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vom 09.04.2017, aktuelle Version,

Zdenko von Forster zu Philippsberg

Zdenko Johann Emanuel Ernst (seit 1873) von Forster, (seit 1909) Freiherr von Philippsberg (* 9. Juni 1860 in Prag; † 15. Jänner 1922 in Wien), war böhmisch-österreichischer Beamter und Minister, der sich Verdienste um das böhmische und altösterreichische Eisenbahnwesen erwarb.

Herkunft

Zdenko war der Sohn des Juristen Emanuel Ritter (seit 1873) von Forster, * 4. Mai 1830 in Neumark (Vseruby u Kdyne), Bezirk Taus, in Westböhmen; † 24. Juni 1908 auf Schloss Kojschitz (Kojsice), Gemeinde Köhlendorf, Bezirk Schüttenhofen, 1856 Dr. jur., seit 1863 Notar in Prag und langjähriger Präsident der Notariatskammer, Abgeordneter zum Böhmischen Landtag (1865–1871) für den Wahlkreis Rumburg-Stadt. 1872 bis 1882 erwarb sein Vater Großgrundbesitz und war von 1872 bis 1885 Reichsratsabgeordneter.[1]

Leben

Das Interesse Forsters für das Eisenbahnwesen wurde als Kind von seinem Vater gefördert, indem er ihn auf seinen ausgedehnten Reisen mitnahm. Mit seinen Eltern soll er per Bahn nach Paris und London gekommen sein und fließend Englisch zu sprechen gelernt haben.

Beamter

Nach dem Studium der Rechtswissenschaft in Prag mit dem Abschluss als Dr. jur. und weiteren Studien in Wien und London wurde er 1881 Beamter im österreichischen Staatsdienst. Als solcher schien Zdenko Ritter von Forster im Staatskalender erstmals 1886 als Ministerial-Concipist im k.k. Handelsministerium auf, 1890 als Ministerial-Vice-Secretär.[2] 1895 wurde Forster mit dem Ritterkreuz des Franz-Joseph-Ordens ausgezeichnet; im Jahr 1896 mit dem Orden der Eisernen Krone.

Seit 1896 war er Beamter im neu errichteten k.k. Eisenbahnministerium in Wien. 1903 wurde er mit dem Leopold-Orden ausgezeichnet. 1904 erreichte er den bis heute höchsten Beamtenrang in Österreich, den eines Sektionschefs. Als solchen betraute ihn Kaiser Franz Joseph I. im kurzlebigen Ministerium Bienerth (November 1908 bis Februar 1909) mit der (interimistischen) Leitung des Eisenbahnressorts. 1909 wurde der bisherige Ritter vom Kaiser auf Grund seiner Verdienste in den Freiherrenstand erhoben und führte nun das Prädikat „von Philippsberg“.[3]

Eisenbahnminister

Von 3. November 1911 bis 23. Juni 1917 war er, mit Unterbrechung vom 31. Oktober bis zum 20. Dezember 1916, in den Regierungen Stürgkh und Clam-Martinic österreichischer Eisenbahnminister.

Während seiner Amtszeit erfuhr das Eisenbahnwesen in Böhmen sowohl bei Bauten der k.k. Staatsbahnen als auch im Bau privater Bahnstrecken einen großen Aufschwung.

Czeike erwähnte in seinem Historischen Lexikon Wien, Forster habe sich Verdienste um den Bau der Wiener Umfahrungslinien und die Einführung des durchgehenden Güterverkehrs erworben, habe Pläne für eine Verwaltungsreform entworfen und durch die Anlage eines Wasserkraftkatasters die Grundvoraussetzung für die Elektrifizierung der Eisenbahn geschaffen.[4]

Weitere Tätigkeit

Am 23. Juni 1917, dem Tag seiner Enthebung als Minister, berief ihn Kaiser Karl I. zum Mitglied auf Lebensdauer im Herrenhaus des Reichsrats; das Herrenhaus wurde am 12. November 1918 abgeschafft.[5] [6] Bei seiner Tätigkeit kam es zu intensiver Zusammenarbeit mit Fürst Johann Adolf II. zu Schwarzenberg und Graf Czernin.

Schloss Kojschitz

Forster war Eigentümer der Allod-Güter Köhlendorf und Kojschitz (Koischitz) mit einem Gesamtumfang von 400 Hektar.[7] Er war Erbauer des Schlosses Kojschitz (Kojšice) bei Schüttenhofen im Böhmerwald, das vor 1890 nach den Plänen seines Schwiegervaters Heinrich von Ferstel errichtet wurde.

Auch nach seiner Ministertätigkeit war Forster im Eisenbahnwesen tätig und plante eine private Eisenbahnstrecke für Holztransporte seiner eigenen Ländereien bei Bergreichenstein im Böhmerwald. Die Strecke sollte über Mader nach Winterberg führen, wurde aber nicht vollendet. Die Bahnkörper der ausgeführten Bahnstrecke sind teilweise heute noch erkennbar.

Seine Adelsbezeichnungen fielen, falls er Ende 1918 für die deutschösterreichische Staatsbürgerschaft optiert hatte, mit dem Adelsaufhebungsgesetz im April 1919 weg. Hatte er für die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft optiert, fielen sie im Dezember 1918 weg.

Forster wurde am 18. Jänner 1922 in der Ferstelschen Familiengruft auf dem Grinzinger Friedhof (Gruppe MA, Nummer 46) in Wien bestattet, wo auch seine Ehefrau Marianne ihre letzte Ruhestätte erhielt. Die Familiengruft besteht bis heute.[8]

Angehörige

Forster war verehelicht mit Marianne Freiin von Ferstel (* 26. April 1869; † 13. Juli 1935)[9], Tochter des prominenten Ringstraßenarchitekten Heinrich Ferstel; die Heirat erfolgte am 19. Juli 1890 auf Schloss Kojschitz. Der Ehe entstammten zwei Söhne: Michael Johann (* 1892) und Anton Emanuel (* 1894).

Literatur

  • Forster Zdenko Frh. von. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 1, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1957, S. 338.
  • Ernst Heinrich Kneschke (Hrsg.): Neues allgemeines deutsches Adels-Lexicon. Eberhard - Graffen. Band 3, Voigt, Leipzig 1861, S. 302.
  • Regier. Blatt des Königreich Bayerns 1823,[10] Nummer 16. von Hellbach, S. 373.
  • Otto Titan von Hefner, Gustav Adelbert Seyler: Die Wappen des Bayerischen Adels. Bauer und Raspe, Nürnberg 1911, reprografischer Nachdruck 1971, Tabelle S. 7 und 77
  • Zdenko von Forster zu Philippsberg: Das Böhmische Eisenbahnwesen im 20. Jahrhundert. Wien / Prag 1910.[11]
  • Zdenko von Forster zu Philippsberg: Tagebuchaufzeichnungen der Jahre 1883 bis 1918. Privatbesitz.

Einzelnachweise

  1. Heribert Sturm (Hrsg.): Biographisches Lexikon zur Geschichte der böhmischen Länder. Herausgegeben im Auftrag des Collegium Carolinum (Institut), Band 1, R. Oldenbourg Verlag, München / Wien 1979, ISBN 3-486-49491-0, S. 370
  2. Hof- und Staats-Handbuch der österreichisch-ungarischen Monarchie für 1890. k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Wien 1890, S. 376.
  3. ÖBL, Band 1, S. 338.
  4. Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Band 2, Kremayr & Scheriau, Wien 1993, ISBN 3-218-00544-2, S. 349
  5. † Dr. Zdenko Forster.. In: Neue Freie Presse, Nachmittagblatt, 16. Jänner 1922, S. 4, oben Mitte. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfp
  6. Heribert Sturm (Hrsg.): Biographisches Lexikon zur Geschichte der böhmischen Länder. Herausgegeben im Auftrag des Collegium Carolinum (Institut). Band I, ISBN 3-486-49491-0, S. 371
  7. Volkskundlicher Arbeitskreis für den mittleren Böhmerwald "Künische Freibauern" e.V. (Hrsg.): Im Lande der künischen Freibauern. Heimatbuch für den mittleren Böhmerwald (Landkreis Bergreichenstein und angrenzende Gebiete). Grafenau 1979, ISBN 3-87533-101-9, S. 514.
  8. Todesfälle.. In: Neue Freie Presse, Morgenblatt, 17. Jänner 1922, S. 6 Mitte. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfp
  9. Lotte Ferstel †.. In: Neue Freie Presse, Morgenblatt, 12. April 1922, S. 7, Mitte links. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfp
  10. Regierungsblatt für das Königreich Bayern erstmals 1826 erschienen, DNB 012623814.
  11. nicht belegt