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Notiz 014: Niemand ist alleine klug#

von Martin Krusche

Was sich im Rahmen von „Dorf 4.0“ ereignet, entsteht nicht nur durch jene, die zum eigentlichen Team gehören. Es wächst auch immer wieder dank der Kompetenzen jener Menschen, die ganz eigene Wege gehen. Ein sehr typisches Beispiel dafür ist der Gastwirt und Klassiker-Liebhaber Gottfried Lagler.

Gottfried Lagler vor dem einzigen erhaltenen Exemplar des Grazer D&U-Wagens. (Foto: Martin Krusche)
Gottfried Lagler vor dem einzigen erhaltenen Exemplar des Grazer D&U-Wagens. (Foto: Martin Krusche)

Was die Klassiker angeht, sind hier alte Fahrzeuge gemeint. Lagler ist Sammler und Schrauber. Er ist außerdem Initiator des „Oldtimerstammtisch Figaro“ und in dieser Eigenschaft ein Steiermark-Repräsentant der ÖGHK, der Gesellschaft für historisches Kraftfahrwesen.

Diese etwas komplexe Skizze von Laglers Aktivitäten war zum Einstieg nötig, um anschaulich zu machen, was es mit solchen Akteuren auf sich hat. Er besitzt vor allem einmal eine sehr feine Kollektion historischer Fahrzeuge, was in seiner Biographie wurzelt. Dieses Engagement begann praktisch mit jener seltenen weißen Puch Monza Scrambler, die in Laglers Jugendtagen sein erstes Moped gewesen ist.

Der Grundstein von Laglers Kollektion: die Puch Monza Scrambler. (Foto: Martin Krusche)
Der Grundstein von Laglers Kollektion: die Puch Monza Scrambler. (Foto: Martin Krusche)

Besucht man den Mann in seiner Pizzeria, entdeckt man freilich dank ausgestellter Objekte, daß seine Sammelleidenschaft über die Welt der Fahrzeuge erheblich hinausgeht. Dazu gesellt sich, daß sein Sohn Kevin ganz nach dem Vater kommt; und zwar nicht bloß als Fan, sondern als aktiver Schrauber.

Dadurch, auch durch die Vernetzung im Club, ist in diesem Haus eine Menge Kompetenz gebündelt, also Fachwissen über die alten Fahrzeuge und deren sozialgeschichtliche Hintergründe. Dabei kommt zur Wirkung, was in der Szene die guten Leute ausmacht, nämlich diese entspannte Klarheit: Niemand ist alleine klug.

Eben weil vieles rund um die alten Sammelstücke nicht dokumentiert wurde oder schlicht in Vergessenheit geriet, braucht man für das Restaurieren von Klassikern ein leistungsfähiges Netzwerk. Was da an Verbindungen gelebt wird, spielt sich dann keineswegs bloß in Garagen und Werkstätten ab. Gottfried Lager hält Jahr für Jahr ein lebhaftes Team zusammen, um mehreren Veranstaltungen zu realisieren. Dazu gehört auch ab und zu die durch Österreich wandernde Löwen-Rallye der ÖGHK.

Besuch aus Wien: Gottfried Lagler, flankiert von Lisl und Heinz Mesicek, ÖGHK. (Foto: Martin Krusche)
Besuch aus Wien: Gottfried Lagler, flankiert von Lisl und Heinz Mesicek, ÖGHK. (Foto: Martin Krusche)
Kollegen vor Ort: Gottfried Lagler und Sigi Spreitzenhofer von der Oldtimerrunde Wetzawinkel. (Foto: Martin Krusche)
Kollegen vor Ort: Gottfried Lagler und Sigi Spreitzenhofer von der Oldtimerrunde Wetzawinkel. (Foto: Martin Krusche)

Von all dem haben wir bei „Dorf 4.0“ auch schon für die eine oder andere Station von Mythos Puch profitiert, wo Lagler sachkundig Beiträge lieferte. Und so entfaltet sich ein Geflecht von Aktivitäten in der Region, die zugleich Wissensarbeit und Geselligkeit sind, also in diesem Fall eine Volkskultur in der technischen Welt ausdrücken.

Denn was Menschen wie Lagler kulturell umsetzen, wird von keinen wissenschaftlichen Debatten bestimmt, auch von keinen Interessenslagen einer Obrigkeit. Es geht von der Basis engagierten Menschen aus. Kein Gemeinwesen käme ohne engagierte Leute dieser Art zurecht.