzeichen des Militärrealgymnasiums vorgesehen. Die Zöglinge tragen ebenfalls Rangabzeichen, welche den jeweiligen Stand der Schulstufe anzeigen. Auf dem Ausgangsanzug sind schwarze Distinktionen, am Dienstanzug werden dunkelblaue Distinktionenschlaufen angebracht. Darauf ist pro Schulstufe je ein schmaler goldener Streifen sichtbar.

Vormilitärische Ausbildung

Vormilitärische Ausbildung am MilRG

Verbunden mit der schulischen Ausbildung für die AHS-Matura (Schwerpunkt Naturwissenschaften – mit dem fertigen Schulversuch neu ab 2015/16) und dem sozialen Zusammenleben im Internat komplettiert sie das erzieherische Spektrum und bereitet die Militärgymnasiasten auf eine mögliche Zukunft beim Österreichischen Bundesheer, letztlich für alle Bereiche der äußeren und inneren Sicherheit vor (Österr. Sicherheitsdoktrin). Die vormilitärische Erziehung ist von ihren Inhalten her sinnvoll aufbauend strukturiert, an das Alter der Zöglinge angepasst und wird im Wochenablauf an einzelnen Nachmittagen umgesetzt.

5. Klassen: Erlernen der militärischen Umgangsformen, Umgang mit der militärischen Ausrüstung, Exerzierdienst, Formaldienst, Kennenlernen der Strukturen des Österreichischen Bundesheeres, Karten- und Geländekunde, Orientierung,

6. und 7. Klasse: Fernmeldedienst, Leben im Felde ("Outdoor"), Pionierdienst, Formaldienst, Erste-Hilfe-Ausbildung (16-stündiger Kurs, der für den Führerschein gilt), Tanz- und Benimmkurs (6. Klasse), Besuche bei Verbänden des Bundesheeres sowie Blaulichtorganisationen, Ausbildungsmethodik und Rhetorik, Einsatz als Kommandanten beim großen jährlichen Abschlussmarsch (7. Klasse)

8. Klasse: Wahrnehmen von Führungs- und Organisationsaufgaben (für die unteren Jahrgänge)

Direktoren

  • 1959 Josef Kilga (Realschulmaturakurs)
  • 1959–1978 Adalbert Schreiner
  • 1978–1979 Gerald Dorschner (prov. Leiter)
  • 1979–2002 Stefan Jezik
  • 2002–2014 Manfred Schwanzer
  • seit dem 1. Oktober 2014 Werner Sulzgruber[5]

Schulpartnerschaften

Diese Bundesschule ist eine besondere Schule in Österreich und international ausgerichtet. Schulen aus dem Ausland suchen Kontakt für Kooperationen mit diesem Haus. Derzeit bestehen spezielle Schulpartnerschaften mit folgenden "Militärschulen":

Sportliche Erfolge von Absolventen nach Maturajahrgang (Auswahl)

  • 1970: Walter Marik, sechsfacher Staatsmeister in Fechten (1975, 1976, 1977, 1978)
  • 1973: Hannes Lembacher, dreifacher Staatsmeister in Degenfechten (1976, 1979, 1981)
  • 1979: Thomas Haasmann, vierfacher Judo–Staatsmeister (1980, 1983, 1984, 1988)
  • 1981: Horst Stocker, sechsfacher Staatsmeister im Modernen Fünfkampf (1991, 1992, 1994, 1997, 2000, 2002)
  • 1981: Arno Strohmeyer, dreifacher Staatsmeister in Fechten (1985, 1988, 1992)
  • 1986: Rüdiger Tesar, Staatsmeister im Modernen Fünfkampf (1998)
  • 1991: Klaus Ambrosch, dreifacher Staatsmeister im Zehnkampf (1999, 2001, 2002)
  • 1998: Stefano Palma, Weltmeister Militärischer Fünfkampf 2002, Weltmeister Staffel 2006, Ö-Rekordhalter
  • 2003: Thomas Daniel, zweifacher Staatsmeister im Modernen Fünfkampf (2003, 2004)

Bevorstehende Schließung

Aktion der Schule vor dem Parlamentsgebäude in Wien

Im Zuge der von Verteidigungsminister Gerald Klug im Oktober 2014 präsentierten Sparpläne soll das MilRG in absehbarer Zeit geschlossen werden. Allerdings gibt es massiven Widerstand der Schulgemeinschaft, da keine pädagogisch akzeptable Form des Auslaufens oder ein sinnvolles Übergangskonzept verfolgt wird, sondern das BORG mit seinem Internat innerhalb von nur zwei Jahren geschlossen werden soll, obwohl noch im Sommer 2014 neue Zöglinge angeworben und aufgenommen worden waren. Der Landesschulrat von NÖ garantiert allen Schülern, die die Schule besuchen, den Bildungsabschluss nach gesetzlichen Grundlagen.

  Commons: Militärrealgymnasium  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Festschrift zum 40–jährigen Bestandsjubiläum des Militärrealgymnasiums in Wr.Neustadt, S. 44
  2. Festschrift zum 40–jährigen Bestandsjubiläum des Militärrealgymnasiums in Wr.Neustadt, S. 45
  3. Festschrift zum 40–jährigen Bestandsjubiläum des Militärrealgymnasiums in Wr.Neustadt, S. 46
  4. Festschrift zum 40–jährigen Bestandsjubiläum des Militärrealgymnasiums in Wr.Neustadt, S. 47
  5. 19. September 2014 – Werner Sulzgruber wird neuer Direktor unserer Schule!
  6. Welbeck College (engl. WP)