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vom 11.02.2018, aktuelle Version,

Reichenberg-Gablonz-Tannwalder Eisenbahn

Streckennetz der RGTE

Die A.G. Reichenberg-Gablonz-Tannwalder Eisenbahn (R.G.T.E.) war eine staatlich garantierte Lokalbahngesellschaft im heutigen Tschechien. Deren wichtigste Strecke war die Lokalbahn von Reichenberg (heute: Liberec) über Gablonz (heute: Jablonec nad Nisou) und Morchenstern (heute: Smržovka) nach Tannwald (heute: Tanvald). Am 1. Januar 1930 wurde die Gesellschaft verstaatlicht und wurde Teil der Tschechoslowakischen Staatsbahn (ČSD).

Geschichte

Die Konzessionserteilung für den Bau einer Strecke von Reichenberg nach Gablonz, mit eventueller Verlängerung nach Tannwald, erfolgte am 2. Juli 1886. Die erste Strecke von Reichenberg nach Gablonz wurde am 26. November 1888 eröffnet. Am 15. März 1893 erhielt die RGTE eine Konzessionserweiterung für eine Flügelbahn von Morchenstern nach Josefsthal. Die Strecke Gablonz–Wiesenthal wurde am 12. Juli 1894, die restliche Strecke bis Tannwald und die Flügelbahn am 10. Oktober 1894 eröffnet.

Am 1. Juli 1902 wurde, um einen Anschluss an die preußischen Staatsbahnen zu erhalten und die landschaftlich reizvolle Gegend des Riesengebirges zu erschließen, eine Verlängerung von Tannwald nach Grünthal (Reichsgrenze) in Betrieb genommen. Diese Strecke wurde für ihre 6,652 km lange Zahnradstrecke bekannt.

Vom Tag der Eröffnung an führte die k.k. priv. Süd-Norddeutsche Verbindungsbahn (SNDVB) den Betrieb. Ab 1. Juli 1902 übernahmen die k.k. Staatsbahnen (kkStB) die Betriebsführung.

Die Strecken

Fahrbetriebsmittel

Lokomotiven

Als Erstaustattung erwarb die Lokalbahngesellschaft zwei vierfach gekuppelte Tenderlokomotiven von der Wiener Neustädter Lokomotivfabrik und zwei dreifachgekuppelte Tenderlokomotiven von Krauss in Linz. Die vierfachgekuppelten Lokomotiven waren mit nur 36 Tonnen Dienstmasse die leichtesten österreichischen Lokomotiven dieser Bauart. Mit der Streckenerweiterungen nach Tannwald und Josefsthal-Maxdorf wurden nochmals dreifachgekuppelte Maschinen von Krauss in Linz beschafft. Es handelte sich um eine vergleichsweise schwere kräftige Type, die sich bereits auf der Lokalbahn Großpriesen–Wernstadt–Auscha unter ähnlichen Einsatzbedingungen bewährt hatte. Auf der Zahnradbahnstrecke nach Grünthal setzte die RGTE vierfachgekuppelte Zahnradlokomotiven ein, die 1901 von der Lokomotivfabrik Floridsdorf geliefert wurden.

Die Lokomotiven trugen fast ausschließlich die Namen der Orte des Verkehrsgebietes. Als einzige der RGTE-Lokomotiven blieb die frühere 23G IGNAZ GINZKEY als Exponat des Technischen Nationalmuseums Prag museal erhalten. Im letzten Einsatzzustand als ČSD 404.003 ist sie heute im Eisenbahnmuseum Jaroměř als Leihgabe hinterstellt.

Lokomotiven der Reichenberg-Gablonz-Tannwalder Eisenbahn
RGTE-Nr. Bild Anzahl Hersteller Baujahr Achsformel kkStB-Nr. ČSD-Nr. DR-Nr. Anmerkung
1G–2G 2 Wiener Neustadt 1888 D n2t 78.10–11 400.001–002
5G–6G 2 Krauss/Linz 1888 Ct n2 293.20–21 300.201–202
11G–15G 5 Krauss/Linz 1894, 1904, 1909 Cn2t 162.24–30 313.424–430 98.1216–1222
21G–23G 3 Floridsdorf 1901 D1zz-n4t 169.50–52 404.001 –003 97 601–603 Zahnradlokomotive

Wagen

Am 1. Jänner 1895 besaß die RGTE sieben Personenwagen der 2. Klasse, vier kombinierte der 2. und 3. Klasse und 26 Stück, die nur die 3. Klasse führten. Es handelte sich dabei ausschließlich um zweiachsige Fahrzeuge mit offenen Plattformen. Sie waren von Anfang an mit einer Saugluftbremse ausgerüstet. Die Wagen blieben auch nach der Verstaatlichung 1930 in ihrem Einsatzgebiet und wurden erst nach dem Zweiten Weltkrieg von den ČSD ausgemustert.

Literatur

  • Alfred Horn: Die Österreichische Nordwestbahn (= Die Bahnen Österreich-Ungarns. Band 1). Bohmann Verlag, Wien 1967, S. 132–143.