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Vorwort#

zur vergriffenen Print-Ausgabe

Advent
Unsere Zeitrechnung beginnt mit Christi Geburt, doch niemand weiß, wann der historische Jesus geboren wurde. Den Advent nennt man "stillste Zeit", obwohl gerade in diesen Wochen die Hektik am größten ist. Weihnachtslieder klingen oft kitschig und abgedroschen, trotzdem können sie wirklich berühren. Statistiker wollen wissen, dass Weihnachten nur noch für jeden Vierten ein religiöses Fest sei. Und doch knüpfen sich starke Erinnerungen und Erwartungen daran. Weihnachten ist ein Fest der Widersprüche. Dieses Buch nimmt sie ernst und versucht, Missverständnisse zu klären. Denn es wäre schade um das Fest, das für viele Menschen zum wichtigsten des Jahres geworden ist.

Weihnachtsbücher sind (wie Weihnachtslieder) in Gefahr, in Sentimentalität abzugleiten. Im Folgenden wird ein anderer Weg eingeschlagen. Als kulturhistorischer Adventskalender greift das vorliegende Buch jeden Tag einen Aspekt der Festzeit heraus. Es stellt Altes vor, um zu Neuem zu ermutigen. Jeder Brauch besteht aus vielen Elementen. Je mehr bekannt sind, umso größer wird die Auswahl zur individuellen Gestaltung.

Besondere Bedeutung kommt der Musik zu. Deshalb ist die CD mit zwölf ausgewählten Weihnachtsliedern ein Teil dieses Buches. Eberhard Kummer, Opern- und Epensänger, interpretiert sie meisterhaft zur Drehleier. So lassen sich vertraute Melodien neu erfahren und unbekannte entdecken. Die Drehleier gibt es seit rund 1.000 Jahren. In Mitteleuropa war sie bis vor etwa 150 Jahren weit verbreitet. Als Hirteninstrument ist sie oft bei historischen Weihnachtskrippen (meistens gemeinsam mit einem Dudelsack) zu finden. Die Drehleier ist ein Saiteninstrument. Ein Holzrad, das über einige Saiten (in der Regel Darmsaiten) streicht, erzeugt den Ton. Eine Saite (manchmal auch zwei) ist die Melodiesaite. Die Melodie entsteht durch Saitenverkürzung: An die Saite werden Holzstäbchen ("Tangenten") angedrückt, die durch ihr eigenes Gewicht in die Ausgangslage zurückfallen. Die Holzstäbchen sind in Form einer Klaviatur angeordnet. Die übrigen Saiten sind Basssaiten, die immer den gleichen Ton erklingen lassen ("Bordune"), sodass sich eine Art Dudel-sackklang ergibt. Eine Bordunsaite läuft über einen beweglichen Steg. Wenn man die Kurbel des Rades schneller dreht, trommelt der Steg auf die Oberfläche des Instrumentes. Dadurch kommt das charakteristische Schnarren zustande, das man vor allem zur Rhythmisierung einsetzt. Das verwendete Instrument ist eine ungarische Drehleier.

Zu Weihnachten als Fest für alle Sinne gehören optische Elemente. Deshalb ist dieses Buch reich illustriert. Viele Bilder ermöglichen einen Blick in die Kunstgeschichte, andere stammen aus jüngster Zeit. Genießen Sie, liebe Leserin, lieber Leser, Musik, Texte und Bilder und nehmen Sie sich Zeit für den Weg Richtung Weihnachten.

Helga Maria Wolf