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vom 05.03.2020, aktuelle Version,

Schloss Auhof (Perg)

Schloss Auhof bei Perg um 1674, Stich von G.M.Vischer

Schloss Auhof ist ein in Privatbesitz befindlicher und nach wie vor bewohnter Sitz in der Ortschaft Auhof in der Katastralgemeinde Pergkirchen der Stadtgemeinde Perg im Machland im Unteren Mühlviertel in Oberösterreich.

Lage

Das Schloss liegt etwa fünf Kilometer östlich des Zentrums von Perg am Fuße des Granit- und Gneisplateaus, das sich nördlich der Donau erhebt.

Geschichte

Das vielfach zitierte Jahr 1294 als erste schriftliche Erwähnung von Auhof in Zusammenhang mit Dietrich und Dietmar von Au (Herren von Au, Gemeinde Naarn im Machlande) ist allerdings nicht eindeutig für Auhof gesichert.[1] Ebenso bezieht sich die Nachricht über Heinreich von Awe, indirekt nachweisbar 1411 und 1418, nicht eindeutig auf den adeligen Edelmannsitz Auhof.[1]

Die erste historisch gesicherte Erwähnung von Aufhof stammt aus dem Jahr 1418, als das Landgut Hanns dem Rawber gehörte, der Auhof 1430 an Ulrich den Zeller weiter verkaufte.[2] Während das Edelmannsitz selbst freieigener Besitz war, waren Fischweide und Wildbann landesfürstliches Lehen, wofür Zeller 1455 die Belehnung durch König Ladislaus Postumus erhielt.[2]

Der adelige Edelmannsitz lag damals etwas erhöht hinter dem heutigen Schloss. Der Erstbau dürfte sich an der Stelle des Stöckelgebäudes im heutigen Meierhof befunden haben, wie die Bezeichnung „altes Schloss“ für das dort befindliche Gebäude in der Topographia Windhagiana nahelegt.[2] Um 1530 gehörten zum Landgut elf bewirtschaftete Überlandgüter, fünf Bauernhöfe und Häusl in Auhof, Obstgärten, Teiche, eine Taverne, eine Schmiede, eine Mühle, der Meierhof mit Ställen und Stadeln, 58 Tagwerk Ackerland, 55 Tagwerk Wiesen und eine Holzstatt. Vermutlich unter Veit Flußhart wird in der Zeit nach 1568 der Neubau des heutigen Hauptgebäudes als Ersatz für das „alte Schloss“ erfolgt sein.[2]

Durch Gütertausch kam Auhof im Jahr 1667 an die Zisterzienser im nahen Stift Baumgartenberg. In einer kaiserlichen Bestätigung vom 5. Juli 1667 wurde dem Kloster auch gestattet, zu Ehren des Heiligen Bernhard, Gründer und Verbreiter des Ordens, den neuen Namen St. Bernhardshof für das Landgut zu verwenden.[3] Die Erholungsstätte der Baumgartenberger Mönche bestand aus einem dreigeschossigen, rechteckigen Gebäude (Baubeginn 1568) mit einem Erkerturm. Abt Bernhard Breil ließ nach 1667 die aus der Süd-Ost-Front hervor springende St. Bernhardskapelle erbauen. 1693 kam es zu einem verheerenden Brand, dem fast der gesamte Bau zum Opfer fiel. Abt Kandidus Pfiffer ließ den Hof wieder errichten, was einem Neubau gleichkam. Kurz nach Aufhebung des Stiftes durch Kaiser Josef II. wurde der Hof verkauft und erhielt wieder seinen ursprünglichen Namen.

1945 wurde die Liegenschaft schwer verwüstet und seiner Einrichtung beraubt. Das ab 1955 wiederhergestellte Gebäude dient seither als Wohnung und Gutsverwaltung. 1975 wurde die Schlosskapelle nach einer aufwändigen Renovierung wieder eingeweiht.[4]

Besitzer

Im Laufe der Jahrhunderte ging das Schloss mehrmals auf andere Adelsgeschlechter über. Als weitere Besitzer des Auhofes mit seinen Untertanen und Gründen sind bekannt:

  • 1418 Hanns der Rauber[2]
  • 1430 Ulrich der Zeller[2]
  • 1455 Hans der Zeller
  • 1534 Afra Sandorfferin[2]
  • 1554 oder 1559 Wilhelm Künigsfelder, dritter Gatte von Afra Sandorffer[2]
  • 1568 Veit der Jüngere Flußhart, Enkel von Afra Sandorffer[2]
  • 1579 Georg Flußhart, Veits Bruder
  • 1580 Stefan Reuthmer, Pfleger der Herrschaft Niederwallsee[2]
  • 1586 Hans Stefan Reuthmer, dessen Sohn
  • 1608 Hans Albrecht Paumgartner von Holenstein, Pfleger der Herrschaft Schwertberg (als Heiratsgut der Maria Reuthmer)
  • 1620 Georg Balthasar Paumgartner, dessen Sohn[3]
  • 1631 Johann Kaspar Riedtießer
  • 1635 Margarethe, dessen Gattin, und deren beide Töchter Anna und Maria Christina Riedtießer[3]
  • 1663 Freiherr und späterer Graf Joachim Enzmilner von Windhaag bei Perg
  • 1667 Stift Baumgartenberg, nach dessen Erwerb und Sanierung das Anwesen Sankt Bernhardshof genannt wurde.
  • 1782 Anton Hofbauer, ehemaliger Postexpeditor aus Zwettl, 22 Kinder
  • 1836 Bischof Gregor Thomas Ziegler
  • 1844 Johann Adam Talazko von Gestititz
  • 1858 Leopold Talatzko von Gestititz, dessen Sohn[5]
  • 1860 Cajetan Ritter von Mayrau
  • 1882 Rudolf und Friedrike Pfisterer, geborene Mayer von Mayrau[6]
  • seit 1931 gehört das Schloss Auhof der Familie Löw-Baselli.

Beschreibung

Die heutige schlichte, frühhistoristische Fassade stammt vom umfassenden Aus- und Umbau von 1882 durch Friederike von Pfisterer.[6] An der Südostecke befindet sich ein dreigeschossiger, fünfseitiger, turmartiger Anbau mit einem flachen Zeltdach, den Pfisterer an Stelle des Eckturms errichtet ließ, der den Brand von 1693 überstanden hatte. Die späthistoristischen Raumausstattungen sind weitgehend erhalten, vor allem Holzkassettendecken und Wandverkleidungen. In der Bibliothek befinden sich vier Glasfenster mit den Bildnissen der Schriftsteller Dante Alighieri, Ferdinand Gregorovius, Lord George Gordon Byron und Anastasius Grün.[7] Die qualitätsvollen Scheiben sind 1884 datiert und tragen die Signatur der Wiener Filiale der Tiroler Glasmalerei.[7]

Die große, weitgehend freistehende Kirche trägt heute einen quadratischen Dachreiter mit Zwiebelhelm. Erhalten ist das mit Akanthusstuck verzierte Kirchenportal (Ende des 17. Jahrhunderts). Zwei Neorenaissance-Glasfenster aus dem Jahr 1900 zeigen Heilige mit den Gesichtszügen verstorbener Familienmitglieder. Das Betgestühl stammt vom Ende des 17. Jahrhunderts. Auch ein schmiedeeisernes Gitter aus der Mitte des 17. Jahrhunderts hat den Brand bzw. den Neubau überlebt. An der gartenseitigen, zweiarmigen Freitreppe ist das Wappen von Abt Bernhard Breil angebracht.

Im großen Park liegt die vom Linzer Baumeister Otto Schirmer 1884/86 für Friderike Pfisterer errichtete neugotische Gruftkapelle. Sie hat ein Kreuzrippengewölbe und zeigt an Ostwand ein großes Glasfenster mit einer Kreuzigungsgruppe und dem Wappen der Pfisterer-Mayrau von 1885. Garten und englischer Landschaftspark werden von einer Mauer umschlossen. An ihrer Nordwestseite steht noch ein Rundtürmchen aus dem 16. Jahrhundert mit einem Kegeldach und Schießscharten. Zum Schloss gehört ein Meierhof und ein Troadkasten.

Mit Ausnahme der 1975 renovierten Schlosskapelle[4] sind die Gebäude renovierungsbedürftig.

Literatur

  • Stadtgemeinde Perg (Hrsg.): Perg, Festschrift anlässlich der Stadterhebung 1969, Eigenverlag, Linz 1969
  • Bernhard Prokisch: Zur Baugeschichte des Schlosses Auhof bei Perg im 19. Jahrhundert. In: Jahrbuch des oberösterreichischen Musealvereins. Band 147/1, Linz 2002, S. 361–384, PDF auf ZOBODAT.at

Weitere Literatur:

  • Rudolf Büttner: Burgen und Schlösser an der Donau. Birkenverlag, Wien 1964 und neuere Auflagen.
  • Herbert E. Baumert und Georg Grüll: Burgen und Schlösser im Mühlviertel. 1968 und neuere Auflagen.
  • Norbert Grabherr: Burgen und Schlösser in Oberösterreich. OÖ. Landesverlag, Linz 1970.
  • Oskar Hille: Burgen und Schlösser in Oberösterreich einst und jetzt. Verlag Ennsthaler, Steyr 1975 und neuere Auflagen.
  • Gerhard Stenzel, Lothar Beckel: Von Schloß zu Schloß in Österreich. Verlag Kremayr und Scheriau, Wien 1987.
  • Georg Dehio: Mühlviertel. Verlag Berger F., Horn 2003.
  • Georg A. Clam-Martinic: Österreichisches Burgenlexikon. Burgen, Ruinen, Ansitze, Schlösser und Palais. 199.
Commons: Schloss Auhof (Perg)  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 Prokisch 2002, S. 361.
  2. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Prokisch 2002, S. 362.
  3. 1 2 3 Prokisch 2002, S. 363.
  4. 1 2 Leopold Josef Mayböck: Burgställe - Adelssitze - Freihöfe. Schloss Auhof. In: Heimatverein Perg und Stadtgemeinde Perg (Herausgeber): Heimatbuch der Stadt Perg. Linz 2009, S. 189ff.
  5. Prokisch 2002, S. 364.
  6. 1 2 Prokisch 2002, S. 367.
  7. 1 2 Prokisch 2002, S. 374.