unbekannter Gast
vom 14.04.2018, aktuelle Version,

RosaLila PantherInnen

Die RosaLila PantherInnen - Schwul-Lesbische ARGE Steiermark, gegründet 1991 als Rosarote Panther, ist ein steirischer Verein, der für die Gleichstellung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und TransGender-Personen arbeitet. Es handelt sich um den einzigen Verein dieser Bevölkerungsgruppe in der Steiermark. Seinen jetzigen Namen trägt der Verein seit 1997.[1]

Vorsitzender ist Joe Niedermayer[2], das Vereinslokal Feel Free befindet sich in der Annenstraße in Graz.

Begegnung und Beratung

Die wichtigsten Funktionen des Vereins sind einerseits Peer-Beratung für Lesben, Schwule, Bisexuelle und deren Angehörige, andererseits Begegnungsangebote für die Zielgruppen. Dafür wurde Frauenzimmer und Männerstammtisch, die Jugendgruppe ausufern, die TransGender-Gruppe und der Begegnungskreis Homosexualität und Glaube eingerichtet. Weiters engagiert sich der Verein für Unterstützung beim Coming-out, für Safer-Sex-Aufklärung, stellt Broschüren und eine Bibliothek zur Verfügung, vertreibt Regenbogen-Artikel und erstellt den Grazer Gay Guide. Neben dem Tuntenball stellt das alljährliche CSD-Parkfest im Grazer Volksgartenpark ein markantes Ereignis der Sichtbarkeit und einen Spaßfaktor im Leben der Grazer Lesben und Schwulen dar.

Das Schulworkshop-Projekt Liebeist.org [Liebe ist Arg] startete im Sommer 2007 als Idee einiger junger Vereinsmitglieder, „die aktiv gegen Ungleichbehandlung und Diskriminierung von anders l[i]ebenden Personen ankämpfen wollten.“ Das Ergebnis ihrer Arbeit war eine Informations- und Aufklärungsmappe, die im Herbst desselben Jahres flächendeckend an alle steirischen Schulen und Jugendeinrichtungen verschickt wurde. In der Folge wurden auch Team Workshops für Schulen konzipiert und durchgeführt.

Tuntenball

Am 17. Februar 1990 fand in der Uni Mensa der Karl-Franzens-Universität Graz der erste Tuntenball statt, Motto: Auf Du und Du mit dem Stöckelschuh. Die Veranstalter wollten „damit selbstbewusst der oft geringschätzigen und abwertenden Haltung gegenüber Tunten, in der Öffentlichkeit wie auch in Teilen der schwulen Szene, entgegentreten“. Getanzt wurde zu Gloria Gaynors Discoversion von I Am What I Am und um Mitternacht traten Travestiekünstler aus Graz und Umgebung „mit komödiantischen Playback-Interpretationen von Arien und Schlagern“ auf.

Der Ball wurde schnell zur Institution, fand ab 1996 im Meerscheinschlössl ein neues Domizil und 2003 – in dem Jahr, in dem Graz Kulturhauptstadt Europas war – im Grazer Congress. Heute finanziert der Reinerlös des Balles den gesamten Jahresbetrieb des Vereins RosaLila PantherInnen und sichert seine finanzielle und politische Unabhängigkeit. Am 22. Februar 2014 fand der 25. Grazer Tuntenball statt – unter dem Motto Nostalchic – Anything Goes. Die Grußadresse Elisabeth Gürtlers begann mit einem Zitat Gustav Mahlers: „Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.“ Stargast war Lilo Wanders, 2.400 Gäste tanzten durch die Nacht.[3]

Politische Arbeit

Die PantherInnen sahen sich seit der Gründung auch als politische Aktionsgruppe, entschlossen die Anerkennung und Gleichstellung der von ihnen vertretenen Bevölkerungsgruppe durchzusetzen.[4][5] Daher nutzten und nutzen sie auch regelmäßig die Publicity rund um den Tuntenball für Öffentlichkeitsarbeit zu Gleichstellungsfragen.[6][7][8] In drei Fällen erreichten die PantherInnen politische Erfolge von überregionaler Bedeutung:

Pflegefreistellung im Landesdienst

Bereits 1996 erreichten die PantherInnen, dass steirische Landesbedienstete, die in gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften leben, im Krankheitsfall ihres Partners Pflegeurlaub eingeräumt bekommen. Es handelte sich hierbei um das erste Bundesland Österreichs, welches eine derartige Regelung einführte, und war umso überraschender, als die damalige Landeshauptfrau Waltraud Klasnic von der ÖVP gestellt wurde.

Bindestrich im Doppelnamen

Als die Eingetragene Partnerschaft (EP) für gleichgeschlechtliche Partner 2010 in Österreich eingeführt wurde, bestanden rund sechzig Ungleichstellungen zum Institut der Ehe. Zum einen wurde der EP von der ÖVP der Familienstatus vorenthalten, zum anderen wurden alle Formen von Adoptionen und medizinisch unterstützter Fortpflanzung verboten. Als demütigend wurde von vielen Paaren angesehen, dass sie einerseits die Zeremonie ihrer Verpartnerung - ausschließlich auf Grund der rigiden Linie der ÖVP - nicht am Standesamt feiern durften, sondern vor der Bezirkshauptmannschaft, dass ihr gemeinsamer Nachname nicht als Familienname gilt und dass ihnen bei Wahl eines Doppelnamens der Bindestrich verweigert wurde. Dies ermöglichte jedem Personalchef bereits bei Sichtung einer Bewerbung festzustellen, dass es sich um einen Bewerber in gleichgeschlechtlicher Partnerschaft handelt.

Zwei verpartnerte Mitglieder der PantherInnen klagten beim Verfassungsgerichtshof gegen die Diskriminierung des fehlenden Bindestrichs und setzten durch, dass künftig auch eine EP zu einem Doppelnamen mit Bindestrich führen kann.[9] Das Urteil gilt für ganz Österreich.

Trauungssaal für alle

Obwohl gleichgeschlechtliche Paare seit 2010 in Österreich eine Eingetragene Partnerschaft eingehen können, verwehrte der Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl die Zeremonie für lesbische und schwule Paare im Grazer Trauungssaal im Rathaus. Die PantherInnen wehrten sich von Anbeginn gegen diese Zurücksetzung[10] und gründeten schließlich im Sommer 2013 – gemeinsam mit Sozialistische Jugend, Grazer SPÖ, KPÖ und den Piraten – eine Plattform und starteten eine Unterschriftenaktion.[11]

Bereits im August desselben Jahres öffnete Bürgermeister Nagl – einem Urteil des Verfassungsgerichtshofs folgend – ab 1. September den Trauungssaal auch für gleichgeschlechtliche Paare.[12][13] Danach suchte der Bürgermeister einen neuen Namen für den Trauungssaal des Grazer Rathauses, da es sich bei Verpartnerung nicht um eine Trauung handle.[14][15] Bislang wurde der neue Name noch nicht gefunden.[16]

Österreichweite Vernetzung

Die PantherInnen engagierten sich seit ihrer Gründung stark für Vernetzung auf der nationalen Ebene. Sie organisierten 1993 das 3. Österreichische Lesben- und Schwulenforum (ÖLSF) und zählten zu den Mitgründern des gleichnamigen Vereins, der am 4. Februar 1995 in Graz seine Gründungsversammlung abhielt. Die PantherInnen beteiligten sich auch am Internationalen Menschenrechts-Tribunal zum Thema 50 Jahre Zweite Republik, 50 Jahre Unterdrückung von Lesben und Schwulen in Wien und 1996 an der ersten Regenbogenparade. Beim Dornbirner ÖLSF-Forum erregten die Grazer Aktivisten und Aktivistinnen hohe Aufmerksamkeit mit einer Straßenaktion. Besonders engagiert für die Vernetzung waren die Panther Kurt Zernig und Hans-Peter Weingand, die auch heute noch dem Vereinsvorstand angehören, sowie der langjährige Vorsitzende Heinz Schubert. Die Partnerseite ihrer Website belegt, wie intensiv die PantherInnnen auf lokaler und nationaler Ebene vernetzt sind.[17]

Zeitschrift Pride

Als Vorgängerverein der PantherInnen gilt die Homosexuelle Initiative Steiermark (HOSI Steiermark), die von 1983 bis 1989 bestand. Deren Zeitschrift war die – ebenfalls bis 1989 herausgegebene Rosa Buschtrommel. Die PantherInnen führten diese Tradition fort, indem sie ihre seit 1992 bestehende Zeitschrift RosaLila Buschtrommel nannten. Im Jahr 2000 wurde die Buschtrommel mit der Zeitschrift der HOSI LinzPRIDE – fusioniert. Seit 2008 gehört auch der Verein HOSI Tirol zu den Herausgebern. PRIDE erscheint alle zwei Monate und ist das zweitgrößte nichtkommerzielle Printmedium für Lesben und Schwule in Österreich.

Edition Regenbogen

In der Studienreihe Homosexualität des Vereins sind bislang u. a. folgende Bände erschienen:

  • Karin Pirolt, Kurt Zernig, Hans-Peter Weingand: Was wäre wenn? - Eingetragene Partnerschaften von Lesben und Schwulen in Österreich. Vergleichende Darstellung der rechtlichen Instrumente für gleichgeschlechtliche Paare in Europa und eine Abschätzung der finanziellen Auswirkungen auf die öffentlichen Hände bei Einführung der eingetragenen Partnerschaft nach dänischem Muster in Österreich. Im Auftrag des Ludwig-Boltzmann-Institutes zur Analyse wirtschaftspolitischer Aktivitäten. (Edition Regenbogen - Studienreihe Homosexualität, Bd. 1). Graz 2000, ISBN 3-902080-00-0.
  • Julius Zinner: Entspricht die Bestrafung der Homosexuellen unserem Rechtsempfinden? Hrsg. und Kommentiert von Hans-Peter Weingand. (Edition Regenbogen – Studienreihe Homosexualität, Bd. 2). Graz 2009, ISBN 978-3-902080-01-1.
  • Martin J. Gössl: Als die erste Münze flog und die Revolution begann. (Edition Regenbogen – Studienreihe Homosexualität, Bd. 3). Graz 2009, ISBN 978-3-902080-02-8.
  • Martin J. Gössl: Von der Unzucht zum Menschenrecht. Eine Quellensammlung zu lesbisch-schwulen Themen in den Debatten des österreichischen Nationalrats von 1945 bis 2002. (Edition Regenbogen – Studienreihe Homosexualität, Bd. 4). Graz 2012, ISBN 978-3-902080-03-5.

Einzelnachweise

  1. Kevin Recher: Ein Acker, der noch zu bearbeiten ist. Gespräch mit Hans-Peter Weingand. In: Annenpost. 28. September 2011, abgerufen am 28. Februar 2014.
  2. MitarbeiterInnen - RosaLila PantherInnen. In: RosaLila PantherInnen. (homo.at [abgerufen am 26. Februar 2017]).
  3. Kleine Zeitung: "Alles pailletti" am Tuntenball., Videokurzbericht vom 22. Februar 2014, abgerufen am 27. Februar 2014.
  4. Falter: Ich will ein Doppelbett. Homosexuell in der Steiermark: Über Doppelmoral, Hochzeiten und religiöse Verblendung, N. 6/2010, abgerufen am 27. Februar 2014.
  5. Die Standard: Steirische Rosalila PantherInnen werden 20. 21. November 2011, abgerufen am 27. Februar 2014.
  6. Kleine Zeitung: Vorbereitungen für den Tuntenball laufen. 12. Februar 2009, abgerufen am 27. Februar 2014.
  7. Kronen Zeitung: Grazer Tuntenball feiert 20. Jubiläum. 17. Februar 2009, abgerufen am 27. Februar 2014.
  8. Kleine Zeitung: Die schrägste Ballnacht im Paradies. 26. Februar 2012, abgerufen am 27. Februar 2014.
  9. ORF Steiermark: 20 Jahre „Rosalila PantherInnen“. 21. November 2011, abgerufen am 27. Februar 2014.
  10. Kleingeistiger ÖVP-Bürgermeister präsentierte kleingeistige Variante. Kein Standesamt, kein Trauungssaal. 21. Dezember 2009, abgerufen am 27. Februar 2014.
  11. ORF Steiermark: Initiative will Grazer Trauungssaal für alle öffnen. 31. Juli 2013, abgerufen am 21. Februar 2014.
  12. Der Standard: Grazer Trauungssaal öffnet auch für homosexuelle Paare. 19. August 2013, abgerufen am 21. Februar 2014.
  13. Stadtgespräch – Trauungssaal für alle. Gregor Withalm im Gespräch mit Martina Weixler (RosaLila PantherInnen) und Sissy Potzinger (Katholischer Familienverband), abgerufen am 21. Februar 2014.
  14. Think Outside Your Box: ÖVP-Nagl: Grazer Trauungssaal bekommt neuen Namen wegen Öffnung für Lesben und Schwule., abgerufen am 21. Februar 2014.
  15. Kleine Zeitung: Grazer Trauungssaal bekommt einen neuen Namen. 21. August 2013, abgerufen am 27. Februar 2014.
  16. Trauungsorte der Stadt Graz. offizielle Website, abgerufen am 27. Februar 2014.
  17. Partner der RosaLila PantherInnen., abgerufen am 21. Februar 2014.