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vom 02.06.2017, aktuelle Version,

Tresterer

Alpinia-Tresterer im Österreichischen Museum für Volkskunde in Wien am 14. Jänner 2017

Tresterer sind im Salzburger Pinzgau (in Bruck, Stuhlfelden, Zell am See, Unken) und in der Stadt Salzburg beheimatete Schönperchten, welche Protagonisten eines alten Brauchtums sind.

Ursprung des Tresterns

Über den Ursprung dieses Brauchtums können nur Vermutungen angestellt werden. Pinzgauer Tresterer gehen davon aus, dass sich ihr Name vom Dreschen des Getreides durch Stampfen mit den Füßen ableitet. Hingegen erklären Volkskundler den Brauch unter anderem mit europäischen Kulturtransfers entlang alter Handelswege.[1]

Das Brauchtum

In bestimmten Rauhnächten, in der Thomasnacht und am Dreikönigstag, führen die Tresterer ihren von Schwegelpfeifen begleiteten, mystischen Tanz auf.

Der Tanz der Schönperchten verheißt für die Bauernfamilien reichen Erntesegen, Fruchtbarkeit, Glück und Gesundheit. Darum sind die Tresterer bei den Bauern stets willkommen. Bevor die Perchten zum nächsten Hof weiterlaufen, werden sie von den Familien zur Jause eingeladen. Dann verschwinden sie wieder im Dunkel der kalten Winternacht.

Die Zeller Tresterer werden noch von weiteren Perchten begleitet:

Der Text, den der Zeller Hanswurst aufsagt, lautet:

Griass Eich Gott, liabe Leit, sad's nur stad und passt's auf,
die Tresterer va Zell mochen ean Lauf.
Als Hanswurst muass i z'erscht a Kreiz nei' schlog'n
dann kinnan die Tresterer ihren Tanz vurtrogn.
Doa tuats von Droad (= Getreide) austreten her kemma
und soid ins allen Glück und Segen bringa.
Lopp, Lappin, Zopfn- und Werchmandl
Hobergoassn, Kropfnschnapper, Heanapeacht,
die Schiachen und a poar Musikanten
tan a mit uns umanaunda ziachn.
Und so winscht Eich die Tresterer Pass
fias neiche Joahr an Frieden, an Gsund und an Reim.

Literatur

  • Ernestine Hutter und Fritz Hörmann: Maske, Mystik, Brauch. Perchten im Land Salzburg (Buch zur gleichnamigen Ausstellung), Werfen 1992.
  • Ulrike Kammerhofer-Aggermann (Hg.): Matthias tanzt. Salzburger Tresterer on stage. Kunst und Wissenschaft im Dialog. Begleitbuch zur Ausstellung. Salzburger Landesinstitut für Volkskunde. Salzburg und Wien 2017.
  • Johann Werfring: Stampfen im Zeichen der Hahnenkrone. In: „Wiener Zeitung“, 5. Jänner 2017, Beilage „ProgrammPunkte“, S. 7.
  • Gunhild Oberzaucher-Schüller: Bühnentanz-Reflexionen zu Volkstanz-Phänomenen. Wiener Tanzgeschichten, 11. März 2017. Onlinemagazin "tanz.at"

Einzelnachweise

  1. Johann Werfring: Stampfen im Zeichen der Hahnenkrone. In: „Wiener Zeitung“, 5. Jänner 2017, Beilage „ProgrammPunkte“, S. 7.