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vom 03.11.2021, aktuelle Version,

Rupert Klieber

Rupert Klieber (* 12. September 1958 in Radstadt/Salzburg) ist ein österreichischer katholischer Kirchenhistoriker. Er lehrt als außerordentlicher Professor an der Universität Wien.

Werdegang

Klieber studierte Katholische Theologie, Geschichte und einige Semester Kunstgeschichte an der Universität Salzburg mit den Abschlüssen Mag. phil. (1985), Mag.theol. (1987), Dr. phil. (1991) und Dr. theol. (2007). Ab 1989 war er am Institut für Kirchliche Zeitgeschichte des Internationalen Forschungszentrums in Salzburg; seit 1994 lehrt er am Institut für Kirchengeschichte der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien. Er habilitierte sich im Jahre 1998. Von 2007 bis 2011 war er Vorsitzender der „Arbeitsgemeinschaft katholischer KirchenhistorikerInnen Österreichs“.

Forschungstätigkeit

Kliebers Forschungen betreffen den Politischen Katholizismus sowie die kirchliche Zeitgeschichte. Die Haltung der katholischen Kirche gegenüber dem Nationalsozialismus während seiner Herrschaft in Österreich kennzeichnet Klieber als „begrenzte Loyalität“, denn seiner Meinung nach treffen weder „Widerstand“ oder „Kirchenkampf“ einerseits, noch „Anpassung“ oder „Kollaboration“ andererseits als Beschreibung des Gesamtverhaltens der kirchlichen Verantwortlichen zu.[1] Diese differenzierte Sicht unterscheidet sich von der verbreiteten Tendenz, die Kirche einseitig als Opfer zu sehen.[2] Ein weiterer Forschungsschwerpunkt Kliebers ist die neuzeitliche Frömmigkeitsgeschichte sowie die religiöse Alltagsgeschichte. Seit 2019 arbeitet er an einem biographischen Lexikon über die Absolventen des Priesterkollegs St. Augustin in Wien (Frintaneum, 1816–1918) sowie an einem Bischofslexikon der Habsburgermonarchie (1804–1918).[3]

Auszeichnungen

Schriften (Auswahl)

  • „Widerstand“, „Resistenz“ oder „Widerwillige Loyalität“? Das Ringen um die religiösen Vereine (1938–1941). In: Maximilian Liebmann, Hans Paarhammer, Alfred Rinnerthaler (Hrsg.): Staat und Kirche in der „Ostmark“. Peter Lang, Frankfurt/Main u. a. 1998, S. 95–132.
  • Bruderschaften und Liebesbünde nach Trient: ihr Totendienst, Zuspruch und Stellenwert im kirchlichen und gesellschaftlichen Leben am Beispiel Salzburg 1600–1950. Lang, Frankfurt am Main u. a. 1999, ISBN 3-631-34044-3.
  • Hrsg. mit Hermann Hold: Impulse für eine religiöse Alltagsgeschichte des Donau-Alpen-Adria-Raumes. Böhlau, Wien u. a. 2005, ISBN 3-205-77310-1.
  • Mit Martin Stowasser: Inkulturation. Historische Beispiele und theologische Reflexionen zur Flexibilität und Widerständigkeit des Christlichen (= Theologie, Band 10). Lit, Münster u. a. 2006, ISBN 3-8258-8080-X.
  • Hrsg. mit Karl Schwarz: Österreichs Kirchen im 20. Jahrhundert. Eine Bibliographie (= Österreichische historische Bibliographie, Sonderband 1). Neugebauer, Graz u. a. 2007, ISBN 978-3-85376-179-3.
  • Jüdische – christliche – muslimische Lebenswelten der Donaumonarchie, 1848–1918. Böhlau, Wien u. a. 2010, ISBN 978-3-205-78384-8.
  • Die Bischöfe der Donaumonarchie 1804 bis 1918. Ein amtsbiographisches Lexikon, Band 1: Die röm.-kath. Kirchenprovinzen Gran, Kalocsa, Erlau im Königreich Ungarn. Duncker & Humblot, Berlin 2020, ISBN 978-3-428-15648-1 (Print), ISBN 978-3-428-55648-9 (E-Book)

Einzelbelege

  1. Rupert Klieber: „Widerstand“, „Resistenz“ oder „Widerwillige Loyalität“? Das Ringen um die religiösen Vereine (1938–1941). In: Liebmann, Paarhammer, Rinnerthaler (Hrsg.): Staat und Kirche in der „Ostmark“. 1998, S. 129f.
  2. So Franz Graf-Stuhlhofer in seiner Rezension des Sammelbandes Staat und Kirche in der „Ostmark“, hrsg. von Liebmann u. a., 1998. In: Kirchliche Zeitgeschichte 12 (1999) S. 573–575. In dieser Rezension hebt Graf-Stuhlhofer den Beitrag Kliebers besonders hervor.
  3. "Breiter Horizont": Festschrift würdigt Kirchenhistoriker Klieber. Abgerufen am 27. Mai 2019.