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Felix Gundacker: Genealogisches Wörterbuch#

Felix Gundacker: Genealogisches Wörterbuch 2. stark erweiterte Auflage. GenBuch. 244 S., € 24,-

Felix Gundacker: Kurrent in Kirchenbüchern#

Felix Gundacker: Kurrent in Kirchenbüchern. Matrikenbeispiele in deutscher, lateinischer und tschechischer Sprache. GenBuch 221 S., ill., € 24,-

Man kennt Felix Gundacker aus der ORF-Serie "Meine Vorfahren". Dabei hat der Berufsgenealoge bekannte Personen auf der Suche nach ihren Ahnen begleitet - und großes Echo ausgelöst. Er verdankt sein Interesse Familienforschung dem Großvater, dem er als Jugendlicher gerne zuhörte, wenn dieser von seinen Ergebnissen berichtete:Einfache Schritte, mit denen er erstaunlich guten Erfolg hatte, indem er die Pfarrer anschrieb und auf Antwort hoffte. Auf seinem eigenen Weg in die Vergangenheit legte der Autor zigtausende Kilometer zurück, um dann, meist unter Zeitdruck, in weit entfernten Archiven und Pfarrkanzleien den Spuren seiner Familienangehörigen zu folgen. Nach der HTL-Matura, Tätigkeit als Bautechniker und EDV-Spezialist entdeckte er als knapp Dreißigjähriger seine echte Berufung. Seit 1989 arbeitet Felix Gundacker als Berufsgenealoge, ist seit 1992 Geschäftsführer des Instituts für Historische Familienforschung (IHFF) und seit 2009 Projektleiter von GenTeam, das mittlerweile 21 Millionen Daten umfasst und Interessierten kostenlos online zu Verfügung steht.

Seine erste einschlägige Publikation, das Genealogische Wörterbuch erschien im Jahr 2000 mit rund 2000 Begriffen. Schon wenige Jahre später folgte die zweite Auflage, stark erweitert mit 8000 Worterklärungen in deutscher, lateinischer und tschechischer Sprache sowie der Übersetzung von 4600 tschechischen Vokabeln. Das Buch ist auf Österreich abgestimmt - Werke aus Deutschland berücksichtigen kaum die Sprache der Habsburgerländer. Es erweist sich als sehr hilfreich für Familienforscher, denen das eigenartige Kirchenlatein, unbekannte Ausdrücke und die tschechische Sprache oft Schwierigkeiten bereiten. Viele Bezeichnungen von Berufen, Orten, Krankheiten oder Verwandtschaftsverhältnissen haben sich im Laufe der letzten Jahrhunderte geändert, andere Maße wurden verwendet. Abgekommene Berufe sind aus Lexika verschwunden, und nur wenige SchülerInnen lernen Latein, das noch vor einem Jahrhundert in manchen Kronländern als Amtssprache diente. Von "a" für "anno" (Im Jahr) bis "zythopola" (Bierbrauer, Schankwirt) reicht dieses wertvolle Nachschlagewerk - eine wahre Fundgrube für jeden historicus.

Die Reise in die - eigene - Geschichte hat zwei Grundvoraussetzungen: Ohne Internet und ohne Kurrentkenntnisse geht es nicht. … Beides ist nicht schwer zu erlernen, vielmehr eine Frage der Zeit und der Übung. Als Reisebegleiter bietet sich das Buch Kurrent in Kirchenbüchern an. Es gibt einen Überblick über die Matrikenführung, die Buchstaben des Kurrent-Alphabets, die häufigsten Abkürzungen und Endungen. Scherzhaft sagt man, dass jede/r WienerIn eine böhmische Großmutter hätte. Heute sprechen hierzulande wenige Personen tschechisch, was die Ahnenforschung erschwert. Umso willkommener sind Praxisbücher wie die vorliegenden.

Kurrent (vom lateinischen currere - Lauf) war die erste zusammenhängende Schreibschrift. Sie wurde von der Neuzeit bis ins 20. Jahrhundert verwendet, wobei sich individuelle Handschriften entwickelten. Im Internet gibt es viele Buchstabentabellen, die aber nur bedingt weiterhelfen. Der wichtigste Buchstabe eines Wortes ist zumeist der Anfangsbuchstabe. Wenn dieser nicht lesbar ist wird auch der Rest schwieriger. Meist ist das Erfassen des ganzen Wortes sinnvoller, doch kann auch einzelnes Buchstabieren zum Ziel führen. Jedenfalls ist Kreativität gefragt. Dies gilt auch für die Orthographie: Man schrieb, wie man schreiben konnte, nicht wie man zu schreiben hatte. Wir finden daher Wörter mitunter in einer für uns ungewöhnlichen, ja unmöglichen Rechtschreibung. Die Tochter gibt es als Dochter, die Jungfrau als Junckfraw … Auch wurde nicht immer ein Trennzeichen am Ende der Zeile geschrieben - das Wort wird einfach in der nächsten Zeile oder gar auf der nächsten Seite fortgesetzt, längere Wörter mitunter einfach getrennt, auch die Groß- und Kleinschreibung mitunter nicht beachtet.

Manche Buchstaben sind leicht zu verwechseln, wie A und U, L und B, oder K und R bei den Versalien und eine ganze Reihe von Kleinbuchstaben. Vornamen derselben Person können in verschiedenen Eintragungen anders aufscheinen, etwa Helena und Magdalena wegen des Rufnamens Lena. Euphrosina wurde zu Eva Rosina, Rosina zu Theresia (Reserl, Roserl), Christoph zu Stephan (Stofferl, Stefferl), Gottfried zu Friedrich (Friedl), Gregor zu Georg, Matthias zu Matthäus. Die Phantasie der Schreiber fordert die Phantasie der LeserInnen heraus. Aber das macht die Suche erst richtig spannend. Wer sie abkürzen will, findet im Buch eine Reihe von Beispielen, aus denen sich Analogieschlüsse ziehen lassen. Sie beginnen mit den Großbuchstaben - von Anna bis Zwentendorf(f) - behandeln die Kleinbuchstaben im Wortverband und stellen Abkürzungen vor. So bedeutet "See:" so viel wie selig (verstorben), "Gf:" ist kein Graf, sondern ein Gevatter (Pate). Monatsnamen wurden mit Ziffern- und Buchstabenkombinationen dargestellt, wie 7bris (September), oder Xmbrs (Dezember).

Vor dem umfangreichen Beispielteil befindet sich eine Sammlung von Internetlinks mit Buchstabiertabellen und Übungsmöglichkeiten. Die Matrikeneinträge in deutscher bzw. lateinischer Sprache sind als Faksimile abgebildet und wörtlich transkribiert. Gleiches gilt für die Tauf-, Trauungs- und Sterbebücher in tschechischer Sprache. Hier kommen zu den Anmerkungen noch Übersetzungen. Mit Quellenangaben endet das aufschlussreiche Buch. Inzwischen ist auch ein dritter Bund, ein Praxisbuch zur Ahnenforschung erschienen.

hmw