unbekannter Gast
vom 09.03.2018, aktuelle Version,

Staubecken Latschau

Staubecken Latschau
Speicher Latschau und Lünerseewerk vom Flugzeug aus gesehen
Speicher Latschau und Lünerseewerk vom Flugzeug aus gesehen
Geographische Lage Vorarlberg
Zuflüsse Ill
Abfluss Ill
Orte am Ufer Latschau
Daten
Koordinaten 47° 4′ 36″ N,  52′ 30″ O
Staubecken Latschau (Vorarlberg)
Staubecken Latschau
Höhe über Meeresspiegel 992 m ü. A.
Volumen 2.240.000 f8
Vorarlberger Illwerke AG
Staustufen und Kraftwerke im Montafon
Schematische Darstellung
Überleitung vom Brandner Gletscher 2480 m ü. A.
Ill-Ursprung (Ochsentaler Gletscher) 2460 m
Zuflüsse
Silvretta-Stausee 2030 m
Abfluss zu Ill | Lünersee 1970 m
Zuflüsse
Bachüberleitung aus Tirol
Stausee Kops 1809 m
Obervermuntwerk I 1743 m
  |  Überleitung Kops-Vermunt mit Zuflüssen | Zuflüsse | 
Vermuntsee 1743 m
Obervermuntwerk II (in Bau) 1655 m
Zuflüsse
Speicherbecken Rells (in Bau) 1456 m
Rellswerk (in Bau) 1430 m
Kopswerk II  |  Kopswerk I  |  Vermuntwerk 1025 m
Ausgleichsbecken Partenen 1025 m
Rifawerk 1005 m
Ausgleichsbecken Rifa 1007 m
Zuflüsse
Lünerseewerk 992 m
Pumpwasserkanal Lünerseewerk
Latschauwerk 985 m
Staubecken Latschau 992 m
Kraftwerk Rodund I und II 645 m
Zufluss von Ill
Rodundbecken I bis III 645 m
Abfluss zur Ill
Zufluss Alvier
Zufluss Meng
Walgauwerk 492 m
Ausgleichsbecken Walgau 492 m
Abfluss zur Ill

Das Staubecken Latschau (auch: Speicherbecken Latschau) ist ein Stausee und liegt am Fuß des Golmerhanges und des Krestakopfs und ist Teil der Wasserversorgung zur Energiegewinnung der Vorarlberger Illwerke AG im österreichischen Montafon in Vorarlberg.

Geschichte

Bereits im November 1932 bis Januar 1933 wurden Vorarbeiten für das Staubecken Latschau getätigt (Sondierschächte u. a.).[1] Das Staubecken Latschau wurde, zusammen mit der rund 19 km langen Triebwasserführung Partenen – Latschau (vom Kopswerk und Vermuntwerk) und dem Rodundwerk I 1938 bis 1944 erbaut (1943 weitgehend fertiggestellt). Das zugehörige Lünerseewerk wurde erst in den 1950er Jahren gebaut.

Im Zuge der Errichtung des Rodundwerk II in den 1970er Jahren wurde das Staubecken Latschau erweitert und das 1972 fertiggestellt Becken II entstand.

Lage und Ausgestaltung

Das Staubecken liegt in Latschau oberhalb von Tschagguns in 992 m ü. A. und wird über das Lünerseewerk aus dem 974 Meter höher gelegenen Lünersee (1970 m ü. A.), dem Freispiegelstollen mit Wasser vom Kopswerk und Vermuntwerk sowie aus weiteren sechs Bächen gespeist. Das im Staubecken Latschau gespeicherte Wasser wird von dort an das Rodundwerk I und Rodundwerk II weitergeleitet und zur weiteren Energiegewinnung genutzt (Rohfallhöhe ca. 350 m bis zu den Pumpspeicherkraftwerken Rodund).

Das Staubecken, welches eine natürliche geologische Mulde bei Latschau nutzt, wurde weiter vertieft und auf der Nordwest- und Ostseite durch Erdschüttdämme erhöht (Kronenhöhe bis 50 m). Das aus der Speichersohle ausgehobene und geeignete Material wurde zur Schüttung der Dämme verwendet.[1]

Das Staubecken Latschau besteht aus zwei Teilen. Bei hoher Staulage verbinden sich beide Becken über den Zwischendamm. Zusätzlich kann über einen Schütz auch bei normalem Wasserstand das Becken I mit dem Becken II verbunden werden und es ist eine gemeinsame Bewirtschaftung möglich. Durch den Schütz konnte während der Sanierungsarbeiten 2011 das Becken II vom Becken I getrennt und das Rodundwerk I weiterhin betrieben werden.

Becken I umfasst das Kraftwerk Latschauwerk, die Einleitung des Lünerseewerks und die Ableitung für das Rodundwerk I, Becken II die Ableitung für das Rodundwerk II, die Hochwasserableitung (über einen Schrägschacht in das Becken Rodund) sowie einen Grundablass.

Nach Fertigstellung des Rellswerkes 2016 wird der Zufluss aus der Wasserfassung unterer Rellsbach erheblich weniger Wasser in das Staubecken Latschau einbringen können.

Technische Daten

Die Staubecken Latschau sind Tagesspeicher für das Rodundwerk I und II sowie Unterwasser- und Pumpwasservorratsbecken für das Lünerseewerk (über den Pumpwasserkanal Lünerseewerk).

  • Stauziel: 992,26 m ü. A.
  • Anspringen der Hochwasserentlastung: > 992,25 m ü. A.
  • Speicherschwerpunkt 988,36 m ü. A.
  • Absenkziel: 974,01 m ü. A.
  • Nutzbarer Inhalt Becken I + II: 2,24 Mio. m3
  • Dammkrone Becken I + II: 993,70 m ü. A.
  • Zwischendamm Dammkrone: 987,38 m ü. A.
  • Länge Damm Becken I + II: ca. 1.000 m
  • Größte Höhe: ca. 50 m
  • Dammkronenbreite: ca. 4 m

Entlastungsanlagen

  • Abflussvermögen Hochwasserentlastung: 49 m3/s
  • Abflussvermögen Grundablass Becken II: 25 m3/s

Erneuerungsarbeiten

Im Frühjahr und Sommer 2011 wurde das Becken II saniert. Dies erfolgte, da aufgrund eines Schadensfalls im Rodundwerk II, dieses für mehrere Jahre außer Betrieb gesetzt werden musste. Hierzu wurde das Staubecken II vollständig entleert.

Bei der Sanierung des Beckens II wurden sodann etwa 12.000 Kubikmeter Schluffmassen (Sand und Schlamm) abgetragen sowie etwa 100.000 Quadratmeter neues Dichtungsmaterial (z. B. Asphaltschicht) aufgebracht.[2] Das Staubecken I soll in zwei Jahren folgen.[3]

Als Reserve wurde ein weiteres Auslaufbauwerk für einen Druckstollen Partenen – Latschau errichtet sowie weitere Verbesserungs- und Schutzmaßnahmen vorgenommen.[4] Für die Sanierung wurden etwa 20 Millionen Euro aufgewendet.

Mitte April 2017 wurde mit weiteren Sanierungsarbeiten begonnen.[5] Das Becken I wurde entleert[6] und saniert (ca. 23.000 m³ Sand und Schluff entfernt und die Drainagen/Beckendichtungen erneuert), die Umzäunung erneuert, die Rodunder Becken I und III entleert und Arbeiten an den Betonbauwerken durchgeführt sowie der Entlastungskanal saniert.[7] Dafür wurden etwa 16 Millionen Euro aufgewendet.[8]

Literatur

  • Guntram Innerhofer: Lünerseewerk. Bau des Druckschachtes. In: Österreichische Wasserwirtschaft 13, Wien 1961, S. 169–175.
  Commons: Staubecken Latschau  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 Siehe: Otto Reithofer, „Der Untergrund des Speicherbeckens Latschau (Montafon)“, 1955), Publikation Vorarlberger Landesmuseum (PDF; 793 kB).
  2. Die ca. 50.000m² abgefräste Asphaltschicht des vorherigen Belags wurde wiederverwertet, z. B. zur Befestigung umliegender Straßen (vgl. Gmesblättli der Gemeinde Tschagguns, Ausgabe 2/2011, Nr. 86).
  3. Letzter Feinschliff für "Latschau II"
  4. Gefällstufe Latschau - Rodund, Staubecken Latschau – Becken II (PDF; 2,9 MB), Erhaltungs- und Erneuerungsarbeiten im Jahr 2011, S. 4 ff.
  5. Die letzten Sanierungsmaßnahmen fanden in den 1970er Jahren anlässlich des Baus des Becken II statt.
  6. Es wurden rund 2,5 Millionen m³ Wasser abgelassen.
  7. Arbeiten in und ums Staubecken in Latschau, Neue Vorarlberger Tageszeitung, 29. April 2017, zuletzt abgerufen am 20. August 2017.
  8. Staubecken I in Latschau soll Anfang September gefüllt werden, vol.at, 20. August 2017.