Eros und Thanatos#
(Corrida: Das Endorphin-Festival)#
von Martin KruscheIn unseren aktuellen archipelischen Projekten geht es an mehreren Stellen um das Obsessive, um Endorphin-Schübe, um Grenzerfahrungen. Und zwar in einem Spektrum zwischen Kunst, Corrida und Asphalt.
Dazu hat Richard Mayr dieses Jahr von seinen Reisen einige außergewöhnliche Fotos mitgebracht. Letzten April gingen Meldungen über einen Vorfall in der Arena Maestranza (Sevilla) um die Welt. „José Antonio Morante, more commonly known by his matador’s moniker Morante de la Puebla, suffered the injury on Sunday, while bullfighting in Seville.“ (The Irish Times) Der Stier Clandestino mit seinen 512 Kilo Kampfgewicht war der Capa Morantes nicht gefolgt und spießte den Matador auf.
Mayr ist bei jener Corrida zugegen gewesen und hat den äußerst schmerzhaften Fall von Star Morante fotografiert. Das stellen wir derzeit im archipelischen Kulturraum einem anderen Akzent gegenüber. Die Todesgefahr auf zwei markante Arten. Quasi der Stier und das Wildpferd im Kontrast zueinander. Beides Auslöser für enorme Endorphin-Kicks. Beides sehr umstritten.
Hier der Stierkampf, da die Fahrt mit dem renntauglichen Roush Mustang (auf Ford-Basis). Oder, wie es Psychologin Petra Schwarz, die Roush-Pilotin unterstreicht, die Verdeutlichung von Eros und Thanatos im untrennbaren Zusammenhang.
Es ist das libidinöse das Antippen des Zerstörerischen und des Belebenden, wie es nach Auffassung von Schwarz (und in Freud’scher Deutung) immer in Wechselwirkung steht. Hier mag die Bedeutung von Kultur so deutlich zum Klingen kommen.
Wir können keine dieser Seiten aus uns extrahieren, sondern müssen individuell für eine Balance solcher Kraftfelder sorgen. Es geht quasi um ein Fließgleichgewicht zwischen Eros und Thanatos im Bewußtsein, daß sich all das nicht wie Mauerwerk fixieren läßt, sondern stets in Bewegung bleibt.
- Corrida (Episode IV: Endorphin-Festival)

