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vom 17.09.2017, aktuelle Version,

Pfarrkirche Gampern

Südostansicht der Pfarrkirche
Neueindeckung des Turmhelmes (2012)
im Langhaus zum Chor
Schrein des Flügelaltars
Piesdorfer Madonna

Die römisch-katholische Pfarrkirche Gampern steht im Ort Gampern in der Gemeinde Gampern im Bezirk Vöcklabruck in Oberösterreich. Die auf den heiligen Remigius geweihte Kirche gehört zum Dekanat Schörfling in der Diözese Linz. Die Kirche und der Friedhof stehen unter Denkmalschutz.

Geschichte

Gampern und seine Umgebung wurde von dem Salzburger Stift St. Peter missioniert und später von den Stiften Mondsee und Mattsee. Bis 1900 war Gampern eine Mattseer Pfarre.[1] 1383 wurde eine Kirche urkundlich genannt.

Die spätgotische Kirche wurde wohl mit dem Baumeister Stephan Wultinger erbaut, der Chor 1486, das Langhaus von 1490 bis 1515, der Turm bis zur Dachgleiche in mehreren Etappen (1515, 1518, 1529). 1890 erfolgte ein Ausbau des Turmes auf eine Höhe von 63 m.[1]

Architektur

An das zweischiffige dreijochige Langhaus mit einem Netzrippengewölbe mit Achtecksternen schließt ein dreijochiger mit einem Dreiachtelschluss mit einem Netzrippengewölbe mit der Wechselberger Figuration. 1950 wurden spätgotische Gewölbefresken hl. Remigius und Evangelistensymbole aus dem Ende des 15. Jahrhunderts freigelegt. Der mächtige Westturm trägt einen neuen Spitzhelm. Das spätgotische verstäbte Nordportal hat eine kreuzgratgewölbte Vorhalle. An der nördlichen Chorwand ist ein reich profiliertes spätgotisches Sakramentshäuschen mit Fialen.

Ausstattung

Der Hochaltar als bedeutender spätgotischer Flügelaltar ist wohl ein Frühwerk des Meisters des Hallstätter Flügelaltars Lienhart Astl, entstanden um 1490 bis 1500. Eine Inschrift-Tafel auf der Rückseite nennt die Jahreszahl 1507.

Als Stifter des spätgotischen Wandelaltars ist der Passauer Domherr und spätere Dompropst Wilhelm IV. von Nothafft belegt, dessen Bildnis mit Wappen auf dem Tafelbild der Darstellung Christi im Tempel verewigt ist. Besonders die Bemalung der Rückseite im voll entwickelten Donauschule-Stil beweist das Kunstverständnis der Stifter.

Bei geöffnetem Altar ist im Schrein die gekrönte Muttergottes als Himmelskönigin mit dem Jesuskind auf dem Arm, flankiert von Kirchenpatron Remigius und hl. Pantaleon zu sehen. Die Flügelreliefs zeigen aus dem Weihnachtsfestkreis Verkündigung, Heimsuchung, Geburt Christi und Darstellung im Tempel.

Bei geschlossenem Altar sind Szenen der Passion - Ölberg, Ecce Homo, Kreuztragung und der Kreuzigung dargestellt. Auf den Standflügeln sind links die Heiligen Leonhard, Sebastian und Dionysius, rechts Christophorus, Pantaleon und Ursula zu sehen. Bei diesen Bildern kann eine Übereinstimmung mit Stichen von Michael Wolgemut, dem Lehrer von Dürer, und Martin Schongauer nachgewiesen werden.

Im Gesprenge stehen in der Mitte der hl. Remigius, links der hl. Pantaleon, rechts der hl. Sebastian, außen die hl. Katharina und die hl. Barbara und ganz oben der Auferstandene, ihm zur Seite Maria und Johannes Evangelist.

Auf der Rückseite des Altars befindet sich die im Volksmund bekannte Gamperner Hölle, eine beeindruckende Darstellung des Jüngsten Gerichtes mit Christus als Weltenrichter. Auf der einen Seite lässt Petrus die Guten in den Himmel ein, auf der anderen Seite des Bildes rechts werfen Teufel die Verdammten in den Höllenrachen.

Spätgotisch ist auch die sogenannte ''Piesdorfer Madonna'', die 1485 entstanden sein soll und Übereinstimmungen mit der Madonna des Flügelaltars zeigt. Sie wurde 1936 aus der Filialkirche Piesdorf in die Pfarrkirche übertragen.

Literatur

  • Gampern, Pfarrkirche hl. Remigius. S. 81–82. In: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Dehio Oberösterreich. Von Erwin Hainisch, Neubearbeitet von Kurt Woisetschläger, Vorworte zur 3. Auflage (1958) und 4. Auflage (1960) von Walter Frodl, Sechste Auflage, Verlag Anton Schroll & Co., Wien 1977.
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Einzelnachweise

  1. 1 2 Pfarre Gampern: Geschichte der Pfarrkirche Gampern; abgerufen am 17. Sep. 2017