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Ewald Ulrich (links) und Heimo Müller
Ewald Ulrich (links) und Heimo Müller

Cyberspace: Kunst und KI#

(Neigungsgruppe Dark Matter)#

von Martin Krusche

Wir waren bei einer Vernissage („Böhmen liegt am Meer“) übereingekommen, daß wir miteinander eine Reihe von Fragen betreffend Kunst und KI bearbeiten wollen. Techniker Jürgen Kapeller, Mathematiker Heimo Müller und Techniker Ewald Ulrich, allesamt schon etliche Jahre auch mit dem Thema Kunst befaßt, sowie ich als Künstler in dieser „Neigungsgruppe Dark Matter“.

Mitte Juli 2026 war dieses Gespräch absolviert. Ein wesentlicher Punkt dabei die Frage: Was kann der Mensch, was die Maschine nicht kann? Wir waren uns einig: Welterfahrung. Also etwa sinnliche Wahrnehmung. Genau das bedeutet übrigens der Begriff Ästhetik. Altgriechisch: Aisthesis = Wahrnehmung.

Aber wo verläuft da eine spezielle Demarkationslinie zwischen Mensch und Maschine? Schließlich können wir von der Welt auch nur das wahrnehmen, was uns a) unsere Sinnesorgane an Signalen nach innen liefern und dort b) diese Signale gedeutet werden. Die Welt und das, was wir für Realität halten, eine Konstruktion?

Immerhin sind die Daten, mit denen eine KI gefüttert wird, schon Ergebnis, während die Signale, die wir verarbeiten, erst zu Ergebnissen führen. Das macht einen essenziellen Unterschied, über den vermutlich auch geklärt werden kann, was der Menschen Kunstwerke sind und was – im Kontrast dazu – die Werke von Maschinen.

Sind es solche Punkte? Nämlich die Intention zum Kunstwerk, das Sammeln von sinnlichen und intellektuellen Erfahrungen… Erst dann fallen Entscheidungen, welche Werkzeuge zur Umsetzung gewählt werden.

Jürgen Kapeller.
Jürgen Kapeller.

Die Kunst und das Vergessen#

Schließlich kam von den Technikern ein wichtiger Hinweis. Ulrich: „Was darf sterben? Was darf vergessen werden?“ Kapeller: „Ja, die Trennung. Das kann die Maschine nicht. Das ist schwer zu simulieren.“ Müller: „Das versucht man in der Robotik gerade weiterzubringen.“

Bei all dem auch die Betonung, daß vieles von solchen Belangen in einem Jahr, in zwei Jahren, schon völlig anders gelagert sein kann. Kann? Wird! Die Entwicklungen zeigen sich äußerst rasant. Dabei werden von den Systemen unvorstellbare Datenmengen verwertet.

Und die Kunst? Ja, was ist überhaupt die Kunst? Was macht Kunst aus? Wenn ich mich dazu in der Region umhöre, finde ich so gut wie keinen Kunstdiskurs auf der Höhe der Zeit. Wie wollen wir uns aktuellen Technologiefragen zuwenden, wenn wir keine valide Auffassung darlegen können, was wir mit dem Wort Kunst aktuell bezeichnen und was nicht?

Allerhand Klärungsbedarf#

Das ist weit mehr als bloß ein semantisches Problem. Da haben wir über unsere derzeitige Vorstellung von Condito humana zu reden. Wer bei all dem womöglich meint: „Die KI wird die Kunst nie ersetzten!“, hat augenscheinlich keinen Ahnung, wovon da die Rede ist.

Dabei haben wir dann noch gar nicht über die enorme Definitionsmacht gesprochen, die via Internet und KI schon dahergekommen ist. Das meint, es sind momentan weltweit vielleicht vier Konzerne, die einen extrem hohen Einfluß darauf haben, was im Web veröffentlicht wird und was nicht. (Stichwort „Tech Bros“.)

All das vor dem Hintergrund, daß Kapeller betont, die KI sei sehr gewaltbereit, weil sie von höchst aktiven Minoritäten in hoher Dichte dazu benutzt werde, Haß und Gewaltstoffe a) zu verbreiten und b) zu rezipieren. Kapeller erzählte, da konnte einem längst vor KI und ohne auf das Darknet einzugehen, schon schlecht werden, was sich im Internet alles relativ leicht finden ließe.

Wir haben also mit a) Social Media und b) KI eine inzwischen grundlegende Veränderung dessen erlebt, was wir vor dem TCP/IP und all den darauf abgestellten Internet-Diensten als öffentlichen Raum und öffentlichen Diskurs gekannt haben. Ich muß annehmen, damit hat sich nicht nur der öffentliche Ereignis-Raum von Kunst verändert, diese Kräftespiele wirken auch direkt in die Kunstproduktion hinein. (Fortsetzung: Erste Konzentration)



Weiterführend#