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vom 17.08.2018, aktuelle Version,

Paradies: Glaube

Filmdaten
Originaltitel Paradies: Glaube
Produktionsland Österreich, Deutschland, Frankreich
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 2012
Länge 114 Minuten
Altersfreigabe FSK 16
Stab
Regie Ulrich Seidl
Drehbuch Ulrich Seidl,
Veronika Franz
Produktion Ulrich Seidl
Kamera Wolfgang Thaler,
Ed Lachman
Schnitt Christof Schertenleib
Besetzung
  • Maria Hofstätter: Anna Maria
  • Nabil Saleh: Nabil
  • René Rupnik: Herr Rupnik
  • Natalya Baranova: Betrunkene Russin
  • Trude & Dieter Masur: Ehepaar
Chronologie

 Vorgänger
Paradies: Liebe

Nachfolger 
Paradies: Hoffnung

Paradies: Glaube ist ein Spielfilm des österreichischen Regisseurs Ulrich Seidl aus dem Jahr 2012. Der Film ist der zweite Teil von Seidls Paradies-Trilogie. Seine Premiere feierte er im Rahmen des Wettbewerbs der 69. Filmfestspiele von Venedig.[1]

Handlung

Die Röntgenassistentin Anna Maria hat ihr Leben dem Katholizismus verschrieben. In ihrem Haus hängen zahlreiche Kruzifixe und Heiligenbilder. Um die Sünden ihrer Mitmenschen zu sühnen, geißelt sie sich mit einer Lederpeitsche oder rutscht auf Knien betend über den Boden. Mit Gleichgesinnten versammelt sie sich in der Gebetsgruppe „Legio Herz Jesu“, deren höchstes Ziel es ist, Österreich wieder zum Katholizismus zu bekehren. Während ihre Schwester Teresa als Sextouristin nach Kenia reist und deren Tochter Melanie versucht, im Wechselgebirge Pfunde loszuwerden, verbringt Anna Maria den Urlaub damit, ausgerüstet mit einer Wandermuttergottes-Statue die Nachbarschaft zu missionieren. Ihr Seelenfrieden wird aufs Empfindlichste gestört, als plötzlich ihr querschnittgelähmter Ehemann Nabil nach Jahren der Abwesenheit aus Ägypten heimkehrt. Sein Wunsch nach körperlicher und emotionaler Nähe mündet in einem absurden Kleinkrieg, der von beiden Seiten mit harten Bandagen ausgefochten wird.

Hintergrund

Wie bei Seidl üblich, kommen in Paradies: Glaube neben professionellen Schauspielern wie Maria Hofstätter und Natalya Baranova auch Laiendarsteller zum Einsatz. Die männliche Hauptrolle wurde nach monatelangen Castings mit dem in Wien lebenden Ägypter Nabil Saleh besetzt. Um die Figur eines Querschnittgelähmten überzeugend verkörpern zu können, bereitete er sich intensiv mit ergotherapeutischen Übungen vor.[2] In einer Nebenrolle ist auch René Rupnik zu sehen, über den Seidl bereits 1997 den Dokumentarfilm Der Busenfreund gedreht hatte.[3]

Das Paradies-Projekt sollte ursprünglich nur einen Spielfilm mit drei Handlungssträngen umfassen. Erst im Laufe der Postproduktion entschied sich Seidl, die Geschichten auf drei Filme aufzuteilen.[4]

Paradies: Glaube hatte seine Premiere am 30. August 2012 im Wettbewerb der Internationalen Filmfestspiele von Venedig. Wenige Monate zuvor war bereits Paradies: Liebe im Wettbewerb von Cannes gezeigt worden. Im Februar 2013 konkurrierte schließlich Paradies: Hoffnung auf der Berlinale um einen Goldenen Bären. Das Kunststück, innerhalb von weniger als 12 Monaten mit drei unterschiedlichen Filmen auf den drei bedeutendsten A-Festivals der Welt im Wettbewerb vertreten zu sein, war bis dahin nur Krzysztof Kieślowski mit seiner Drei-Farben-Trilogie gelungen.[5]

Die Darstellung von Sakralgegenständen als Objekten sexueller Lust, insbesondere in einer Szene, in der Anna Maria mithilfe eines Kruzifixes masturbiert, sorgte nach der Premiere in Italien für einen Skandal. Die ultrakonservative katholische Organisation „NO 194“ zeigte Seidl und andere Mitwirkende des Films daraufhin wegen Blasphemie bei der Staatsanwaltschaft in Venedig an.[6] Der Präsident der Organisation gab zur Begründung an, Seidl habe „zwei Milliarden Christen auf der Welt beleidigt, für die das Kreuz ein Symbol ihrer Religion ist“.[7]

Am 11. Januar 2013 startete der Film in den österreichischen und am 21. März in den deutschen Kinos.[8][9]

Kritiken

Maria Hofstätter ( Österreichischer Filmpreis 2014)

„Hofstätters bewundernswertes Spiel und Seidls makellose Inszenierung hindern den Zuschauer daran, die Figur der Anna zu verurteilen oder zu verabscheuen. Was es wirklich schwer macht, auch in diesem Film von Ulrich Seidl den Blick auf der Leinwand zu halten, ist vielmehr die unfassbar authentische Darstellung christlich verbrämter Selbstgerechtigkeit.“

Wenke Husmann : Die Zeit [10]

„Die einen werden Ulrich Seidls »Paradies: Glaube« blasphemisch finden, die anderen genial. Die Kontroversen, die der Film hervorrufen könnte, sind, folgt man US-Regisseur John Waters, gottgewollt: Fassbinder ist tot, also gab uns Gott Ulrich Seidl.

Jörg Schöning : Der Spiegel [11]

„»Paradies: Glaube« ist ganz auf Hauptdarstellerin Maria Hofstätter zugeschnitten, die seit ihrer viel beachteten Rolle als Anhalterin in Hundstage (2001) zum festen Ensemble des Regisseurs gehört. Wie ihrem Spielleiter gelingt ihr souverän der fließende Wechsel zwischen komischen und bedrückenden Momenten, zwischen Karikatur und einer komplex gezeichneten Figur mit tragischer Dimension.“

Michael Kienzl : Critic.de [12]

Auszeichnungen

Paradies: Glaube wurde 2012 auf den Internationalen Filmfestspielen von Venedig mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet. Zudem erhielt er den CinemAvvenire-Award als bester Film des Wettbewerbs.[13] Maria Hofstätter wurde für ihre Darstellung Anna Maria beim Österreichischen Filmpreis 2014 als Beste weibliche Darstellerin ausgezeichnet.

Einzelnachweise

  1. Paradies: Glaube im Wettbewerb der 69. Filmfestspiele von Venedig (englisch)
  2. Cast+Crew von Paradies: Glaube auf der offiziellen deutschen Webseite der Paradies-Trilogie
  3. Der Busenfreund auf der Webseite von Ulrich Seidl, abgerufen am 25. März 2013
  4. Claus Philipp: Interview mit Ulrich Seidl (PDF; 3,1 MB), Paradise: Love Press Kit, abgerufen am 15. Dezember 2012
  5. Josef Schnelle: Bizarre Heilssuche im religiösen Wahn, Interview mit Ulrich Seidl im Deutschlandfunk, 16. März 2013
  6. Alexandra Zawia: Ulrich Seidl im Interview zu den Blasphemie-Vorwürfen wienerzeitung.at, 3. September 2012
  7. „NO 194“ will als Zivilkläger gegen Seidl vorgehen relevant.at, 4. September 2012
  8. Paradies: Glaube filmering.at, 4. Januar 2013, abgerufen am 25. März 2013
  9. Paradies: Glaube Filmstarts.de, abgerufen am 25. März 2013
  10. Wenke Husmann: Im Darkroom des Katholizismus. zeit.de, 21. März 2013, abgerufen am 25. März 2013.
  11. Jörg Schöning: Seidl-Film „Paradies: Glaube“: Mein Lustknabe am Kreuz. spiegel.de, 20. März 2013, abgerufen am 25. März 2013.
  12. Michael Kienzl: Paradies: Glaube. Critic.de, 31. August 2012, abgerufen am 25. März 2013.
  13. Ulrich Seidl erhält in Venedig den Spezialpreis der Jury auf format.at, 10. September 2012