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vom 16.03.2020, aktuelle Version,

Otto Hofmann-Wellenhof

Otto Hofmann-Wellenhof, auch Otto Hoffmann von Wellenhof, (* 14. März 1909 in Graz; † 8. Mai 1988 in Graz) war ein österreichischer Politiker (ÖVP) und Schriftsteller.

Leben

Otto Hofmann-Wellenhof (1909–1988) wurde als Sohn des Chirurgen Karl Hofmann von Wellenhof und der Klothilde von Kraus in eine katholische Familie geboren. Sein Onkel war der Schriftsteller und Politiker Paul Hofmann von Wellenhof. Sein Großonkel, der Mediziner Georg Hofmann von Wellenhof, war am Wiener Hygiene-Institut ein Pionier der Erforschung von Infektionskrankheiten in Österreich.[1]

Nach dem Besuch der Volksschule maturierte er 1929 an einem humanistischen Gymnasium und immatrikulierte anschließend an der Juridischen Fakultät der Universität Graz. Parallel arbeitete er 1929 bis 1939 als Privatsekretär „bei einem wissenschaftlichen Publizisten“.[2]

Seit 1939 war Hofmann-Wellenhof als Schriftsteller tätig und veröffentlichte vorwiegend heitere Erzählungen und Anekdoten in Zeitungen und Zeitschriften. Während der Zeit des Ständestaates war er Mitglied der Einheitspartei Vaterländische Front und sendete seine heiteren Geschichten im Rundfunk.

Nach dem Anschluss Österreichs folgten Anfang der 1940er Jahre erste Buchpublikationen, zudem war er journalistisch bei den NS-Publikationen Volksstimme (Linz) und Donauzeitung (Belgrad) tätig. Obwohl die NSDAP-Kreisleitung nicht garantieren konnte, dass er sich rückhaltlos für den NS-Staat einsetzen würde, und trotz der Vorbehalte der Gestapo hinsichtlich seines politischen Leumunds und seiner katholischen Konfession wurde Hofmann-Wellenhof in die Reichsschrifttumskammer aufgenommen. Er war nicht Mitglied der NSDAP, aber der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt.[3]

Am 17. November 1944 erlitt Hofmann-Wellenhof einen schweren Schicksalsschlag: Seine Mutter, seine Ehefrau und seine drei Kinder wurden von einem geistig zerrütteten Offizier, der die bevorstehende Niederlage im Zweiten Weltkrieg nicht verkraften konnte, bei einem Amoklauf erschossen.[4]

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs schrieb Hofmann-Wellenhof Sketche für das zeitkritische Grazer Kabarett Igel[5] und arbeitete als Journalist für verschiedene Zeitungen. Ab 1947 war der Leiter der Literaturabteilung bei dem von den Briten in ihrer Besatzungszone gegründeten Sender Alpenland mit Sitz in Graz.[6]

1949 wurde er Präsident des Berufsverbandes österreichischer Journalisten und Autoren[7] und im selben Jahr auch Vorstand im Steirischen Schriftsteller-Bund (SSB), dessen Ehrenpräsident er 1981 wurde. 1953 und 1955 nahm er an den Pürgger Dichterwochen teil. In den 1960er Jahren war er mit dem Alpenländischen Kulturverband Südmark (AKVS) verbunden.[8] Er betreute die Buchreihe Steirische Autoren im Stiasny Verlag, der Erstveröffentlichungen junger Autoren verlegte, und war zudem Programmleiter von Radio Graz.[9] Hofmann-Wellenhof blieb beim Österreichischen Rundfunk und avancierte schließlich zum stellvertretenden Rundfunkintendanten (1967–1974). Er war Autor einiger Beiträge in dem von der Österreichischen Landsmannschaft herausgegebenen Eckartboten.[10]

Politische Karriere

Der gebürtige Grazer war von 1953 bis 1957 Abgeordneter der ÖVP zum Steiermärkischen Landtag. Für die ÖVP wurde er 1957 Mitglied des Bundesrates und blieb es bis 1980. In den Jahren 1962, 1971, 1976 und 1980 übernahm er jeweils für ein halbes Jahr den Vorsitz des Bundesrates. Am 8. Juli 1980 wurde Hofmann-Wellenhof zum Vorsitzenden der 12. Bundesversammlung gewählt, die zur Angelobung des wiedergewählten Bundespräsidenten Rudolf Kirchschläger zusammentrat.

Hofmann-Wellenhof engagierte sich besonders für die Belange der Heimatvertriebenen und galt als Verbindungsmann der Steirischen Volkspartei zum deutschnationalen Lager.[11] Er war neben Taras Borodajkewycz und Johann Wilhelm Mannhardt Obmann des 1958 gegründeten Allgemeinen Deutschen Kulturverbands (ADKV),[12] heute eine Arbeitsgruppe[13] der 1880 zum Schutz deutscher Minderheiten gegründeten Österreichischen Landsmannschaft.

Schriften

  • Lächelnder Alltag. Stiasny, Graz 1946.[14]
  • Eine Woche vor der Hochzeit (= Lichtblick-Bibliothek. Bd. 2). Mur-Verlag, Graz 1947, (2. Auflage. Stiasny, Graz u. a. 1952).
  • Panorama. Erzählungen und Skizzen. Graz & Wien, Staisny 1954.
  • Tendenz: Vorwiegend heiter (= Stiasny-Bücherei. Bd. 62, ZDB-ID 1067853-0). Eingeleitet und ausgewählt von Alfred Holzinger. Stiasny, Graz u. a. 1959.
  • Bilder, fern und nah. Erzählungen, Humoresken, Feuilletons. Krems a.d. Donau, Heimatland-Verlag 1966.
  • Gegen den Wind gesprochen. Stocker, Graz u. a. 1979, ISBN 3-7020-0333-9.
  • Aus meiner heilen Welt. Stocker, Graz u. a. 1984, ISBN 3-7020-0460-2.
  • Zeit- und Unzeit-Geschichten. Stocker, Graz 1989.

Literatur

  • Oswald Werther: Bundesrat Otto Hofmann-Wellenhof. Freund und Helfer der volksdeutschen Heimatvertriebenen in der Steiermark. In: Der Weg in die neue Heimat. Die Volksdeutschen in der Steiermark. Leopold Stocker, Graz u. a. 1988, ISBN 3-7020-0551-X, S. 13–18.

Auszeichnungen

Einzelnachweise

  1. Heinz Flamm: Georg von Hofmann-Wellenhof, vor 130 Jahren erstes Opfer am Beginn der Erforschung der Infektionskrankheiten in Österreich. In: Wiener Medizinische Wochenschrift. Nr. 9-10/2019. Springer, 11. Dezember 2018, ISSN 1563-258X (springer.com [abgerufen am 7. August 2019]).
  2. BArch BDC/RSK-AA 3. April 1939
  3. 1 2 3 4 Uwe Baur, Karin Gradwohl-Schlacher: Literatur in Österreich 1938–1945. Handbuch eines literarischen Systems. Band 1: Steiermark. Böhlau, Wien u. a. 2008, ISBN 978-3-205-77809-7, S. 137.
  4. Uwe Baur, Karin Gradwohl-Schlacher: Literatur in Österreich 1938–1945. Handbuch eines literarischen Systems. Band 1: Steiermark. Böhlau, Wien u. a. 2008, ISBN 978-3-205-77809-7, S. 138.
  5. Alfred Holzinger: Tendenz: Vorwiegend heiter. Stiasny, Graz 1959, S. 21 (google.at [abgerufen am 7. August 2019]).
  6. Alfred Ableitinger, Historische Landeskommission für Steiermark: Geschichte der Steiermark. Historische Landeskommission für Steiermark, Graz 2004, ISBN 978-3-901251-30-6, S. 415 (google.at [abgerufen am 7. August 2019]).
  7. Alfred Holzinger, Grete Scheuer, Styria (Austria) Kulturreferat: Literatur in der Steiermark von 1945-1976. Hrsg.: Steiermärkische Landesregierung. Steiermärk. Landesregierung, Graz 1978, S. 36 (google.at [abgerufen am 7. August 2019]).
  8. Hölzl, Wolfgang (1991). ‚Der Großdeutsche Bekenner‘. Nationale und nationalsozialistische Rosegger-Rezeption. (Europäische Hochschulschriften Reihe I Band 1236). Frankfurt am Main / Bern / New York / Paris: Lang. S. 240ff.
  9. Paul Pechmann: Literatur in der Steiermark von 1945 bis heute. In: kultur.steiermark.at. Archiviert vom Original am 7. Juni 2005; abgerufen am 4. Januar 2014.
  10. https://webarchiv.onb.ac.at/web/20160903183838/http://www.onb.ac.at/oe-literaturzeitschriften/Eckartbote/Eckartbote_texte.htm
  11. Walter Wiltschegg: Österreich – der „Zweite deutsche Staat“? Der nationale Gedanke in der Ersten Republik. Leopold Stocker, Graz u. a. 1992, ISBN 3-7020-0638-9, S. 197 f.
  12. „Gründung des Allgemeinen Deutschen Kulturverbandes“. In: Sudetenpost, Folge 3 vom 8. Februar 1958, S. 4. http://www.sudetenpost.eu/Archiv/1958/3.pdf
  13. http://www.oelm.at/arbeitsgruppen/
  14. Hinweis: OTTO HOFFMANN v. WELLENHOF (Schreibweise des Namens auf dem Titelblatt).
  15. 1 2 3 Aufstellung aller durch den Bundespräsidenten verliehenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ab 1952 (PDF-Datei; 6,59 MB)
Vorgänger Amt Nachfolger
Friedrich Gugg Präsident des Österreichischen Bundesrats
1. Juli 1962 – 31. Dezember 1962
Franz Gschnitzer
Vorgänger Amt Nachfolger
Hans Heger Präsident des Österreichischen Bundesrats
1. Juli 1971 – 31. Dezember 1971
Helmut Mader
Vorgänger Amt Nachfolger
Hans Heger Präsident des Österreichischen Bundesrats
1. Jänner 1976 – 30. Juni 1976
Rudolf Schwaiger
Vorgänger Amt Nachfolger
Hans Heger Präsident des Österreichischen Bundesrats
1. Juli 1980 – 31. Dezember 1980
Rudolf Schwaiger