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vom 07.11.2018, aktuelle Version,

Pfarrkirche Großgmain

Pfarrkirche Großgmain
Pfarrkirche Großgmain, Langhaus

Die Pfarr- und Wallfahrtskirche zu Unserer Lieben Frau Himmelfahrt ist eine römisch-katholische Marienkirche in Großgmain im Flachgau im Land Salzburg (Österreich). Das Patroziniumsfest wird am 15. August, Mariä Himmelfahrt, begangen. Seit Gründung der Pfarre Großmain 1807 ist sie deren Pfarrkirche.[1]

Geschichte

Vor 1136 war in Gmain eine (herzogliche) Eigenkirche.[2] Im Jahre 1136 wurde die Kirche St. Maria in Muona in das Augustinerchorherrenstift von Reichenhall, St. Zeno, inkorporiert[3] und vom Konvent, der durchschnittlich 20 bis 30 Mitglieder umfasste, betreut.[4] Die älteste gesicherte urkundliche Erwähnung von Gmain bezieht sich auf das Jahr 1144 und steht in einer päpstlichen Bestätigungsurkunde.[5] Durch Incammerirung des Stiftes St. Zeno 1803 kam auch Gmain unter landesfürstliches Patronat.[6] 1807 wurde die Gmainer Kirche zur selbständigen Pfarrkirche erhoben und mit einem weltlichen Priester ausgestattet.[7] Gemäß dem Vertrag vom 14. April 1816 zwischen Bayern und Österreich (Vertrag von München) verblieb das Gebiet von Reichenhall beim Königreich Bayern, das Gebiet von Salzburg, mitsamt Gmain, wurde großteils an das österreichische Kaiserreich angegliedert.[8] Eine Staatsgrenze, determiniert durch den Weißbach, teilt seither „die Gmain“ in Bayrisch-Gmain und in (österr.) Großgmain.

Kirche

In der Dorfmitte, umgeben von einem Friedhof, steht die geostete Kirche Zu Unserer Lieben Frau auf der Gmain mit einem großen, weithin sichtbaren Westturm. Die prägende innere Gestaltung des jetzigen Baues stammt aus dem Jahre 1731 und danach.[9] Der Turm wurde 1751, nach einem Brand, der durch Blitzschlag ausgelöst worden war, neu gestaltet. Im Kern ist die Kirche jedoch gotisch. Begonnen wurde der Bau im späten 15. Jahrhundert,[10] vollendet 1529.[11] Die gotische Kirche hatte große Ähnlichkeit mit der Franziskanerkirche in Salzburg. Wie diese hatte sie frei stehende Rundsäulen.[12] Vor der einzig mittigen, östlichen Rundsäule stand ein 1499 geschaffener Flügelaltar mit zehn Tafelbildern.[13] Die bildlichen Darstellungen auf dem Altar wurden durch Tageslicht beleuchtet, das durch große Fenster eindrang. Das Gnadenbild, eine Madonna, war in einem separaten Choraltar hinter dem Hauptaltar aufgestellt. Durch die freie Aufstellung des Flügelaltares vor der Säule konnte derselbe umschritten, und so das dahinter präsentierte Gnadenbild verehrt werden.[14] Seit der Umgestaltung der Kirche im 18. Jahrhundert stellt das Gnadenbild den Mittelpunkt des 1739 von Johann Georg Langmayr geschaffenen Hochaltares dar.[15] Der Umbau der Kirche fand ab 1731 unter Propst Floridus II. Penker (1720–1757) statt und wurde von Tobias Kendler geleitet. Bei diesem wurde unter anderem das Gewölbe, das von sieben weißen Marmorsäulen gestützt worden war, abgebrochen.[16] Ein Anlass dafür war das befürchtete Auseinanderbrechen des Rippengewölbes.[17] Das danach eingezogene Schalengewölbe wurde von Innozenz Anton Warathy mit Fresken versehen.

Ausstattung

Zehn Tafelbilder

Szenen aus dem Leben Marias

Der sogenannte Meister von Großgmain, dessen Hauptwerke alle für den Salzburger Raum entstanden sind, schuf um 1499 die Tafelbilder für den Flügelaltar der Kirche, der vor der mittigen Rundsäule aufgestellt war. Seit der Umgestaltung der Kirche im 18. Jahrhundert und der Zerlegung des Altares hängen dieselben im Chorraum. 1739 errichtete Georg Langmayr den neuen Hochaltar, wobei er die alte Madonna in den Mittelpunkt des Altares platzierte.

Hochaltar

Den Hochaltar schuf Johann Georg Langmayr 1739, der die Salzburger Steingussmadonna mittig in den Hochaltar integrierte. Die Dreifaltigkeitsgruppe, Skulptur mit Krönung Marias, fügte er in den Aufsatz des Altares ein.

Orgel

Ludwig Mooser Orgel 1845
Entwurf, gezeichnet: Louis Mooser

Die erste Orgel in der Gmainer Kirche dürfte Anfang des 17. Jahrhunderts gebaut worden sein und umfasste sechs Register (Manual mit 45 Tasten – Kurze Oktave): Copel 8′, Flöte 4′, Oktav 4′, Superoktav 2′, Zymbel 1′ (zweifach), Quint 113′. Anscheinend wurde diese Orgel einmal durch einen Wetterstraich […] ruiniert und verdörbt. Daher entstand 1670, in Absprache mit dem Hochfürstl. Pflegeverwalter zu Staufenägg, Michael Kopeindl, der Plan, eine neue zu bauen. Die Verantwortlichen trafen dann allerdings eine andere Entscheidung und Christoph Egedacher 1671 beauftragt, lediglich ein neues Gehäuse anzufertigen und das Instrument um ein 18-Töne-Pedal zu erweitern, das dann für zwei Register 36 neue Pfeifen erhielt: Subbass 16′ (gedeckt) und Oktavbass 8′ (offen). Dieses Instrument wurde mehrere Male verändert und repariert, und schließlich 1844 abgerissen. 1845 errichtete Ludwig Mooser eine neue zweimanualige Orgel mit 17 Registern, die er aber kurioserweise nicht ganz vollendete und nur 16 Stimmen einsetzte.[18] Ab 1999 restaurierte Orgelbaumeister Johann Pieringer dieses Instrument umfassend und ergänzte das seit Anbeginn fehlende Register Posaun-Bass 8′.[19]

Disposition 1845

I Manual C–f3
Principal 8′
Gedackt 8′
Hohlflöte 8′
Viola di Gamba 8′
Octav 4′
Flöte 4′
Quinte 223
Picolo 2′
Mixtur V 2′
II Brustwerk C–f3
Copel 8′
Flöte 4′
Dolce 4′
Flagiolet 2′
Pedal C–c0
Violonbass 16′
Subbass 16′
Octavbass 4′
Posaun-Bass 8′

Wallfahrtsstätte

Milchspendende Maria, 1693

Quellenkult

Im 14. Jahrhundert wird ein Brunnen neben der Gmainer Kirche erwähnt, der so genannte Kolomansbrunnen.[20] Möglicherweise ist der Schöpfbrunnen, der auf einem erhaltenen Mirakelbild aus dem Jahre 1530 dargestellt ist, derselbe. Wo aber dieser Brunnen tatsächlich war, ist nicht mehr bekannt.

Heute steht ein Marienbrunnen aus dem Jahre 1693 vom Typ der milchspendenden Madonna (Maria lactans) auf dem Platz vor der Kirche. Ob die Wallfahrt auf der Gmain auf ein vorchristliches Quellheiligtum zurückzuführen ist konnte bisher, mangels schriftlicher Dokumente, nicht geklärt werden.

Gnadenbilder bzw. Kultgegenstände

Steingussmadonna, um 1400

Primärer Kultgegenstand ist eine Salzburger Steingussmadonna aus der Zeit um 1400 in den damals gebräuchlichen Farben Weiß, Blau, Rot nebst Gold.[21] Die Marienstatue in Ypsilonstellung[22] ist ohne Krone 143–144 cm hoch und steht auf einer später hinzugefügten Sockelplatte. Mit der linken Hand trägt sie ein nacktes Kind, das mit beiden Händen einen Apfel hält. Die Figur wurde seit ihrer Entstehung mehrmals verändert. 1871 entkleidete man die Marienstatue, da dieselbe durch das öftere Anziehen und Wegnehmen der Kleider nicht selten beschädigt wurde […] indem Jesukind beide Hände u. ein Vorfuß abgebrochen sind.[23] Zwischen 1962 und 1964 erfolgte eine akribische Restaurierung und versucht, den originalen Zustand wiederherzustellen. Seit 1739 steht die Statue im Zentrum des Hochaltares, zuvor, ab 1539, war sie auf einem Choraltar hinter dem Hochaltar aufgestellt gewesen. Vor 1539 war sie überhaupt außerhalb der Kirche angebracht. Die Legende, nach der bei der Übertragung der Marienfigur dieselbe 1539 herabgestürzt und zerbrochen sei, konnte am Röntgenschirm (1965) bestätigt werden. Mehrere Eisenstäbe halten in der Kniepartie die Statue zusammen.[24] Die im Sockel eingravierte Zahl 1453 dürften in Zusammenhang mit einem besonderen Ereignis stehen (Fall Konstantinopels ?), oder mit dem öffentlichen Aufstellen der davor privat verehrten Madonna.

Dreifaltigkeitsgruppe, um 1499

Sekundärer Kultgegenstand ist eine Dreifaltigkeitsgruppe, Skulptur mit Krönung Marias im Aufsatz des Hochaltares. Anscheinend gehörte diese Gruppe zum Bildprogramm des Flügelaltares, wo sie, vor 1739 und ähnlich wie jetzt, über dem Mittelschrein des Hochaltares angebracht gewesen war. Wallfahrten zu Dreifaltigkeitsbildern entwickelten sich in der Erzdiözese nur in bescheidenem Ausmaß.[25]

Wallfahrt

Voliere für ‚geopferte‘ schwarze Hühner, bis 1870 dafür in Gebrauch

Wallfahrtsmotive waren die Wiederbelebung toter Kinder, Fraisen und Epilepsie, Votive lebende Opfer, insbesondere schwarze Hühner, die während der Messe von den Votanten dreimal um den Hochaltar getragen wurden. Danach sperrte man sie hinter diesem in eine hölzerne Voliere. Der Brauch hielt sich bis 1870. Später, und zwar bis um 1900, war es üblich, die ‚geopferten‘ Hühner gleich im Pfarrhof abzuliefern.[26]

Literatur

  • Walter Brugger: St. Zeno Bad Reichenhall (Schnell, Kunstführer Nr. 157), 3., neu bearbeitete Aufl., Regensburg 2008 (Schnell & Steiner), ISBN 978-3-7954-4162-3.
  • Gustav Gugitz: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Ein topographisches Handbuch zur religiösen Volkskunde in fünf Bänden, Band 5, Wien 1958.
  • Johannes Lang: St. Zeno in Reichenhall. Geschichte des Augustiner-Chorherrenstifts von der Gründung bis zur Säkularisation, Kommission für bayerische Landesgeschichte, München 2009. ISBN 978-3-7696-6878-0.
  • Heribert Metzger: Die Ludwig-Moser-Orgel zu Großgmain im Land Salzburg – ihre Geschichte, Wiederherstellung und späte Vollendung. In: Ars Organi, hg. von der Gesellschaft der Orgelfreunde, 56. Jg. (2008), Heft 1, S. 35–37.
  • Heribert Metzger: „Er hat sich bey seinem Werke Ruhm und Ehre gegründet“. Zur Geschichte und Restaurierung der Ludwig Moser-Orgel zu Großgmain in Salzburg. In: Singende Kirche, hg. von der Österreichischen Kirchenmusikkommission (48. Jg. 2001 Heft 3), S. 122–126.
  • Johannes Neuhardt (Hg.): Salzburgs Wallfahrten in Kult und Brauch. Katalog der 11. Sonderschau des Dommuseums zu Salzburg, Salzburg 1986.
  • Johannes Neuhardt: Wallfahrten im Erzbistum Salzburg, München und Zürich 1982.
  • Österreichische Kunsttopographie 11: Die Denkmale des politischen Bezirkes Salzburg; 2. Band: Gerichtsbezirk Salzburg (ÖKT 11), hg. vom Kunsthistorischen Institute der k.k. Zentral-Kommission für Denkmalpflege, Wien 1916.
  • Roman Schmeißner: Orgelbau in Salzburger Wallfahrtskirchen. WiKu-Verlag, Duisburg & Köln 2015, ISBN 978-3-86553-446-0.
  Commons: Pfarrkirche Großgmain  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise und Anmerkungen

  1. Personalstand der Welt- und Ordens-Geistlichkeit der Erzdiözese Salzburg für das Jahr 1957 (Schematismus 1957), hg. vom Erzbischöflichen Ordinariat Salzburg 1957, S. 172.
  2. Walter Brugger: St. Zeno Bad Reichenhall (Schnell-Kunstführer Nr. 157), 3., neu bearbeitete Aufl., Regensburg 2008, S. 2.
  3. Gustav Gugitz: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch, Wien 1958, Band 5, S. 165.
  4. Walter Brugger: St. Zeno Bad Reichenhall (Schnell-Kunstführer Nr. 157), 3., neu bearbeitete Aufl., Regensburg 2008, S. 5.
  5. MB III, Nr. 3, S. 530: Capella S. Maria Muna. Zit. nach: Johannes Lang: Der Gmainer Grenzraum im ausgehenden Mittelalter. In: 500 Jahre Meister von Großgmain, hg. vom Salzburger Museumsverein, Salzburg 2003 (2. unveränderte Auflage), S. 7 und Anmerkung S. 10.
  6. Joseph Dürlinger: Historisch-statistisches Handbuch der Erzdiöcese Salzburg in ihren heutigen Grenzen. Erster Band: Ruraldecanate des Flachlandes, Salzburg 1862, S. 106.
  7. Pfarr- und Wallfahrtskirche zu Unserer Lieben Frau in Großgmain, hg. von Herbert Schmatzberger, Salzburg 2003 (Christliche Kunststätten Österreichs Nr. 174; 2. überarbeitete und erweiterte Auflage), S. 2.
  8. Friederike Zaisberger: Geschichte Salzburgs. In: Geschichte der österreichischen Bundesländer, hg. von Johann Rainer (München und Wien 1998), S. 249.
  9. Österreichische Kunsttopographie 11: Die Denkmale des politischen Bezirkes Salzburg; 2. Band: Gerichtsbezirk Salzburg (ÖKT 11), hg. vom Kunsthistorischen Institute der k.k. Zentral-Kommission für Denkmalpflege, Wien 1916, S. 124.
  10. Dehio Salzburg 1986, Wien 1986, S. 134.
  11. Gustav Gugitz: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch, Wien 1958, Band 5, S. 165.
  12. Pfarr- und Wallfahrtskirche zu Unserer Lieben Frau in Großgmain, hg. von Herbert Schmatzberger, Salzburg 2003, S. 6.
  13. Pfarr- und Wallfahrtskirche zu Unserer Lieben Frau in Großgmain, hg. von Herbert Schmatzberger, Salzburg 2003, S. 16.
  14. Pfarr- und Wallfahrtskirche zu Unserer Lieben Frau in Großgmain, hg. von Herbert Schmatzberger, Salzburg 2003, S. 4.
  15. Pfarr- und Wallfahrtskirche zu Unserer Lieben Frau in Großgmain, hg. von Herbert Schmatzberger, Salzburg 2003, S. 10.
  16. Johannes Lang: Die Altsalzburger Wallfahrt zu Unserer Lieben Frau auf der Gmain. In: 500 Jahre Meister von Großgmain, hg. vom Salzburger Museumsverein, Salzburg 2003 (2. unveränderte Auflage), S. 80.
  17. Österreichische Kunsttopographie 11: Die Denkmale des politischen Bezirkes Salzburg; 2. Band: Gerichtsbezirk Salzburg (ÖKT 11), hg. vom Kunsthistorischen Institute der k.k. Zentral-Kommission für Denkmalpflege, Wien 1916, S. 124.
  18. Geschichte der Orgeln in der Pfarr- und Wallfahrtskirche Großgmain. In: Roman Matthias Schmeißner: Studien zum Orgelbau in Wallfahrtskirchen der Erzdiözese Salzburg. Dissertation Universität Mozarteum Salzburg 2012, S. 94–125.
  19. Heribert Metzger: Die Ludwig-Moser-Orgel zu Großgmain im Land Salzburg – ihre Geschichte, Wiederherstellung und späte Vollendung. In: Ars Organi, hg. von der Gesellschaft der Orgelfreunde, 56. Jg. (2008), Heft 1, S. 35–37.
  20. BayHStA, KL St. Zeno, Nr. 43: „Apud fontem Sancti Cholomanni“. Zit. nach Johannes Lang: Die Altsalzburger Wallfahrt zu Unserer Lieben Frau auf der Gmain. In: 500 Jahre Meister von Großgmain, hg. vom Salzburger Museumsverein, Salzburg 2003 (2. unveränderte Auflage), S. 76 und Anmerkung S. 82.
  21. Dieter Großmann: Salzburgs Anteil an den „Schönen Madonnen“ . In: Schöne Madonnen. 1350–1450, hg. von Johannes Neuhardt, Salzburg 1965, S. 29.
  22. Gustav Gugitz: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch, Wien 1958, Band 5, S. 165.
  23. AES: Kasten 6, Fach 26, Faszikel 16 (Teil 2), betreffend Großgmain (Großgmain, 3. Februar 1871).
  24. Johannes Neuhardt: Wallfahrten im Erzbistum Salzburg, München und Zürich 1982, S. 73.
  25. Dieter Assmann: Wallfahrten in der Erzdiözese Salzburg – ein volkskundlicher Überblick. In: Salzburgs Wallfahrten in Kult und Brauch, hg. von Johannes Neuhardt, Salzburg 1986, S. 24.
  26. Gustav Gugitz: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch, Wien 1958, Band 5, S. 165.