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vom 13.06.2017, aktuelle Version,

Silvretta (Schiff)

Silvretta
Das Motorboot Silvretta an der Anlegestelle „Silvretta-Beach“ (2010)
Das Motorboot Silvretta an der Anlegestelle „Silvretta-Beach“ (2010)
Schiffsdaten
Flagge Osterreich Österreich
Schiffstyp Passagierschiff
Klasse Grachtenboot
Heimathafen Bielerhöhe, Vorarlberg
Eigner Vorarlberger Illwerke AG, Bregenz
Reederei Illwerke Tourismus, Schruns-Rodund[1]
Bauwerft Molenaars Scheepswerf B.V., Zaandam / Amsterdam [2]
Kiellegung 1962
Indienststellung 1963
Verbleib außer Betrieb
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
13,40 m ( Lüa)
Verdrängung 5,8 t
 
Besatzung 1
Maschinenanlage
Maschine 1 × 6 Zylinder 4-Takt, Ford-Dieselmotor
Maschinen-
leistung
115 PS (85 kW)
Höchst-
geschwindigkeit
10 kn (19 km/h)
Propeller 1 × 3-flügeliger Festpropeller
Transportkapazitäten
Zugelassene Passagierzahl 60 (42 Sitzplätze und 18 Stehplätze)

Das Motorboot Silvretta, ein Passagierschiff auf dem Silvretta-Stausee, wurde auf Europas höchstgelegener Schifffahrtslinie eingesetzt. Der Silvretta-Stausee auf der Bielerhöhe gehört zu Partenen, einem Ortsteil der Gemeinde Gaschurn im Bezirk Bludenz im österreichischen Bundesland Vorarlberg.

Motorbootbetrieb

Der Silvretta-Stausee

Das Motorboot wurde im Jahre 1962 von der Molenaar-Werft in Zaandam/Amsterdam im Auftrag der Vorarlberger Illwerke gebaut und im Frühsommer 1963 mittels Lastkraftwagen ausgeliefert. Es wurde 1963 unter österreichischer Flagge auf dem Silvretta-Stausee in Dienst gestellt[3] und erhielt bei der Schiffstaufe den Schiffsnamen Silvretta nach der Silvretta, einer Gebirgsgruppe in den Zentralalpen der Ostalpen.

Es ersetzte dabei die Brigantia, das erste Motorboot auf dem Silvretta-Stausee.[4][5] Dieses Holzschiff aus Mahagoni, dessen Vorschiff gedeckt und das achtern offen war, war von 1950 bis 1955 auf dem Bodensee und 1956 bis 1963 auf dem Silvretta-Stausee im Einsatz. Die Brigantia wurde 1912 in der Werft Friedrich Lürssen, Aumund-Vegesack bei Bremen gebaut. Der 4-Zylinder-4-Takt-Ford-Benzinmotor hatte eine Motorleistung von 50 PS. Das 11,10 Meter lange Schiff hatte eine Tragfähigkeit von zwei Tonnen und konnte 25 Personen transportieren.[6] Schiffseigner war ebenfalls die Vorarlberg Illwerke AG.

Seit diesem Zeitpunkt verkehrt die Silvretta, die das Aussehen eines holländischen Grachtenbootes hat, im Sommerhalbjahr von Ende Juni bis Anfang Oktober (dies ist jedoch wetterabhängig) auf dem Stausee mit einem Stauziel von 2030 m ü. A. Das Motorboot ist somit das einzige in Europa, das auf über 2.000 Metern Seehöhe für eine kommerzielle Linienschifffahrt verwendet wird. Es werden Rund- bzw. Übersetzungsfahrten durchgeführt. Seit 1963 sind rund 700.000 Besucher mit dem Boot gefahren.[3]

Da die Seefläche im Winterhalbjahr vollständig zufriert, wird das Boot alljährlich aus dem Stausee gehoben. Das Motorboot wird jedes Jahr zu Reparatur- und Wartungsarbeiten ins Tal nach Schruns gebracht. Als „Winterquartier“ dient ein ehemaliger Lokomotivschuppen. Das Zu-Wasser-Lassen (Ende Juni) und Ans-Land-Ziehen (Ende September) geschieht dabei mit Hilfe einer Helling im Querstapellauf. Mit einer speziellen Sattelzugmaschine wird der Bootstrailer vom Stausee über die Silvretta-Hochalpenstraße ins Tal und dann nach Tschagguns gebracht. Am dortigen Güterbahnhof der Montafonerbahn AG, der ehemaligen Umladestelle der 1961 stillgelegten Bahnstrecke Tschagguns–Partenen, wird die Silvretta auf den Schmalspurrollwagen Jaat 15 verladen und von der Lokomotive O&K 11950, ex Höhenbahn Trominier, auf den verbliebenen Gleisanlagen ins Heizhaus gezogen.[7] Die Vermuntbahn bzw. Standseilbahn Trominier stand für diesen Zweck nie als Transportmittel zur Verfügung, da sich der Transport über die Silvretta-Hochalpenstraße einfacher gestaltete.

Im Sommerhalbjahr erfolgt der kostenpflichtige Linienverkehr auf dem Silvretta-Stausee als rund 20-minütige Schiffsrundfahrt, mittels Zustieg an der Anlegestelle „Silvretta-Beach“, einem Steg am Sandstrand unterhalb des Restaurants „Silvrettasee“. Der Rundkurs auf dem Silvrettasee hat etwa sechs Kilometer Länge. Es ist aber auch ein Übersetzen zum anderen Ende des Stausees mittels der Anlegestelle „Wiesbadener Hütte“ möglich. Ein gut befestigter Wanderweg führt Wanderer in etwa zwei Stunden um den See. Der Linienverkehr ermöglicht es, eine Hälfte der Strecke mit dem Motorboot zu fahren und die andere Hälfte zu gehen. Die Bootsrundfahrt bietet Gelegenheit, die Bergwelt der Silvrettagruppe mit dem Piz Buin (3312 m ü. A.), Vorarlbergs höchstem Berg, aus einer etwas anderen Perspektive zu entdecken.

Aufgrund eines technischen Defektes ist das Motorboot Silvretta seit Sommer 2011 außer Betrieb (Stand: August 2016). Seitdem war es den Illwerken nicht möglich, das Motorboot wieder in Betrieb zu nehmen.

Technische Beschreibung

Die Silvretta ist ein holländisches Grachtenboot. Das Dach ist komplett verglast. Der Motor des Motorboots Silvretta wurde 1985 aufgrund eines Defektes getauscht. Der neue Motor ersetzte den Originalmotor aus dem Jahr 1962 (Ford-Dieselmotor-6 Zylinder-4 Takt, 96 PS auf Meereshöhe und 76 PS auf 2.000 Meter Höhe). Für die Fahrtrichtungsänderung ist ein hydraulisches Schiffswendegetriebe der Firma Warner Gear VEGE mit einer Drehzahluntersetzung 2:1 eingebaut. Das Motorboot wird von einem dreiflügeligen Festpropeller mit Innenbordmotor und hinterliegendem Heckruderblatt angetrieben. Die dreiflügelige Schiffsschraube mit einem Durchmesser von 600 Millimetern und einer Steigung von 630 Millimetern stammt von der Firma Lips in Dunen (Holland).

Einzelnachweise

  1. Selbstdarstellung der Illwerke Tourismus; abgerufen am 30. Dezember 2010
  2. Bauwerft; aufgerufen am 2. Februar 2011
  3. 1 2 Zeitreise 1963: Silvretta-Boot auf der Seite des ORF, 9. September 2008; abgerufen am 30. Dezember 2010
  4. Vgl. Peter Strasser: Urlaubsgrüsse aus dem Montafon. Sutton Verlag, Erfurt 2011, ISBN 978-3-86680-805-8, S. 48.
  5. Vgl. MS Brigantia auf dem Silvretta-See. In: Das goldene Buch der Alpen-Seen. Verl. Bruckmann, München 1974.
  6. Vgl. MB »Brigantia«. In: Arnulf Dieth (Hrsg.): Rot - Weiss - Rot auf dem Bodensee. Die Österreichische Schiffahrt im Wandel der Zeit. Hecht Verlag, Hard / Österreich 1995, ISBN 3-85298-013-5. S. 193f.
  7. Schmalspurbahnen in Österreich, Tschagguns–Partenen; abgerufen am 30. Dezember 2010

Literatur