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vom 08.10.2017, aktuelle Version,

Peter Waldner

Peter Waldner (* 13. Januar 1966 in Mals im Vinschgau) ist ein in Österreich lebender Organist, Cembalist, Fortepiano-Spieler, Ensemble-Leiter, Spezialist für Alte Musik, historisch informierte Aufführungspraxis und historische Tasteninstrumente sowie Musikwissenschaftler und Germanist.

Leben und Wirken

Peter Waldner stammt aus Mals im Vinschgau und legte seine Matura 1985 als Schüler des Johanneums in Meran ab. Seine musikalische Ausbildung erhielt er zunächst am Tiroler Landeskonservatorium bei Reinhard Jaud, Hans Kofler, Bojidar Noev und Günther Andergassen sowie am Institut für Musikwissenschaft der Universität Innsbruck unter Walter Salmen. Weiter studierte er bei Gustav Leonhardt in Amsterdam, bei Hans van Nieuwkoop und Kees van Houten an den historischen Orgeln von Amsterdam, Haarlem, Alkmaar und Helmond, bei William Christie in Paris sowie bei Jean-Claude Zehnder an der Schola Cantorum Basiliensis. Meisterkurse führten ihn auch zu Luigi Ferdinando Tagliavini, Jesper Bøje Christensen, Kenneth Gilbert, Harald Vogel, Pierre Hantaï und Daniel Roth.[1]

Peter Waldner ist in Innsbruck als Dozent für Cembalo, Orgel, Generalbass, Stilkunde und Aufführungspraxis Alter Musik am Tiroler Landeskonservatorium und an der Expositur der Universität Mozarteum Salzburg sowie seit 1988 als Organist und Kirchenmusiker der Landschaftlichen Pfarrkirche Mariahilf tätig. Seine Konzerttätigkeit führte ihn in die meisten europäischen Länder, als Cembalist, Organist, Clavichord- und Fortepiano-Spieler war er ebenso wie als Ensemble-Leiter bei zahlreichen Festivals für Alte Musik zu Gast. Rundfunkaufnahmen erfolgten beim ORF, bei der RAI und beim Holländischen Rundfunk KRO.[2]

Seit 1994 spielt Peter Waldner CDs mit Alter Musik an historischen Tasteninstrumenten ein; sie erschienen im Eigenverlag, beim Label Extraplatte Wien, beim ORF (Österreichischer Rundfunk Tirol, Vorarlberg und ORF-Edition Alte Musik) und in der CD-Reihe musik museum des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum. 2011 initiierte er seine eigene CD-Reihe Tastenfreuden, die Meister- und Schlüsselwerke der Tastenmusik aus Renaissance, Barock, Klassik und Frühromantik – ausschließlich an historischen Tasteninstrumenten oder deren Kopien interpretiert – präsentiert.[3]

Peter Waldner ist künstlerischer Leiter der Konzertreihe für Alte Musik Innsbrucker Abendmusik (1988 bis 2013: AbendMusic – Lebensmusik) und Gründer des Tiroler Ensembles für Alte Musik vita & anima. Regelmäßig konzertiert er als Solist an Orgel, Cembalo, Virginal, Spinett, Clavichord, Lautenclavier und Fortepiano; dabei interpretiert er Musik der Renaissance, des Barock, der Klassik und der Frühromantik.[4]

Seit 2009 widmet sich Peter Waldner in Konzerten und CD-Produktionen mit seinem Ensemble für Alte Musik vita & anima[5] und in enger Zusammenarbeit mit der von Franz Gratl geleiteten Musikabteilung des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum der Wiederentdeckung unbekannter oder zu Unrecht vergessener Barockmusik aus Tirol, die in europäischen Musikarchiven liegt. Außerdem arbeitete Peter Waldner mit zahlreichen Ensembles und Spezialisten für Alte Musik zusammen, darunter sind Jordi Savalls La Capella Reial de Catalunya & Le Concert des Nations, Atalanta Fugiens Milano, La Venexiana, Prihsna Ensemble, Les Sacqueboutiers de Toulouse, Piccolo Concerto Wien, Pandolfis Consort Wien, The Sound and the Fury, Oni Wytars, Odhecaton, Stimmwerck, Rolf Lislevand, Luciano Contini, Marcel Ponseele, Andreas Lackner, Marc Hantaï, Linde Brunmayr-Tutz, Gottfried von der Goltz, Petra Müllejans, Daniel Sepec, Veronika Skuplik, Volker Möller, Francois Fernandez, Jolanta Sosnowska, Cecilia Bernardini, Paolo Pandolfo, Friederike Heumann, Pere Ros, Melanie Hirsch, Maria Christina Kiehr, Hana Blažíková, Monika Mauch, Britta Schwarz, Markus Fleig, Daniel Johannsen, David Erler und Thomas E. Bauer.[6]

Auszeichnungen

  • 1989: Stipendium der Klavierfirma Bösendorfer Wien
  • 1991: Musikförderungspreis der Tiroler Sparkassen
  • 1995: Jacob-Stainer-Preis des Landes Tirol (für die Verdienste um die Interpretation Alter Musik an historischen Tasteninstrumenten.)[7]
  • 2004: Ö1 Pasticcio-Preis des Österreichischen Rundfunks (für die beiden CDs Orgellandschaft Ritten I & II.)[8]

Diskografie

Die folgenden CD-Einspielungen sind chronologisch geordnet:[9]

  • Süddeutsche und österreichische Orgelmusik des 17. und 18. Jahrhunderts. An der Chororgel (Andreas Jäger, 1757) im Stift Stams. ORF Tirol, 1994.
  • Lebensmusic. Englische, italienische und deutsche Cembalomusik des 16. und 17. Jahrhunderts. An einem Cembalo nach Giovanni Battista Giusti von Cornelis Bom. Eigenverlag, 1995.
  • Orgelmusik von Johann Sebastian Bach. An der Pirchner-Orgel der Landschaftlichen Pfarrkirche Mariahilf in Innsbruck. Landschaftliche Pfarre Mariahilf. 2 CDs. 1996.
  • Die Baldachin-Orgel des Michael Strobl auf der Churburg (1559). Weltliche und geistliche Orgelmusik des 16. Jahrhunderts. ORF Tirol, 1997.
  • Heinrich Ignaz Franz von Biber: Missa Bruxellensis XXIII vocum. La Capella Reial de Catalunya & Le Concert des Nations, Jordi Savall. Alia Vox, 1999. (Weltersteinspielung.)
  • Johann Sebastian Bach: Goldberg-Variationen. An einem Gottfried Silbermann zugeschriebenen Cembalo (ca. 1740) im Musikinstrumentenmuseum Berlin. ORF Tirol, 2000.
  • Heinrich Ignaz Franz von Biber: Requiem à 15 in Concerto. La Capella Reial de Catalunya & Le Concert des Nations, Jordi Savall. Alia Vox, 2002. (Weltersteinspielung.)
  • Johann Jacob Ammann: Arien für Sopran, Streicher und Basso continuo. Katerina Beranova (Sopran), Ensemble Plus. ORF Vorarlberg, 2002.
  • Orgellandschaft Ritten I & II. An acht historischen Orgeln der Gemeinde Ritten oberhalb von Bozen. 2 CDs. Extraplatte, 2004.
  • Wolfgang Amadeus Mozart: Sonaten & Variationen. An einem Clavichord nach Christian Gottlob Hubert von Koen Vermeij. Extraplatte, 2006.
  • Bachs Lautenclavier. Johann Sebastian Bach: Werke für Lautenclavier BWV 995, 997, 998, 1006a. ORF-Edition Alte Musik, 2007.
  • vita & anima – Ein Querschnitt durch 10 Konzertjahre. Live-Konzertmitschnitte aus den Jahren 1999–2009. vita & anima. 2 CDs. Eigenverlag / Verein „Alte Musik in Innsbruck-Mariahilf“, 2010.
  • Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser. Motetten und Canzonen von Tiroler Barockkomponisten. Leopold von Plawenn: Fünf geistliche Motetten aus Sacrae Nymphae duplicium Aquarium, Ulm 1672. Ingenuin Molitor: Sechs Canzonen aus Fasciculus Musicals, Innsbruck 1668, Zwei Canzonen für Orgel aus Brixener Orgelbuch, 17. Jahrh. vita & anima: Sabine Neumann (Alt), Satoshi Mitsukoshi (Tenor), Peter Kooij (Bass), Judith Steenbrink und Maite Larburu (Barockviolinen), Arno Jochem (Viola da gamba und Violone), Andreas Arend (Theorbe), Peter Waldner (Orgelpositiv). Musikmuseum (CD-Reihe der Tiroler Landesmuseen), 2010. (Weltersteinspielung.)
  • Die Baldachin-Orgel auf der Churburg (1559). Weltliche Orgelmusik der Renaissance und des Frühbarock an der Baldachin-Orgel des Michael Strobl. Tastenfreuden 1. Eigenverlag, 2011.
  • Die italienische Renaissance-Orgel (organo di legno, anonym, um 1580) in der Silbernen Kapelle der Innsbrucker Hofkirche. Italienische, süddeutsche und spanische Orgelmusik aus Renaissance und Frühbarock. Musikmuseum (CD-Reihe der Tiroler Landesmuseen), 2011. (Erste verfügbare CD-Aufnahme des kostbaren historischen Instruments.)
  • John come kiss me now – Von der Liebe. Ein Streifzug durch die Tastenmusik der Spätrenaissance und des Frühbarock: Englische, niederländische, deutsche und italienische Clavierwerke zum Thema Liebe an Virginal, Lautenpolygonal und Cembalo (Klemens Kleitsch, Kiefersfelden). Eigenverlag, Tastenfreuden 2, 2012.
  • Franz Schubert: Späte Clavierwerke. Impromptus in c-moll, Es-Dur & Ges-Dur D. 899 (1827), Acht Valses sentimentales in C-Dur aus D. 779 (1825), Grazer Galopp in C-Dur D. 925 (1825), Galopp & acht Eccosaisen D. 735 (1825), Zwei Deutsche Tänze D. 841 (1825), Claviersonate in G-Dur (Fantasie-Sonate) D. 894 (1826), Claviersonate in B-Dur D. 960 (1828), Clavierstücke in es-moll und Es-Dur D. 946 (1828) an den beiden Hammerflügeln nach Michael Rosenberger, um 1805 und Jacob Bertsche, um 1815 (Robert A. Brown, Oberndorf bei Salzburg). 2 CDs. Eigenverlag, Tastenfreuden 3, 2012.
  • Die große Freude der kleinen Prinzessin. Ein neues Märchen mit Alter Musik von Verena Wolf und Peter Waldner. Ein Hör-Bilderbuch mit CD für Kinder ab 4 Jahren. Musik von William Byrd, Giles Farnaby, Thomas Morley, anonymen englischen Komponisten, Hans Leo Hassler und Johann Hieronymus Kapsberger. Verena Wolf (Illustrationen und Traversflöte), Peter Waldner (Lautenpolygonal von Klemens Kleitsch, Kiefersfelden). Studia-Verlag, Innsbruck 2012.
  • Bachs Mentoren. Partiten und Suiten von Georg Böhm, Dieterich Buxtehude und Jan Adam Reincken an einem zweimanualigen Cembalo nach Johannes Ruckers (petit ravalement, 1624), von Matthias Griewisch, Bammental, einem Oktavspinett nach Samuel Biedermann (frühes 17. Jahrhundert), von Matthias Griewisch, und an einem Muselar nach Andreas Ruckers dem Jüngeren (1644) von Herbert Kuen, Götzens (1983). Eigenverlag, Tastenfreuden 4, 2012.
  • Ingenuin Molitor: Geistliche Motetten (aus: Fasciculus musicalis, 1668). vita & anima – la dolcezza: Maria Erlacher und Gerlinde Sämann (Sopran), Markus Flaig (Bariton), Veronika Skuplik und Maite Larburu (Barockviolinen), Arno Jochem (Viola da gamba und Violone), Andreas Arend (Theorbe), Peter Waldner (Orgelpositiv). Musikmuseum (CD-Reihe der Tiroler Landesmuseen), 2013. (Weltersteinspielung).
  • Die Orgel der Landhauskapelle zum Heiligen Georg in Innsbruck. Deutsche und österreichische Orgelmusik des Barock. Eigenverlag, Tastenfreuden 5, 2013.
  • Johann Kuhnau: Der musikalische Quacksalber und Cembalowerke. Katharina Brenner spricht ausgewählte Passagen aus Johann Kuhnaus satirischem Musikerroman (1700); Peter Waldner spielt Cembalowerke des Komponisten. Eigenverlag, Tastenfreuden 6, 2013.
  • Francesco Antonio Bonporti: Motetti a voce sola (1668) & Triosonaten. vita & anima: Melanie Hirsch (Sopran), Maren Ries und Volker Möller (Barockviolinen), Arno Jochem (Violone), Heidelore Schauer (Salterio), Andreas Arend (Theorbe), Peter Waldner (Orgelpositiv). Musikmuseum (CD-Reihe der Tiroler Landesmuseen), 2014.
  • Johann Sebastian Bach: Orgel- & Cembalowerke. Praeludium & Fuga in G-Dur BVW 541. Zweyter Theil der ClavierUebung (1735): Concerto nach Italiaenischen Gusto in F-Dur BWV 971, Ouverture nach französischer Art in h-Moll BWV 831. Partite diverse sopra „Sey gegrüsset, Jesu gütig“ BWV 768. Peter Waldner an der Orgel der Landschaftlichen Pfarrkirche Mariahilf - Innsbruck (Orgelbau Pirchner, 1986) und an einem zweimanualigen französischen Cembalo nach Pascal Taskin, 1769 (Keith Hill, 1999). Eigenverlag, Tastenfreuden 7, 2015.
  • Giovanni Buonaventura Viviani: Psalmvertonungen, Lauretanische Litanei & geistliche Motetten (aus: Salmi, Motetti e Litanie de Beata Maria Vergine op. 5, Bologna 1688). Introduttione prima & Symphonia prima (aus: Capricci armonici da chiesa e da camera op. 4, Venedig 1678). vita & anima: Maria Erlacher und Nele Gramß (Sopran), Markus Flaig (Bassbariton), Gottfried von der Goltz & Amandine Bernhardt (Barockviolinen), Annkathrin Beller (Barockvioloncello), Andreas Arend (Theorbe), Peter Waldner (Orgelpositiv). Musikmuseum (CD-Reihe der Tiroler Landesmuseen), 2016.
  • Georg Arnold: Geistliche Motetten (aus: Liber II […] Sacrarum Cantionum, Innsbruck 1661) & Instrumentalwerke (aus: Canzoni, ariae et sonatae, Innsbruck 1659). Ingenuin Molitor: Geistliche Motetten (aus: Fasciculus musicalis, Innsbruck 1668). vita & anima: Melanie Hirsch und Maria Bernius (Sopran), Matthias Helm (Bass), Jolanta Sosnowska und Cecilia Bernardini (Barockviolinen), Arno Jochem (Barockvioloncello & Violone), Andreas Arend (Theorbe), Peter Waldner (Orgelpositiv). Musikmuseum (CD-Reihe der Tiroler Landesmuseen), 2017.

Einzelnachweise

  1. Präsenz auf der Website des Tiroler Landeskonservatoriums, abgerufen am 16. März 2017.
  2. Stift Wilten: Vita, abgerufen am 19. Dezember 2014.
  3. Tiroler Tageszeitung: Lyrische und bewegende Tastenfreuden, abgerufen am 19. Dezember 2014.
  4. Innsbrucker Abendmusik, abgerufen am 19. Dezember 2014.
  5. vita & anima. Website von Peter Waldner, abgerufen am 16. März 2017.
  6. Biographie. Website von Peter Waldner, abgerufen am 16. März 2016.
  7. Jakob-Stainer-Preis, abgerufen am 19. Dezember 2014.
  8. stol.it: Konzert mit Peter Waldner, abgerufen am 19. Dezember 2014.
  9. CDs. Website von Peter Waldner, abgerufen am 16. März 2017.