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Die Wegmarken#

(Thema und Buch)#

Von Martin Krusche#

Anfang April des Jahres 2018 waren meine Vorarbeiten so weit gediehen, daß ich meine Eindrücke und Rechercheergebnisse ordnen konnte, um zu sehen: das ließe sich in einem konkreten Projekt strukturierter bearbeiten.

Drei Bürgermeister in Kooperation, von links: Peter Moser, Werner Höfler und Robert Schmierdorfer.
Drei Bürgermeister in Kooperation, von links: Peter Moser, Werner Höfler und Robert Schmierdorfer.

Der Hintergrund dieses Vorhabens ist davon geprägt, daß ich bei Kunst Ost längst entschieden hatte, den Themenschwerpunkt „Volkskultur, Popkultur und Gegenwartskunst“ zu vertiefen. Was sind die gemeinsamen Quellen? Was sind lebhafte Querverbindungen? Was ist das Trennende?

Dazu die wichtige Frage, wie ich verfügbare Ressourcen einsetzen möchte, um das gemeinsam zu bearbeiten. Wie sind die einzelnen Themen zu gewichten und wie sollen sie sich folglich in ihrer Gewichtung zueinander verhalten?

Zu jener Zeit hatte ich schon gute Erfahrungen in der mehrjährigen Kooperation mit drei Lokalpolitikern, die sich mit mir auf prozeßhafte Arbeit einließen. Werner Höfler in Hofstätten, Peter Moser in Ludersdorf und Robert Schmierdorfer in Albersdorf.

Wir haben gemeinsam Kulturprojekte in verschiedenen Größenordnungen realisiert. Das ergab für mich zwei ganz wesentliche Erfahrungsbereiche. Erstens konnten wir ausloten, was in der Kultur- und Wissensarbeit möglich und machbar ist, wenn eine Gemeinde über kein Rathaus mit Abteilungen, Teams und Budgets verfügt, also auch kein eigenes Kulturreferat hat.

Zweitens habe ich viel gelernt, was den Alltag eines Bürgermeisters ausmacht, welche Prioritäten und Arbeitssituationen sich da ergeben, was sich durchsetzt und wo Luft bleibt, wo gelegentlich Spielraum aufgeht, um Dingen Platz zu machen, die nicht der Alltagsbewältigung verschrieben sind.

Konsumation oder Partizipation #

In diesem Zusammenhang hatten wir auch schon an Klärungen gearbeitet, was unter dem Begriff Volkskultur verstanden werden kann und welche Konsequenzen das für konkrete regionale Praxis haben mag. Da war ich dann mit meinen Rundgängen, mit meiner Neugier auf Zeichen am Wegesrand, passend aufgestellt.

Wie drückt sich Volksfrömmigkeit aus? Was manifestiert sich, was findet man vor, wenn man begreift, daß ausnahmslos jeder Menschen kulturelle und spirituelle Bedürfnisse hat? Sie merken vielleicht, allein schon mit diesen Überlegungen kommt man auf andere Spuren, sobald man nach dem Thema Volkskultur fragt und ein wenig ausblendet, was uns zu diesem Thema einerseits von der Unterhaltungsindustrie vorgesetzt wird, andrerseits von einem Teil des Bildungsbürgertums, welches Traditionen „schützen“ will.

Mich interessierte das ursprünglichere Feld, auf dem Menschen ihren kulturellen und spirituellen Bedürfnissen Ausdruck verleihen, ohne sich dabei von irgendwelchen Autoritäten etwas zurufen oder vorschreiben zu lassen. Ich hoffte außerdem, in diesem Zugang deutlich machen zu können, daß genau solche Überlegungen erhebliche kulturpolitische Relevanz haben.

Und zwar mindestens in der Frage, ob eine Bevölkerung mehr zur Konsumation oder mehr zur Partizipation tendiert. Wer dann wiederum die Alltagsprobleme von Bürgermeistern im Amt kennt, welche Ansprüche und Anforderungen daherkommen, versteht sofort, wie brisant diese Frage nach „Konsumation oder Partizipation“ für das gesamte Gemeinwesen ist, für die Region.

Projektleiter Peter Moser (rechts) und Fotograf Richard Mayr.
Projektleiter Peter Moser (rechts) und Fotograf Richard Mayr.

Kulturelle Archive#

Ich hatte schnell begriffen, daß ich auf Friedhöfen und bei diversen Wegmarken interessante Beispiele finde, wie sich Eigenverantwortung ausdrückt und wie im öffentlichen Raum mittels diverser Objekte kommuniziert wird. Die Wegmarken sind allesamt Mitteilungen. Und sie ergeben ein soziales wie kulturelles Archiv.

Ich wollte ursprünglich eine Buchpublikation angehen, die bemerkenswerte Beispiele der Oststeiermark herausgreift und so das Zeichensystem generell anschaulicher macht. Das war für die regionale Frage einen Hauch zu akademisch gedacht. In Arbeitsgesprächen wurde deutlich, es soll nun weder ein neuer Marterl-Schematismus werden, noch ein Marterl-Kataster der Oststeiermark.

Wir nahmen uns vor, ein anregendes Buch zu erarbeiten, in dem die Kleinregion Gleisdorf Bühne und Rahmen für das Thema ist. Vier Gemeinden: Albersdorf-Prebuch, Gleisdorf, Hofstätten an der Raab und Ludersdorf-Wilfersdorf. Die Redaktionshoheit für die limitierte Auswahl der Objekte im Buch liegt in den jeweiligen Amtsstuben. Für die Umsetzung formieren wir ein eigenes Team.

Das heißt auch, wir haben dann dafür gesorgt, daß Sach- und Machtpromotoren zusammenfinden, um das Projekt zu realisieren. Daraus entwickelte sich ein komplexes Gesamtvorhaben, innerhalb dessen unser für 2022 geplantes Buch bloß ein Teilprojekt ist. Nun sind wir unterwegs und arbeiten außerdem auch am größeren Zusammenhang, an anderen Teilprojekten, die komplementär zueinander angeordnet werden.