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vom 24.03.2017, aktuelle Version,

Vierte Teilung Polens

Herzogtum Warschau ab 1807; nach dem Wiener Kongress 1815 wurde es ohne Posen und Krakau zu Kongresspolen
Deutsche und sowjetische Interessensphäre im Deutsch-Sowjetischen Grenz- und Freundschaftsvertrag 1939
Grenzen nach dem Ersten Weltkrieg und nach dem Zweiten Weltkrieg
Westverschiebung nach 1945

Als vierte Teilung Polens werden in Anlehnung an die drei Teilungen Polens Ende des 18. Jahrhunderts verschiedene Ereignisse im 19. und 20. Jahrhundert bezeichnet:

Kongresspolen

Nach militärischen Niederlagen gegen das revolutionäre Frankreich, die zum Untergang des Heiligen Römischen Reiches und zur Neuordnung der Staaten Mitteleuropas führten, verloren Preußen und Österreich ihre Gewinne aus der zweiten und dritten Teilung 1807 bzw. 1809 an das von Kaiser Napoleon gebildete Herzogtum Warschau, welches 1815, ohne das Gebiet um die Städte Posen und Krakau, als Kongresspolen („Königreich Polen“) in Personalunion an das Russische Reich fiel. Die Ostgrenze lag in etwa an der späteren Curzon-Linie.

Nach dem gescheiterten Novemberaufstand von 1830/1831 wurde das autonome Kongresspolen, unter Bruch der Wiener Kongressakte, als unselbständige Provinz dem Russischen Reich direkt einverleibt.

Das Kaisertum Österreich folgte dem russischen Beispiel, indem es 1846 die freie Republik Krakau annektierte. Im Rahmen der Donaumonarchie Österreich-Ungarn wurde den Polen in Galizien jedoch bereits 1867 eine sehr weitgehende Selbstverwaltung gewährt.

Die souveräne Zweite Polnische Republik wurde erst 1918 nach der Niederlage aller drei Teilungsmächte im Ersten Weltkrieg errichtet.

Zweiter Weltkrieg

Nach dem deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt und dem Einmarsch deutscher Wehrmachts- und sowjetischer Truppen wurde Polen erneut von seinen Nachbarn besetzt, was auch als „vierte Teilung Polens“ bezeichnet wird.[2] Teile Polens wurden von Deutschland und der Sowjetunion annektiert.

Die weißrussischen und ukrainischen Gebiete fielen größtenteils an die Sowjetunion und wurden als Teil der Weißrussischen und Ukrainischen SSR sowjetisiert.

Der westliche Teil wurde annektiert und den Reichsgauen Wartheland, Danzig-Westpreußen, Ostpreußen und Oberschlesien zugeschlagen. Das Generalgouvernement erhielt eine Zivilverwaltung und wurde in das System des Nationalsozialismus eingebunden. In das nun so genannte Generalgouvernement wurden die vertriebenen Polen und insbesondere polnische Juden (in Ghettos und Konzentrationslager) zwangsumgesiedelt. Ein hoher Prozentsatz wurde in Vernichtungslagern ermordet.

Westverschiebung

Auf der Teheran-Konferenz 1943 und den Folgekonferenzen in Jalta und Potsdam wurde von den alliierten Westmächten und der UdSSR beschlossen, dass der Staat Polen wiederhergestellt, aber dauerhaft nach Westen verschoben werden sollte. Die deutsche Bevölkerung sollte „ausgesiedelt“ werden. Ostpolen wurde endgültig Teil der Sowjetunion. Seine polnische Minderheitsbevölkerung wurde in die ehemals deutschen Gebiete umgesiedelt. Im Osten handelte es sich also – ausgehend von den von 1918 bis 1939 anerkannten Grenzen der Zweiten Polnischen Republik – um eine Teilung des ehemaligen Staatsgebiets. Zum Ausgleich sollte Polen im Westen Gebiete hinzugewinnen.

Die Oder-Neiße-Grenze als neue Westgrenze Polens sollte die Annexion Ostpolens durch die Sowjetunion auf Kosten des besiegten Deutschen Reichs für die polnische Seite akzeptabler machen. Aus deutscher Sicht wurde diese zunächst von der DDR 1950 in einem Vertrag mit Polen akzeptiert und war in der Bundesrepublik lange umstritten. Erst 1970 im Warschauer Vertrag und im Zuge der deutschen Wiedervereinigung kam es 1990 zu einer vertraglichen Regelung auch mit Gesamtdeutschland.

Fußnoten

  1. So z. B. Robert Bideleux, Ian Jeffries: A history of Eastern Europe. Crisis and change. Verlag Routledge, London 1998, ISBN 0-415-16111-8, S. 168.
  2. So z. B. Michael Brecher, Jonathan Wilkenfeld: A Study of Crisis. University of Michigan Press 1997, S. 255.