Ein Sommerabend II: Brandl & Mayr#
(In Sachen Bachmann, die Dokumentation)#
Von Martin Krusche#
Als Homme de lettres komme ich mit der Gestaltung geistiger Räume sehr gut zurecht. Schreiben ist ein komplexes Abstraktionsverfahren, durch das man über eine ganze gedachte Galaxis verfügen kann. Aber den Realraum zu bewältigen, das ist ein völlig anderes Kompetenzfeld.
Hier bedeutete es, grundverschiedene Bildformate und Objekte, von höchst verschiedenen Charakteren geschaffen, zu einem schlüssigen visuellen Statement anzuordnen. Das vor allem nicht in einem White Cube, der sich als Struktur völlig im Hintergrund hält, sondern in diesem historischen Bauwerk, das aus völlig anderen Zusammenhängen stammt.
Da zeigt der Raum selbst, die vormalige Poststation, über seine Eigenheiten eine erhebliche Präsenz. Es muß daher gelingen, gewissermaßen eine physischen Dialog in mehr als eine Richtung hinzubekommen, damit die gesamte Mitteilung nicht holpert oder stammelt.
Das erfordert eine Arbeit, die dann am gelungensten ist, wenn sie einem nicht auffällt, wenn also die Ausstellung sich als eine schlüssige visuelle Erzählung mitteilt, bei der man nicht ins Nachdenken kommt, wie es gemacht wurde.
Ich aber, dem viel an Klarheit daran liegt, was wir da tun, frage mich das und freue mich darüber, daß Malerin Martina Brandl und Fotograf Richard Mayr ihre Kompetenzen auf solche Art bündeln können. Das hat zusätzlich eine besondere Anforderung darin, daß der alte Bau kein praktisches Schienensystem zum Hängen zuläßt.
Da werden stattdessen Nägel in die Wand geschlagen. Also müssen vor diesen Hammerschlägen treffende Entscheidungen fallen, denn ein saloppes Umhängen käme nicht in Frage. Ich hoffe das macht ein wenig anschaulich, welche Qualität erreicht werden muß, damit so ein Ereignis funktioniert.
Und das, im aktuellen Fall, für kaum drei Tage. Freitags Vernissage, Sonntag Nachmittag wird abgeräumt. Aber so ist da im „Archipel“ angelegt. Die Ausstellung ist eine Mitteilung nach außen, die von unseren intern geführten Prozessen handelt. Keine Selbstrepräsentation, sondern ein Beitrag zum geistigen Leben in unserer Region.
- Die Dokumentation: Böhmen liegt am Meer (Übersicht)

