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vom 25.04.2017, aktuelle Version,

Steinbrücke (Schwaz)

Steinbrücke
Steinbrücke
Ansicht von Osten
Nutzung Straße
Querung von

Inn

Ort Schwaz
Konstruktion Balkenbrücke
Anzahl der Öffnungen 3
Baukosten 420.000 Schilling
Baubeginn 1927
Eröffnung 19. Mai 1928
Planer Clemens Holzmeister
Lage
Steinbrücke (Schwaz) (Tirol)
Steinbrücke (Schwaz)

Höhe über dem Meeresspiegel 540 m ü. A.

Die Steinbrücke ist eine Straßenbrücke über den Inn in Schwaz in Tirol. Sie verbindet die Kernstadt am rechten mit den Teilen am linken Ufer. Eine Brücke an dieser Stelle besteht seit dem 14. Jahrhundert, der heutige Bau wurde 1927/1928 nach einem Entwurf von Clemens Holzmeister errichtet, weshalb sie bisweilen auch Clemens-Holzmeister-Brücke genannt wird.

Geschichte

Die Brücke in der Topographia Provinciarum Austriacarum von Matthäus Merian, 1649

Die erste Brücke über den Inn anstelle einer Fähre wurde vermutlich im 14. Jahrhundert errichtet. Die bis ins 20. Jahrhundert aus Holz gebaute Brücke wurde durch Hochwasser regelmäßig beschädigt oder zerstört und durch die Fuhrwerke des Schwazer Bergbaus stark beansprucht, so dass sie häufig erneuert werden musste.

Von Beginn an gab es regelmäßig Streit zwischen dem Kloster St. Georgenberg und den Herren von Freundsberg um den Unterhalt der Brücke, der um 1440 seinen Höhepunkt erreichte. Insbesondere Wolfgang von Freundsberg († 1449) war der Ansicht, dass das Kloster verantwortlich war und wollte es zum Teil mit Gewalt zur Ausbesserung der Brücke zwingen. Abt Konrad III. hatte zwar im Jahr 1333, ebenso wie manche seiner Nachfolger, Bauholz, Fuhrwerke und Zimmerleute für den Brückenbau zur Verfügung gestellt, das Kloster sah darin aber eine freiwillige Leistung und keine rechtliche Verpflichtung zum Erhalt der Brücke. Der Streit musste immer wieder vom Landesfürsten oder vom Bischof von Brixen geschlichtet werden.

Herzog Friedrich V. (als Vormund des jungen Siegmund Regent in Tirol), ordnete 1440 an, bis zur Klärung der Streitfrage die Brücke vorläufig aus Mitteln der Haller Saline instandzusetzen. Siegmund entschied, dass je ein Viertel der Kosten vom Kloster, der Haller Saline, dem Schwazer Bergwerk und dem Landgericht Freundsberg zu zahlen war. Abt Benedikt Herschl erreichte 1650 bei Erzherzog Ferdinand Karl eine Neuregelung, nach der das Pfannhausamt in Hall, das Schwazer Bergwerk und das Landgericht Freundsberg je zwei Siebentel und die Abtei Georgenberg ein Siebentel zu tragen hatte. Diese Regelung galt bis 1894.

Hauptnutzer der Brücke war lange Zeit das Schwazer Bergwerk. Um 1440 ließ Wolfgang von Freundsberg eine Fleischbank auf der Brücke errichten. Mit der Eröffnung der Unterinntalbahn 1858 gewann die Brücke an Bedeutung als Verbindung zwischen dem auf der linken Innseite gelegenen Bahnhof und dem Markt.

1887/88 wurde um 8350 Gulden die letzte Holzbrücke errichtet. Bereits 1909 wurde über einen Neubau der Brücke weiter nördlich an der Stelle der heutigen Barbarabrücke diskutiert, was eine Verkürzung des Weges vom Stadtzentrum zum Bahnhof dargestellt hätte. Zwei neue Brücken, wie ebenfalls überlegt, hätten allerdings die damaligen Finanzen überfordert.[1] 1927/28 wurde schließlich nach einem Entwurf von Clemens Holzmeister die heutige Betonbrücke errichtet, die Kosten von 420.000 Schilling wurden zur Gänze von der Stadt Schwaz übernommen. 1929 wurde mit der zunächst hölzernen Barbarabrücke 500 m innabwärts eine zweite Innbrücke verwirklicht.

Die von der SS geplante Sprengung der Brücke im Mai 1945 konnte durch die Entschärfung der Sprengladung verhindert werden.[2] Die großen Hochwasserereignisse 1964, 1986 und 2005 überstand sie unbeschadet. 1987 wurde sie generalsaniert.

Heutige Brücke

Die Nepomuk-Statue

Die heutige Brücke wurde 1927/28 nach einem Entwurf von Clemens Holzmeister errichtet. Die gevoutete Balkenbrücke aus Stahlbeton weist zwei Flusspfeiler und am linken und rechten Flussufer je einen Kragträger auf. In der Mitte befindet sich ein Einhängeträger, der in Form eines Gerberträgers ausgeführt wurde. Die Gestaltung ist sachlich und zurückhaltend, lediglich die beiden Pfeiler sind expressiv betont.[3]

In die nördliche Brüstung integriert ist ein betonierter Bildstock. In der vergitterten Nische steht eine überlebensgroße Steinskulptur des hl. Johannes Nepomuk, die 1997 von Hartwig Karl Unterberger in reduzierten, aber naturalistischen Formen geschaffen wurde.[4]

Brücke und Nepomukstatue stehen unter Denkmalschutz.

Literatur

  • Thomas Naupp: Der Streit um die Schwazer Innbrücke zog sich fast über 600 Jahre hin! In: Heimatblätter – Schwazer Kulturzeitschrift, Nr. 44 (2000), S. 11–17 (PDF; 2,9 MB)
  Commons: Innbrücke Schwaz  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Schwaz in alten Ansichten. In: Heimatblätter – Schwazer Kulturzeitschrift, Nr. 40 (1999), S. 27 (PDF; 5 MB)
  2. Die Retter der Schwazer Steinbrücke meinbezirk.at am 16. Mai 2015
  3. Tafatsch, Wiesauer: Straßenbrücke, Innbrücke. In: Tiroler Kunstkataster. Abgerufen am 12. Januar 2017.
  4. Bader, Wiesauer: Bildstock mit Statue hl. Johannes Nepomuk. In: Tiroler Kunstkataster. Abgerufen am 12. Januar 2017.