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vom 10.01.2018, aktuelle Version,

Piaristenkirche Krems

Piaristenkirche und Frauenbergturm – gesehen vom Pfarrplatz Krems

Die Piaristenkirche in Krems an der Donau, auch Kremser Frauenbergkirche, ist die älteste Kirche der Stadt. Die römisch-katholische Kirche war möglicherweise dem hl. Stephanus, dem Patron des Bistums Passau geweiht.

Pfarr- und Baugeschichte

Piaristenkirche (links) gesehen von der Wachtbergstraße in Krems (um 1900)
Hochaltar mit dem Hochaltarbild «Himmelfahrt Mariä» (1756) von Martin Johann Schmidt
Netz- und Sternrippengewölbe der Piaristenkirche

Seit 1284 ist an dieser Stelle eine Marienkirche nachweisbar, die im späten 15. Jahrhundert als Kirche der Bürgergemeinde, nicht als Pfarrkirche großzügig ausgebaut wurde.

Eine Altarweihe wird 1457 genannt, das Südportal trägt das Datum 1477. Die Kirchenweihe erfolgte dann 1508, doch dürfte die endgültige Fertigstellung, wie zwei Bauinschriften zeigen, erst 1514 und 1515 erfolgt sein. In ihrer spätgotischen Form zählt diese Kirche zu den bedeutendsten Niederösterreichs mit reichem Netzrippengewölbe und eleganten Maßwerkformen, die zum Teil schon in die Renaissance weisen.

Jesuiten seit 1616

1616 wurde die Kirche den Jesuiten übergeben, die im Anschluss Kloster und Gymnasium errichteten.
Bei der Übergabe an die Jesuiten 1616 wurde der von vier Ecktürmchen bekrönte Frauenbergturm ausgenommen, da er der Bürgerschaft als Stadtturm (Brandwache, Glockensignal) diente. Als Hinweis darauf trägt er – als einziger Kirchturm Österreichs – auf seiner Spitze noch heute kein Kreuz, sondern das Stadtwappen.

Piaristen seit 1776

1776 trat an deren Stelle der Schulorden der Piaristen. Diese hatten 1749 in St. Pölten ihre erste Niederlassung gegründet und wurden nach der Aufhebung des Jesuitenordens von der Kaiserin Maria Theresia ersucht, das von den Jesuiten geräumte Kollegium und die Kirche in Krems zu übernehmen.

Der heutige spätgotische Bau wurde 1475 bis 1515 errichtet und trotz der späteren Barockisierung ist an den gotischen Bündelpfeilern, dem Netz- und Sternrippengewölbe und den großen Maßwerkfenstern noch der Einfluss der Wiener Dombauhütte zu St. Stephan gut zu erkennen.

Die barocke Innenausstattung beinhaltet eine große Anzahl an Werken des bedeutenden österreichischen Barockmalers Martin Johann Schmidt, genannt der „Kremser Schmidt“. Zu den wichtigsten zählt das Hochaltarbild Himmelfahrt Mariä (1756) der rechte Seitenaltar, das den Gründer des Piaristenordens den hl. Josef Calasanz darstellt, und die Altäre an den nördlichen und südlichen Langhauswänden (hl. Josef, bzw. hl. Aloysius) sowie das Fresko am Eingang zur Franz-Xaver-Kapelle gegenüber dem Hauptportal. Diese ließen die Jesuiten 1640 an die Kirche anbauen.

Orgel

Die Orgel wurde im Jahre 1893 von dem Orgelbauer Franz Capek (Krems) in einem vorhandenen älteren Gehäuse erbaut und 1998 von der Orgelbaufirma Kuhn restauriert. Das Instrument hat 19 Register auf Registerkanzellenladen, die Spiel- und Registertrakturen sind mechanisch.[1]

I Hauptwerk C–f3
1. Bourdon 16′
2. Principal 8′
3. Gemshorn 8′
4. Gamba 8′
5. Gedeckt 8′
6. Octav 4′
7. Flöte 4′
8. Rauschquinte 223
9. Mixur 223
II Brustwerk C–f3
10. Geigenprincipal 8′
11. Philomena 8′
12. Salicional 8′
13. Aeoline 8′
14. Octav 4′
15. Flöte 4′
Pedal C–f1
16. Violonbass 16′
17. Subbass 16′
18. Octavbass 8′
19. Cellobass 8′

Frauenbergturm

Orgel
Piaristenglocke

In seinen unteren Teilen stammt der Frauenbergturm aus dem frühen 13. Jahrhundert, wie die romanischen Fenster zeigen, wurde aber im 15. Jahrhundert erhöht und erhielt die charakteristischen Ecktürmchen. In der Barockzeit wurden die großen Schallfenster der Glockenstube herausgebrochen.

Die Glocke, genannt Piaristenglocke oder Kremser Pummerin, ist die große Stadtglocke von Krems. Sie wurde 1702 von Mathias Prininger in Krems gegossen. Mit 5016 kg Gewicht und einem Durchmesser von 208 cm hat sie den Schlagton g0+2 und ist die 18-größte Glocke Österreichs und wird heute fünf Mal pro Jahr händisch geläutet.
Sie trägt die interessante Inschrift

EN EGO CAMPANA NVNQVAM ANNVNTIO VANA BELLVM VEL VESTVM TONITRV IGNEM AVT FVNVS

Frei übersetzt bedeutet das „Siehe die Glocke bin ich / Nichtiges niemals verkünde ich / dafür aber Krieg und Freudengesang / Donner und Blitz sowie Begräbnisgang“.[2] Die Glocke wird heute noch händisch geläutet und erklingt nur an den höchsten Feiertagen und zu Silvester.

Auf einem Dachreitertürmchen sitzt ein Engel zusammen mit einer Teufelsfigur.

Neben der Tür zum Turmaufgang ist in der Westwand der Kirche ein jüdischer Grabstein eingemauert, der leider deutliche Verfallserscheinungen zeigt. Um 1900 war die Schrift noch lesbar, sodass erhalten blieb, dass dieser Stein dem Andenken des Rabbi Nachlifa gewidmet war († um 1395). Warum jüdische Grabsteine nach Zerstörung der Gemeinde in Krems 1421 von ihrem Friedhof in die Stadt übertragen wurden, wo sie sich auch in Bürgerhäusern befinden, kann nur als Vermutung ausgesprochen werden.
Wahrscheinlich geschah dies im 16. Jahrhundert, als in einer humanistischen Sprachtheorie das Hebräische als Wurzel aller Sprachen, als die älteste Sprache der Menschheit aufgefasst wurde.

Krypta

In der Krypta unter der Kirche sind etwa 30 m³ Knochen des ehemaligen Friedhofs aufgeschichtet und es befinden sich dort 68 Grabnischen.

Literatur

  • Hans Frühwirth: Die Doppelstadt Krems-Stein. Ihre Geschichte von 1848–2000 (Mitteilungen des Kremser Stadtarchivs; Bd. 30). Kulturamt der Stadt Krems, Krems 2000, ISBN 3-9501219-0-0.
  Commons: Piaristenkirche Krems  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Informationen zur Orgel auf der Website der Orgelbaufirma
  2. Jörg Wernisch: Glockenkunde von Österreich, Journal-Verlag, Lienz 2006.