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Pianistin Thais-Bernarda Bauer
Pianistin Thais-Bernarda Bauer

Ein Sommerabend VI: Modalitäten#

(In Sachen Bachmann, die Dokumentation)#

von Martin Krusche

Ist Ihnen zum Thema Vernissagen oder Lesungen der Begriff „musikalische Umrahmung“ geläufig? Eine entsetzlich Kategorie! Muzak. So ungefähr im Rang von Fahrstuhl-Musik. Ich hab keine Ahnung, woher diese kulturelle Schlamperei kommt. (Vielleicht der Rest biedermeierlicher Hausmusik.)

Wenn Pianistin Thais-Bernarda Bauer bei uns ihren Part hatte, dann war das ein musikalisches Statement, wie es an jenem Abend sprachliche und visuelle Beiträge gab. Bauer spielte daher auch keine „Lückenfüller“ zwischen den einzelnen Auftritten der Autorinnen.

Sie ahnen, weshalb das so über die Bühne ging? Wir sind nicht im Unterhaltungsgeschäft tätig. Ich darf erwarten, daß ein Publikum sich zu konzentrieren vermag, um den einzelnen künstlerischen Angeboten zu folgen. Wir achten im Gegenzug darauf, daß die verfügbare Aufmerksamkeit der Menschen nicht mit sekundären Stoffen vollgeballert wird.

Das bedeutet unter anderem, wir vergeuden der Menschen Aufmerksamkeit nicht bei überlangen Begrüßungsritualen, zu denen Honoratioren aller Art die Bühne betreten. Dabei würden wir ohnehin bloß vertraute Standard-Sätze hören, die seit Jahrzehnten ohne Innovation auskommen.

Ebenso ermüdend sind bei Vernissagen allfällige Einführungsvorträge. Ich hab schon erlebt, daß jemand seine Kunst-Exegese in einer Länge von 25 bis 30 Minuten ausbreitetet, nachdem Honoratioren ihre Grußworte abgeliefert hatten.

Unsere Südsteiermark-Verbindung: Eva Suma (links) und Siegi Kleindienst.
Unsere Südsteiermark-Verbindung: Eva Suma (links) und Siegi Kleindienst.
Das Literatur-Set (von links) Richard Mayr, Eva Surma, Roswitha Ranz und Andrea Wolfmayr.
Das Literatur-Set (von links) Richard Mayr, Eva Surma, Roswitha Ranz und Andrea Wolfmayr.

Statt also derlei Inputs als eigenen Programmpunkt zu einem folgenden Datum anzubieten, muß das werte Publikum herumlehnen und sich etwas reinpfeifen, was mit einem Shortcut von drei bis fünf Minuten Sprechzeit gut abgedeckt wäre, um dann a) auf die kommende Veranstaltung mit dem Vortrag hinzuweisen, wahlweise b) auf den Text im Internet.

Ich meine, wer über einen Abend und ein Bühne verfügt, wer dabei das Sagen hat, trägt Verantwortung in beide Richtungen; hin zu den Künstlerinnen und Künstlern, wie auch dem Publikum gegenüber.



Gleisdorfs Kulturreferent Karl Bauer im Gespräch.
Gleisdorfs Kulturreferent Karl Bauer im Gespräch.