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Ein Angelpunkt der Geschichte.
Ein Angelpunkt der Geschichte.

Corrida: Mythos Puch#

(Fenster #4, Set III)#

von Martin Krusche

In dieser Gruppe sollte nachvollziehbar werden, weshalb ich die Mustangs und die Pucherl in dieser Geschichte zusammengepackt habe. Rechnen Sie ein, daß die Volksmotorisierung der USA mit leistbaren Automobilen sehr viel früher eingesetzt hat als in Europa.

Der Ford Mustang war in seiner Basisversion als attraktives Fahrzeug für den jüngeren Teil der Mittelschicht adressiert. Der „Kleinstwagen“ Steyr-Puch 500 war in Österreich für Familien der Mittelschicht auf dem Markt zurechtgestellt. (Für einen Topolino oder einen Fiat 1100 mußte man schon gut gestellt sein.)

Stang und Puchschammerl sind anfangs in der Grundausstattung beide gleichermaßen moderate Fahrzeuge gewesen. Aber da wir dort konnte jemand mit dem nötigen Klimpergeld das Auto leistungsfähiger machen. Damit ebneten sich Wege in Richtung Rennsport. Oder, wer sparen mußte, wie ich, konnte immerhin einige Saisonen „Crash-Rennen“ fahren.

Weshalb steht hier der Haflinger so prominent auf dem Set? Der Steyr-Puch Haflinger 700AP, die “Allrad-Plattform”, brauchte etwas mehr Dampf als ein schlichtes Familien-Pucherl. Der Puch-Motor war freilich von Anfang an aus hochwertigen Materialien gefertigt. Diese Boxer konnte also einigen Leistungszuwachs vertragen.

Konstrukteur Markus Rudolf hat es so zusammengefaßt: „650T, 700C und Haflinger waren ursprünglich Geschwister. 650 TR und TR 2 waren werkseitige Kits. Ausgeliefert und als Straßenfahrzeug typisiert waren nur die 650T. Die späteren Haflinger-Motoren mit 27 PS haben als ‚Cousins‘ ein wenig von den TR Motoren profitiert, haben sich aber in wesentlichen Dingen unterschieden (27 PS Haflinger ist nicht gleich 27 PS TR).“

Fenster Nr. 4, Gruppe III, der Puch-Schwerpunkt.
Fenster Nr. 4, Gruppe III, der Puch-Schwerpunkt.

Im Fenster steht vorne das Modell eines 1964er Puch 650 TR. Das war für Leute meiner Herkunft schon eine ziemliche Rakete, also: Thondorf Rakete. Links davon drei Modelle der Basis, ein Fiat Nuova 500 mit kleinem Sonnendach, ein Pucherl mit Blechdach und die Puch Cabrio-Limousine.

Diesem Typ hatte Dante Giacosa bei Fiat den sehr erfolgreichen 600er vorausgeschickt, welchen es auch als Steyr-Fiat 600 in Lizenz gegeben hat. Aber die Weggabelung. Der 500er und der 600er aus Italien waren populäre Basisfahrzeug für das Tuning durch Carlo Abarth.

Das linke Trio zeigt neben den 500ern so eine Abarth Krawall-Semmel auf 600er Basis. In der Mitte ein Fiat Abarth 750 Coupé, links außen ein 1300er Abarth Simca. Allesamt leicht und sehr schnell. Gewissermaßen ein kontinentales Äquivalent zu den vielseitig aufrüstbaren Mustangs in den Staaten.

Der Haflinger ist also erstens eine enge technische Verwandtschaft und war zweitens ebenfalls im Motorsport zu finden. Beispielsweise der Renn-Haflinger von Hans Weingartmann mit dem originalen Puch Vierzylinder-Boxer, der 120 PS liefern kann.

Das bringt in der letzten Reihe im Fenster auch den Puch G ins Spiel, der im Werk anfangs unter „H2“ lief, also „Haflinger zwo“. Hier eine Zweiachser- und eine Dreiachser-Version. Dazwischen sehen Sie zwei besondere Raritäten. Links ein kompaktes Coupé, den Puch Jamos GT. Rechts steht der Puch 700 IMP, genauer: der InterMeccanica Puch, der schon schnell aussieht, wenn er bloß steht.

Jetzt hätte ich fast die Box vom „Little Oldies Meeting 2012“ vergessen. Pucherl und Mini in 1:87. Paddy Hopkirk und Henry Liddon beendeten 1964 mit ihrem Mini Cooper S die Glanzzeiten der schnellen Pucherln bei der Rallye Monte Carlo, wo zuvor Sobek Zasada auf Puch Geschichte geschrieben hatte. Der Mini mit seinem Frontantrieb durch einen Frontmotor schnupfte die bewährten Heckschleudern…



Fenster Nr. 4, die drei Gruppen „Speed Demon“, „Stromlinie“ und „Mythos Puch“, darüber Stierkampf-Fotos von Richard Mayr.
Fenster Nr. 4, die drei Gruppen „Speed Demon“, „Stromlinie“ und „Mythos Puch“, darüber Stierkampf-Fotos von Richard Mayr.