artgerecht: Finissage III#
(Übergänge)#
von Martin KruscheFür das Booklet „Mini Fabula“ (Version 1) hat Reinhard Artberg auf eine Geschichte von Csaba Glóner reagiert. Bei der darauf folgenden Ausstellung „artgerecht“ hat es von Artberg einige Objekte gegeben, bei denen Schrift und Skulpturales verzahnt waren.
Ich hab ein besonders Faible für Werke, die Genre-Grenzen überschreiten; daß etwa ein Satz plötzlich im Raum besteht, wie ich das Hartmut Skerbisch vor Jahren hab fordern gehört. Unser symbolisches Denken als innerer Vorgang, Kunstwerke als Medien, um etwas davon nach außen zu übertragen…
Durch Csaba Glóner hab ich bei der Ausstellung Tamás Árvai kennengelernt, dessen Arbeiten einen interessanten Bogen zwischen Abstraktion und konkreten Bildnissen zeigen. Da gibt es gezeichnete Studien, Objekte in eigentümlicher Formensprache, aber auch Büsten und menschliche Figuren.
Das bedeutet, Árvai überträgt mehrere Abschnitte der inneren Prozesse nach außen. Er macht Übergänge sichtbar. Ich halte die Betrachtung solcher Verläufe derzeit für wichtig, denn die aktuelle Krisensituation der steirischen Kulturpolitik macht unter anderem deutlich, daß allgemein keine sehr valide Kenntnis davon herrscht, was Kunst sei und was sie ausmacht.
Ich halte wenig von einer Voodoo-Fraktion, die vorzugsweise von einem „Wert der Kunst“ raunt, auch von „Verpflichtungen“ der Gesellschaft, also von Heilsversprechen aller Art und unklaren Aufträgen, ohne das genauer zu begründen; was heute kulturpolitisch notwendig wäre.
Mir liegt es eher, daß wir diesen Zusammenhang genauer herausarbeiten, welcher die Kunst als vermittelnde Instanz zwischen der menschlichen Innenwelt und einer ihn umgebenden Außenwelt ausmacht. Denn Faktum ist allemal, daß unsere innere kognitive Ausstattung keinen direkten Kontakt mir der Außenwelt zuläßt. \
Unsere Sinnesorgane vermitteln dabei physiologisch zwischen den Welten, unser symbolisches Denken sorgt für die Deutungsarbeit. Mit der Kunst haben wir solche Vorgänge bereichert. Vor allem was die außerprachlichen Möglichkeiten angeht.
Das heißt, die Beachtung der Kunst ist ein Dienst an der Conditio humana, denn ohne diese Genres wären unsere Kommunikationsmöglichkeiten als Spezies sehr viel geringer. Wir müssen daher nicht um eine Anerkennung der Kunst als „systemrelevant“ bitten. Die Kunst ist ein Fundament jener Systeme, deren Relevanz gerne behauptet wird.
- artgerecht: Die Dokumentation (Übersicht)




