ALPINE MUSIC, was kann das sein?#
(Mini Fabula Echo)#
von Sigi LemmererDer Begriff „Volksmusik“ ist problematisch. Weil „Folk Music“ in Amerika Bob Dylan oder Woody Guthrie bedeutet. „Volksmusik“ bedeutet für Deutsche „Wildecker Herzbuben“ mit „Herzilein“.
Will heißen: Der sterische Ziach-Spieler kann mit dem Begriff „Volksmusik“ nicht kommunizieren, was er da überhaupt macht! Er kann zum Amerikaner sagen „I'm playing Alpine Folk Music right now!“.
Nur wenn er sagt „That's Alpine Music!“ ist das in Ordnung, sofern der Amerikaner etwas über jenen geheimnisvollen Gebirgszug in Europa weiß.
Soviel zur Begriffsbildung!
Das Schicksal der ALPINE MUSIC ähnelt auf seltsame Weise jenem der Musik der Afroamerikaner, die lange ein Schattendasein führte und strikt an die ethnische Gruppe der Afroamerikaner gebunden war. Diese Musik wurde auch für lange Zeit nicht sonderlich ernst genommen. Die „Minstrels“ waren weiße Musiker, die ihre Gesichter schwarz schminkten - der Himmel weiß wofür das Ganze gut war!
Erst George Gershwin (von außen) und Duke Ellington (von innen) brachten die ersehnte Änderung durch die Adaptierung der afroamerikanischen Musik für bürgerliche Konzertsäle. Auch die Älpler versuchen ihre Musik, im Sinne der Aufführungspraxis der Kammermusik, weiter zu entwickeln.
Seltsam dabei aber ist, dass sie die Traditionellen Formen (Polka, Landler, Boarischer etc.) mit virtuosen Einlagen würzen, aber die Form selbst unangetastet lassen. Somit steckt ihre Musik im engen Korsett der „Liedform“ (die maximal 3 Minuten lang dauert) fest.
Wenn man klassisch ausgebildeten Musikerinnen und Musikern die alpenländischen Eigenheiten (Phrasierung) genauestens aufschreibt, kann ohne Mühe eine alpine Atmosphäre erzeugt werden. Die Klassik ist dabei kein Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck!
Kru#
die unterhaltungsindustrie hat sich da sehr breit gemacht. bei uns gabs in den 1980ern da interessante ansätze. ist aber drum sehr still geworden. (vielleicht, weil sich etliche folkies nicht auf ö3 hinbügeln lassen wollten.) erstaunlich, dass es auf den inseln so ganz anders lief.Lemmerer#
Der Pixner Herbert ist da gut im Rennen. Der macht wirklich nur das, was ihm taugt! Einmal fragte er mich:„Siegie - du hosch imma so guate Ideen! I brauch a Idee!“
„Herbert, die Lösung liegt in einer Synthese aus Tiroler Blasmusik mit Kamasutra begründet!“
„Sog amol - schpinsch Siegie? Des tuat jo weah!“
Kru#
hehe! das ist eindeutig für fortgeschritteneLemmerer#
Musik ist Evolution. Deshalb gibt es gar nicht einmal „verschiedene Musikrichtungen“, sondern evolutive Entwicklungen innerhalb der Musik. In Wien ist zur Zeit eine Bewegung entstanden, die den Jazz evolutiv in Richtung Zweite Wiener Schule (Schönberg, Berg, Webern) entwickeln möchte. Das Schöne daran ist, dass man somit die Evolution des Jazz NICHT abgeschlossen hat.Die ALPINE MUSIC ist eine Mutation innerhalb der klassisch-symphonischen Musik. Diese Evolution erinnert an jene der Delphine und der Wale, die, als Warmblütler und Säugetiere wieder ins Wasser zurückgekehrt sind (wo sich jene, die sich als Volksmusikanten bezeichnen, immer schon aufgehalten haben).
- Sigi Lemmer
- Mini Fabula: Echo (Übersicht)
