unbekannter Gast
vom 09.08.2017, aktuelle Version,

Vilpian

Vilpian
Italienische Bezeichnung: Vilpiano
Vilpian (2008)
Staat: Italien
Region: Trentino-Südtirol
Provinz: Südtirol (BZ)
Gemeinde: Terlan
Koordinaten: 46° 34′ N, 11° 13′ O
Höhe: 264 m s.l.m.
Einwohner: 799 (2011)
Demonym: Vilpianer
Patron: Josef
Fraktionsvorsteher: Franz Blaas (SVP)
Telefonvorwahl: 0471 CAP: 39018

Vilpian (italienisch: Vilpiano) ist eine Fraktion (Ortschaft) in Südtirol (Italien). Sie liegt im Etschtal, auf halber Strecke zwischen Bozen und Meran, am Fuße des Tschögglberges, 264 m über dem Meeresspiegel. Heute ist Vilpian neben Siebeneich eine Fraktion der Gemeinde Terlan und zählt rund 800 Einwohner. Vilpian gehört als nördlichstes Gebiet zur Bezirksgemeinschaft Überetsch-Unterland.

Das Wahrzeichen des Dorfes sind die beiden nebeneinanderliegenden Pfarrkirchen zum heiligen Joseph dem Arbeiter.

Geschichte

In früherer Zeit war das gesamte Etschtal versumpft und weitgehend Auland. Der Möltner Bach hatte im Laufe der Zeit einen Schuttkegel aus Sand und Geröll angeschwemmt, worauf die Vilpianer Siedlung entstand. Der Ortsname hat sich mehrmals verändert. Ersturkundlich wird er 1164 als „Vvlpiam“ und 1288 im Urbar des Tiroler Landesfürsten Meinhard II. als „Vuelpian“ genannt. 1313 schrieb man „Fulpian“, später „Fülpian“, ab 1564 meist „Vilpian“. Etymologisch handelt es sich um einen spätantiken Praediennamen, abgeleitet von *Vulpius und dem Suffix -anu (‚Gut des Vulpius‘).[1]

Mit Terlan, Nals und Andrian rechnete Vilpian ab dem 13. Jahrhundert zum landesfürstlichen Urbaramt und Gerichtsbezirk Neuhaus.[2] Die unmittelbare Nähe der Ortschaft zur Etsch (vor ihrer Regulierung und Begradigung ab 1869) führte zur Errichtung von bereits im 14. Jahrhundert bezeugten Brückenbauten. So ist in einer Kaufurkunde von 1362 ausdrücklich die Rede von „in pertinenciis Welpiani ex opposito pontis qui dicitur Stainpruke et inter pontem qui dicitur Sachpruke auf dem Sant“ (in der Gegend von Vilpian gegenüber der Steinbrücke und diesseits der Sachbrücke auf dem Sand), also den beiden Brücken „Steinbrücke“ und „Sachbrücke“.[3]

In den Nachbardörfern Terlan und Nals blühte seit dem 14. Jahrhundert der Bergbau. Auch in Vilpian, beim Knappenloch am Ganderberg, grub man – wenngleich erfolglos – nach Silber.

1897 errichteten die Gebrüder Schwarz aus Bozen die ehemalige Vilpianer Brauerei, die im frühen 20. Jahrhundert zu einem der wichtigsten Bierproduzenten Südtirols aufrückte.[4]

Kirchengeschichte

In Vilpian befinden sich heute zwei Josephs-Gotteshäuser. Die ältere, kleinere Kirche wurde 1639 erbaut. Bis 1743 gehörte Vilpian zur Pfarre Tisens. Im gleichen Jahr entstand rund um die Kirche der Friedhof. Seitdem werden in Vilpian Tauf- und Firmungsbücher, Eheregister und Totenbuch geführt. 1865 erhielt die Kirche einem Glockenturm. Seit dem Bau der neuen Kirche diente sie als Leichenkapelle und ist bis heute Ausgangspunkt von Leichenzügen zum Friedhof. Die alte Josefskirche ist im Allgemeinen nicht zugänglich.

Der Grundstein für die neue Josephs-Kirche wurde 1949 gelegt, 1950 stand der Rohbau, und 1955 konnte sie eingeweiht werden. Das große Kruzifix am Hochaltar aus dem 17. Jahrhundert ist eine Leihgabe des Meraner Stadtmuseums. An der Westfassade sind außen zwei betende Engel abgebildet. Die Fresken schuf der österreichische Maler, Graphiker, Zeichner und Wahl-Meraner Franz Lenhart.

Landesfeuerwehrfachschule

Landesfeuerwehrfachschule
Brandübungshaus

Die Südtiroler Landesfeuerwehrfachschule hat in Vilpian ihren Sitz. Das Übungs- und Trainingsgelände des Landesverbandes der Freiwilligen Feuerwehren Südtirols erstreckt sich am östlichen Ortsrand am beginnenden Berghang ab der Höhe der Ortsmitte in Richtung Norden in Richtung Campingplatz. Dort erfolgt die schulische und praktische Ausbildung der Feuerwehrleute im freiwilligen oder betrieblichen Einsatz in verschiedenen Feuerwehr- und Brandschutzkursen.[5] Auf dem etwa 400 mal 200 Meter großen Gelände befinden sich neben verschiedenen Schulungsgebäuden auch ein Hubschrauberlandeplatz sowie verschiedene Löschobjekte wie beispielsweise ein Kraftstofftransporter oder ein Brandübungsgebäude mit Metallwänden.

Verkehr

Bahnstation: Vilpian-Nals

Bahn

Zwischen Bozen und Meran verkehren auf eingleisiger Strecke die neuen sogenannten Niederflur-FLIRT-Triebzüge der Südtiroler Bahn. Die Strecke fällt in den Zuständigkeitsbereich der staatlichen Eisenbahngesellschaft Rete Ferroviaria Italiana (RFI). Die Bahnstrecke verläuft zwischen Terlan und Vilpian größtenteils parallel zur Etsch und zur autobahnähnlich ausgebauten, vierspurigen MeBo (Schnellstraßenverbindung zwischen Meran und Bozen). Etwa 400 Meter südwestlich vom Dorfzentrum befindet sich die Bahnstation Vilpian-Nals bzw. Vilpiano-Nalles.

Bus

Vom Bahnhof aus verkehren Linienbusse sowohl zum Terlan Bahnhof als auch nach Lana zum Busbahnhof. Vilpian ist außerdem über eine Buslinie der Autobus Service AG (SASA) mit Bozen und Meran verbunden. Beide Städte sind mit dem Bus innerhalb einer Fahrzeit von etwa 15 Minuten zu erreichen.

Radwege

Vilipan liegt am Fernradweg, der als Via Claudia Augusta entlang einer gleichnamigen antiken Römerstraße verläuft.

Sehenswürdigkeiten in und um Vilpan

  Commons: Vilpian  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen und Einzelnachweise

  1. Egon Kühebacher: Die Ortsnamen Südtirols und ihre Geschichte. Bd. 1. Bozen: Athesia 1991. ISBN 88-7014-634-0, S. 516–517
  2. Franz Huter: Art. Neuhaus. In: Handbuch Historische Stätten Österreich, Bd. 2 (Kröners Taschenausgabe 279). Stuttgart: Kröner 1978. ISBN 3-520-27902-9, S. 596.
  3. Hannes Obermair: Bozen Süd – Bolzano Nord. Schriftlichkeit und urkundliche Überlieferung der Stadt Bozen bis 1500. Band 1. Stadtgemeinde Bozen, Bozen 2005, ISBN 88-901870-0-X, S. 349, Nr. 709.
  4. Die Vilpianer Brauerei, aufgerufen am 26. Dezember 2016
  5. Homepage der Südtiroler Landesfeuerwehrfachschule, aufgerufen am 5. Juni 2015