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Das erweiterte Buch: Siegi Kleindienst und ihre Skulptur.
Das erweiterte Buch: Siegi Kleindienst und ihre Skulptur.

artgerecht: Aufbauen#

(Dichte Tage)#

von Martin Krusche

Wenn die Werke angeliefert werden, gepolstert und gut verpackt, bekomme ich zwar erste Eindrücke, was uns tatsächlich bevorsteht, aber es ergibt vor allem einmal eine Halde Zeugs, das noch in die Ausstellungsräume geschafft werden muß.

Ich hatte ja zuvor schon Bilder von den Bildern und Skulpturen zu sehen bekommen, mir also ein Bild machen können, was wir bei der Vernissage erleben werden. Doch die Magie entfaltet sich erst, wenn eine Crew versierter Leute drangeht, die Exponate auf angemessene Art zu hängen und zu stellen.

Raum zu bewältigen verlangt Kompetenzen, die ich nicht habe. Ich bin ein Homme de lettres. Räume, die ich belebe und stellenweise beherrsche, sind innere Landschaften, zu denen Text eine Verbindung herstellt. Ein Abstraktionsvorgang. Aber eine Ausstellung ergibt den Ort realer sozialer Begegnung. Das ist eine völlig andere Kategorie.

Dazu kamen für „artgerecht“ nun zwei wesentliche Phänomene in Wechselwirkung. Erst einmal haben uns mehr als zwei Duzend Kunstschaffender ihre Werke anvertraut. Niemand unter den 38 Leuten hat gefragt: „Was krieg ich dafür?“ Eine komplexe soziale Situation.

Dann kam die schon erwähnte Crew zur Sache, um das extrem heterogene Material in den zwei Trakten der alten Poststation zu einem Statement zu formieren und diese Mitteilung adäquat an sowie zwischen die Wände zu bringen.

Ich werde an anderer Stelle noch erläutern, was dabei tatsächlich geschieht; im vollen Umfang des Projektes und im Gegensatz zu all dem halbgaren Geschwafel, das mich seit Jahrzehnten begleitet, was denn „wahre Kunst“ und was „die Aufgabe der Kunst“ sei. All das Geschwätz halbgebildeter Kleinbürger, die als Entschädigung für ihren zuweilen etwas unerquicklichen Alltag Erbauung und Freude suchen, dabei nun meinen, das zähle zu den Agenda der Kunst.

Grafiken von Michaela Cerny, verpackt…
Grafiken von Michaela Cerny, verpackt…
…und entfaltet.
…und entfaltet.

Da gibt es, wie auch die aktuelle Situation in Gleisdorf belegt, eine Menge Klärungsbedarf. Aber dem widmen wir uns ausführlicher mit unserer „Konferenz in Permanenz“. Im Besuch einer Ausstellung ist es dem Publikum dagegen völlig freigestellt, welche Zugänge einzelne Menschen bevorzugen.

Das können rein sinnliche Kriterien sein, das können die Regeln der Kunst sein, wie wir sie in über zweitausend Jahren permanentem Kunstdiskurs bearbeiten. Der Besuch einer Ausstellung ist mit keinen weiteren Verpflichtungen verbunden; außer vielleicht dieser: Ich halte den Mangel an Esprit für einen strafbaren Tatbestand.




Ulrike Mayr (links) und Martina Brandl (Foto: R. Mayr)
Ulrike Mayr (links) und Martina Brandl (Foto: R. Mayr)
Joachim Karner (links) und Johannes Rubey (Foto: R. Mayr)
Joachim Karner (links) und Johannes Rubey (Foto: R. Mayr)