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vom 05.02.2015, aktuelle Version,

Walter Geyer

Walter Geyer (* 30. November 1947 in Wien) ist ein ehemaliger österreichischer Politiker (Grüne) und Staatsanwalt. Geyer war von 1986 bis 1988 Abgeordneter zum österreichischen Nationalrat.

Leben

Geyer besuchte nach der Volksschule ein Gymnasium und schloss seine Schulbildung 1967 mit der Matura ab. Geyer studierte in der Folge Rechtswissenschaften an der Universität Wien und schloss sein Studium 1972 mit dem akademischen Grad Mag. jur. ab. Geyer absolvierte danach seine Gerichtspraxis und wurde Richter und 1977 Staatsanwalt bei der Staatsanwaltschaft Wien. Geyer vertrat die Grünen vom 17. Dezember 1986 bis zum 16. November 1988 im Nationalrat und war Obmannstellvertreter des Grünen Parlamentsklubs. Infolge seiner neunstündigen Rede gegen das Waldsterben wurde im Parlament die Redezeitbeschränkung eingeführt.

Nach seiner Karriere als Nationalratsabgeordneter wurde Geyer wieder Staatsanwalt. Er kämpfte zehn Jahre gegen Wirtschaftskriminalität, danach gegen die organisierte Kriminalität und Jugendkriminalität. Bis 2009 leitete er die Staatsanwaltschaft Korneuburg, 2009 übernahm Geyer die Leitung der neu geschaffenen Korruptionsstaatsanwaltschaft.[1]

Politische Tätigkeit

Als die Grünen 1986 unter Freda Meissner-Blau erstmals in den Nationalrat zogen, wurde Geyer als Experte für Rechtsfragen hinzugeholt. Von 1986 bis 1988 war er stellvertretender Klubobmann der Grünen und deren Justizsprecher.[1][2] Bekannt wurde Geyer unter anderem wegen einer neun Stunden andauernden Rede gegen das Waldsterben, was im Parlament anschließend zur Einführung einer Redezeitbeschränkung führte.[1] 1987 reiste er in seiner Eigenschaft als Stellvertretender Klubobmann in das kommunistische Ungarn, um dort gegen den von Österreich mitfinanzierten Staustufenverbund Gabčíkovo zwischen Gabčíkovo und Nagymaros zu demonstrieren. Er wurde verhaftet und eingesperrt, jedoch aufgrund seines diplomatischen Status als Abgeordneter zum Nationalrat wieder freigelassen.[3] 1988 kehrte Geyer als Staatsanwalt in die Justiz zurück.

Arbeit als Jurist

Bekannt wurde Geyer wegen spektakulärer Strafverfahren, unter anderem gegen den ehemaligen Finanzminister Hannes Androsch, gegen den er 1984 ein Verfahren wegen Verdachts auf Abgabenhinterziehung eröffnete.[2][4] Gegen den Mafiapaten Jeremiasz Baranski brachte Geyer eine Mordanklage ein. Baranski war zuvor mit einem Säureattentat auf eine polnische Staatsanwältin, die gegen ihn vorging, in Verbindung gebracht worden.[5][6] Geyer war Sprecher der Staatsanwaltschaft Wien, bis er Leiter der Staatsanwaltschaft Korneuburg wurde.[7] Seit dem 1. Jänner 2009 ist er Behördenleiter der neu gegründeten Antikorruptionsstaatsanwaltschaft in Wien und der erste Antikorruptionsstaatsanwalt Österreichs.[8]

Sonstiges

Geyer arbeitet ebenfalls als Vortragender und Autor.

Fußnoten

  1. 1 2 3 Manfred Seeh: Vorzeige-Staatsanwalt als einsamer Korruptionsjäger. In: Die Presse. 9. Oktober 2008
  2. 1 2 Robert Kriechbaumer: Zeitenwende. Die SPÖ-FPÖ Koalition 1983-1987 in der historischen Analyse, aus der Sicht der politischen Akteure und in Karikaturen von Ironimus. Böhlau Verlag, Wien/Köln/Weimar 2008, ISBN 978-3-205-77770-0, S. 172.
  3. Petra Stuiber: Kopf des Tages: Antikorruptionsjäger Walter Geyer. In: Der Standard. 29. Dezember 2008
  4. Walter Mayr: Im Gedärm der Republik. In: Der Spiegel. Nr. 41, 2011, S. 108–112 (online).
  5. Staatsanwalt kritisiert Polizei im EDOK-Prozess. In: News. 21. Oktober 2002
  6. Jürgen Dahlkamp, Georg Mascolo, Jan Puhl & Holger Stark: Bandit und Singvogel. In: Der Spiegel. Nr. 37, 2002, S. 61–68 (online).
  7. Brigitte Pechar: Walter Geyer: Vom Öko-Rebell zum Ankläger von Korruption. In: Wiener Zeitung. 27. Jänner 2009
  8. Florian Klenk & Stefan Apfl: Allein gegen das Geld. In: Florian Klenks Erkundungen. 13. Jänner 2010