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vom 05.09.2016, aktuelle Version,

Werner Stanzl

Werner Stanzl (* 5. April 1941 in Mödling, Niederösterreich) ist ein österreichischer Journalist und Dokumentarfilmer.

Leben

Stanzl begann seine Laufbahn 1962 als Junior bei Reuters London. 1965 wurde er Redakteur beim Stern in Hamburg und wechselte 1967 mit der Rundfunkreform in das Team Gerd Bachers zum ORF-Fernsehen nach Wien. Er berichtete als sogenannter Rover aus allen Teilen Europas, vornehmlich aus und über Deutschland, England[1] und Skandinavien.

Fernsehgeschichte schrieb Werner Stanzl mit seiner mehrteiligen Dokumentation Volksrepublik Preussen (1969), nachdem es ihm gelungen war, für den ORF und sein Team als ersten westlichen Fernsehsender eine Drehgenehmigung in der DDR zu erwirken. Seine Dokumentation Polarka die Aufmarschpläne der Sowjets zur Besetzung Österreichs löste einen internationalen Pressewirbel und eine Kabinetts-Sondersitzung der Bundesregierung Kreisky II aus.[2] Der Rücktritt von Verteidigungsminister Karl Lütgendorf wurde gefordert. Bundeskanzler Kreisky deutete vor vereinzelten Journalisten an, der Fernsehmann stehe in CIA-Diensten und die CIA hätte ihm Zugang zu dem in den Westen geflüchteten General Jan Šejna, dem höchstrangigen Überläufer des Warschauer Paktes zur Zeit des Kalten Krieges, vermittelt, der wiederum die Aufmarschpläne vor der Kamera Stanzls im Detail kommentierte.

Zu dieser Zeit war Stanzl Redakteur beim profil. Im Nachrichtenmagazin erschien der Erstabdruck der Dokumentation (Profiltitel 4/1974). Ab 1975 arbeitet Stanzl als freier Journalist. Seine freijournalistische Tätigkeit zeichnete sich durch besonders gute Kontakte zu den Mitgliedern der Charta 77 in Prag, insbesondere zu Václav Havel, Pavel Kohout und deren engsten Mitstreitern, aus.

1989 wurde Stanzl Redakteur in der Gründungsredaktion des Standard und Oscar Bronners Mann in Bonn und Brüssel. Er berichtete vom Prozess der Einheitswerdung der beiden Deutschländer und aus Moskau vom Putsch gegen Gorbatschow und dem Ende der Sowjetunion. 1992 übernahm Stanzl das Ressort Innenpolitik[3] Seit 1995 lebt Stanzl zurückgezogen in Kärnten, beschränkt sich journalistisch auf Gastkommentare in britischen, deutschen und österreichischen Printmedien und arbeitet an einem Band von Kurzgeschichten.

2015 erschien sein Erstlingswerk, der Kriminalroman Hinrichtung[4] im Styria-Verlag (Wien, Graz, Klagenfurt).

Publikationen

Einzelnachweise

  1. http://www.wienerzeitung.at/meinungen/gastkommentare/26091_Ein-GAU-als-Wendepunkt.html
  2. Manfried Rauchensteiner: Zwischen den Blöcken: NATO, Warschauer Pakt und Österreich, Böhlau Verlag Wien, 2010, ISBN 3205784693, Seite 258
  3. http://www.wienerzeitung.at/meinungen/gastkommentare/396196_Fekter-die-Perlenketten-und-das-Schwein.html
  4. Hinrichtung

Werner Stanzl bezweifelt, dass Altkanzler Kreisky je vor vereinzelten Journalisten behauptet habe, dieser sei "in CIA-Diensten" gestanden, wie es oben heißt. Darauf von Stanzl angesprochen, hat Bruno Kreisky dies bei einem Gespräch etwa ein Jahr vor seinem Tod kategorisch klar gestellt und mit pochenden Schläfen gepoltert: "Ich wusste doch, dass sie viel hinter dem Eisernen Vorhang auf Assignments waren. Glauben sie im Ernst, ich hätte durch eine solche Unbedachtheit ihre Freiheit riskiert? Noch dazu, wo kein anderer als ich Sie hätte wieder herauspauken müssen. Nein, nein, das sind Erfindungen ihrer Kollegen."

Dazu Werner Stanzl: "Ich glaube Kreisky in diesem Fall, schon weil ich die Neigungen der Kollegenschaft kenne, fremde Erfolge madig zu machen. Im übrigen stand ich im Kalten Krieg eindeutig auf Seiten des Westens. Hätte man mich gebeten, hätte ich wahrscheinlich für die CIA gehandlangert. Schon um der Achse des Bösen möglichst zu schaden. Für mich wäre das hart an der Grenze zu Bürgerspflicht gewesen."


Beachtung fanden seine Kriminalromane "Hinrichtung" (Styria 2014) und "Hintermänner" (Styria 2015), letzterer eine Kriminalstory mir dem Hypo-Alpe-Adria-Bankendesaster als Handlungshintergrund.

-- Stanzl werner, Mittwoch, 10. Februar 2016, 11:41