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In der alten Poststation.
In der alten Poststation.

artgerecht: Die Schnittstelle#

(Wozu an die Bachmann denken?)#

von Martin Krusche

Sie finden bei „artgerecht“ schon eine Markierung, die auf den 3. Juli 2026 verweist. Da werden wir die nächste Ausstellung eröffnen. Zu Ingeborg Bachmann heißt es dann: „Böhmen liegt am Meer“.

Die archipelische Arbeit stellt also weiter Querverbindungen zwischen Literatur und bildender Kunst her. So äußert sich unsere Befassung mit einigen Fragen; und zwar auf einem Weg, der in Ingeborg Bachmann einen speziellen Referenzpunkt hat.

Sie war ein radikales Wesen mit einer enormen intellektuellen und emotionalen Kraft, das gewissermaßen an gängigen Lebensbedingungen zerschellt ist. Da hat es für diese Frau weder im moderaten, noch im vergleichbar heftigen Zusammenleben ausreichend Halt gegeben.

Das ist ein Hintergrund, vor dem wir als künstlerisches Kollektiv verschiedene Lebensbedingungen und Lebenskonzepte erkunden, wobei in ausreichender Nähe zu den am „Archipel“ Beteiligten feststellbar ist, daß sehr unterschiedliche Arten der Grenzüberschreitungen zu jeweils nächsten Klarheiten führen.

Und im Juli die Bachmann.
Und im Juli die Bachmann.

Das läßt sich mit künstlerischen Mitteln bearbeiten. Das hat seine privaten Aspekte, welche nicht in der Öffentlichkeit ausgebreitet werden. Mit Ingeborg Bachmann verhält sich das anders.

Nach ihrem Tod und nach einer Sperrfrist wurden ihre persönlichen Aufzeichnungen und privaten Briefe verwertet. Der Vorwand: Erkenntnisgewinn für die Forschung.

Ich habe große Zweifel, ob derlei Eindringen in die Privatsphäre eines Menschen einen so essenziellen Gewinn zum Verständnis des Werkes liefert, auf daß solches Eindringen legitim erscheint.

Im Grunde arbeiten wir als Kunstschaffende an Narrativen, mit denen wir die Conditio humana ausleuchten, darstellen, Beiträge zu Wir-Konstruktionen generieren. Ich muß einerseits drauf bestehen, daß in der Kunst keine Denkverbote errichtet, keine Tabus abgesichert werden.

Ich muß andrerseits ebenso darauf bestehen, daß wir Grenzen stets neu verhandeln und daß Grenzüberschreitungen Konsequenzen haben. Das braucht nicht moralisierend zu geschehen, sondern kann möglichst unaufgeregt den Fragen nach Menschenwürde verpflichtet sein.

Oder um herauszustreichen, was Karma eigentlich bedeutet: Alles hat Konsequenzen. Nichts ist egal. Es liegt in der Folge an uns selbst, jeweils Entscheidungen zu treffen und zu verantworten.



Ich hab mir Ingeborg Bachmann von einer KI portraitieren lassen.
Ich hab mir Ingeborg Bachmann von einer KI portraitieren lassen.