Cyberspace: Bild und Bildnis#
(Von der Höhle zur Galerie zum Rechner)#
von Martin KruscheWenn ich mich mit generativer KI befasse, stellt sich dabei auch die Frage nach den Anfängen der Malerei. Beizeiten kam die Drucktechnik zur Reproduktion von Werken ins Spiel, später die Fotografie, heute sind da allerhand digitale Techniken in Gebrauch.
Unser aktuelles kulturelles Engagement steht in der Tradition dieser Entwicklungen. In unserer archipelischen Community werden künstlerische Techniken genutzt, die teils wenigstens 500 Jahre alt sind, teils bis zu den Anfängen zurückführen. Und manches ereignet sich auf der Höhe der Zeit.
In einem Gespräch mit Unternehmer Ewald Ulrich kam ich unter anderem auf sein Faible für Höhlenmalerei. Das mündete in die Frage, weshalb Menschen überhaupt begonnen haben, Bilder und Bildnisse herzustellen.
Der älteste uns bekannte Beleg für diese Besonderheit der Spezies befindet sich auf der Insel Muna, die Sulawesi vorgelagert ist. Es ist eine sogenannte Handschablone, ein Handnegativ. Das heißt, jemand hat seine Hand auf die Felswand gelegt und Farbpigmente darauf gesprüht oder gepinselt. Jenes so entstandene Abbild ist überdies nachträglich bearbeitet worden.
So haben wie ein Dokument als Beleg des symbolischen Denkens der Menschen, dessen Alter mittels der Uran-Serien-Datierung auf etwa 67.800 Jahre eingegrenzt werden konnte. Nun sehe ich heute uns, die wir auf verschiedene Weisen der Kunst zugewandt sind, in diesem historischen Bogen aufgestellt, dessen anderen Pol mir Fotograf Mathias Petermann eben folgendermaßen skizziert hat.
Zitat: „Nicht nur dass ich die digitale Architektur immer besser verstehe. Ich hab ein jpeg in ein RAW umgewandelt, um jeden einzelnen Interpolations-Kanal, der für das Demosaicing notwendig sind (insgesamt 8 Kanäle), einzeln manipulieren zu können um so gezielt Moiré ins Bild zu integrieren.“
Petermann befaßt sich mit der „Fotografie nach der Fotografie“ und hier gerade mit zwei Normen für Bilddateien, a) dem Kompressionsalgorithmus JPEG und b) dem Rohdatenformat RAW. (Das Demosaicing betrifft die Rekonstruktion einer farbigen Rastergrafik.)
Ich erwähne das so detailliert, weil dem im Analogen quasi Malerin Martina Brandl gegenübersteht. Sie ist im Herstellen und Verarbeiten von Farbpigmenten sehr versiert, was technisch auf den eingangs erwähnten Beginn der Malerei verweist, also auf den Anfang von Bildtechniken.
Zugleich befaßt sich Brandl seit Jahren mit Formen der Abstraktion, also mit dem Auflösen von konkreten Abbildern, um ganz andere visuelle Codes zu nutzen. Genau das, eigenwillige visuelle Codes, spielt auch in der grafischen Arbeit von Johannes Rubey eine zentrale Rolle. In unserem jüngsten Arbeitsgespräch bekam ich einen wichtigen Hinweis zur Frage, weshalb Menschen Bilder erschaffen.
Wer sich dieser Praxis des symbolischen Denkens widmet, kann dabei in einen speziellen Flow kommen, der einen altered state of consciousness auslöst, einen veränderten Bewusstseinszustand. Wir Menschen haben allerhand Verfahrensweisen entwickelt, um genau das zu erleben, zu erreichen. Das Ritzen, die Malerei und all deren Derivate gehören offenbar dazu.
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