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Notiz 040: Notizen vieler Arten#

(Tesserakt Board)#

von Martin Krusche

Eine meiner Lieblingsannahmen lautet: Wir denken in Worten, Bildern und Emotionen. Weshalb Emotionen? Weil sich auch das Fleisch an der Wahrnehmung und Reflexion unmittelbar beteiligt. Was nun über Bilder und Emotionen erfahrbar ist, darf entweder im Wortlosen bleiben, oder es mündet in einen inneren Monolog, in Sprachliches.

Die Kodak Retina wurde meine erste Kamera, die ich als Volksschulkind bekommen hab.
Die Kodak Retina wurde meine erste Kamera, die ich als Volksschulkind bekommen hab.

Ich erlebe mich von einer permanenten, breiten Flut solcher Vorgänge durchzogen. Im Wechselspiel genau solcher Optionen, dem Denken in Worten, Bildern und Emotionen, entstehen dann auch die Inhalte meiner künstlerischen Praxis. Das ist alles gegeneinander in keiner Weise abgrenzbar. Mehr noch, ich hab gute Gründe, die wechselseitige Konvergenz dieser Möglichkeiten zu verstärken.

Darin wird deutlich, warum ich Leben und Kunst nicht getrennt sehen kann, was in der Art freilich keineswegs auf das Verhältnis zwischen Künstler und Werk angewandt werden kann. Das Werk fällt von mir ab, muß etwas an Eigenständigkeit gewinnen oder landet auf irgendeiner Halde.

Ich kann mich mit alten Produkten meiner Kunstpraxis nicht beschäftigen. Sie interessieren mich kaum, stören mich sogar mitunter. Viel zu aufdringlich ereignet sich Nächstes. Der schon erwähnte Fluß an Wahrnehmung und Reflexion ist unaufhaltsam, daraus quellen eigene Werke.

Ich vermute, daß dort – in all dem – die Kunst zu Hause ist; in diesen permanenten Wechselwirkungen. Das bedeutet auch, wer bei sich selbst auf ein reges geistiges Leben weitgehend verzichtet, hat wenig bis nichts in Händen, um künstlerisch tätig zu sein.

Mit der Ixus hatte ich plötzlich keine Limits in der möglichen Bildmenge mehr.
Mit der Ixus hatte ich plötzlich keine Limits in der möglichen Bildmenge mehr.

Ich laufe hier in der Provinz immer wieder in so aufgeregte Ensembles, wo Menschen einander mit großen Gesten allerhand zurufen und von der Kunst raunen, aber da geschieht nichts, was der Rede wert wäre, außer daß es etwas Geselliges hat.

Man könnte Vernissagen und das Lesen von Gedichten auch gleich in den Baumarkt verlegen oder in die Deko-Abteilung des großen Möbelhauses am Stadtrand. Aber ich verstehe die Intention. Der Kulturbetrieb als Distinktionsmaschine, die Kunstveranstaltung als Börse, als Umschlagplatz für Sichtbarkeit, das ganze Theater, um Sozialprestige zu gewinnen.

Und dabei noch ein spezieller Spin-off: Content für das City Marketing. Wenn der Deal so angelegt wird, braucht es keine anderen Inhalte. (Doch nach jeden Ereignis gähnt die Leere.) Aber ich schweife ab.

Als Youngster hab ich mich eine Weile mit einer schweren Nikon abgeschleppt, weil mir daran lag, nicht nur meine Notizhefte vollzuschreiben, sondern auch visuelle Notizen zu haben. (Sperriges Teil. Hängende Schulter.)

Über Zwischenschritte und einige kompaktere Fotoapparate kam ich dann bei der Canon Ixus an. Mit diesem an seinen Kanten sanft gerundeten Quader stand ich auf dem Feld der Digitalfotografie. Damit waren alte Schranken verschwunden. 24er oder 32er Kleinbildfilm? Kein Limit mehr.

Die ständige Umschau im Alltag, das Herausfiltern interessanter Motive, das Schauen als eine Schule des Denkens… Und in diesem Bereich des Projektes „Tesserakt“ nun einige der visuellen Notizen: (Link)