ALPINE MUSIC, was kann das sein?#
(Mini Fabula Echo)#
von Sigi LemmererDie Musiksprache der ALPINE MUSIC und die englische Linguistik im Vergleich: Die musikalische Syntax der traditionellen Alpenmusik ist begrenzt und konzentriert sich auf Dur-Tonarten und einfachen I, IV, V-Kadenzen.
Die Beschränkung der Alpenmusik auf die Liedform (Motiv, Sequenzierung, Motiv, Sequenzierung, Vollschluß) schafft ein sehr enges Formal-Korsett.
Auch die Ausdrucksmittel der englischen Sprache, die aufs Westgermanische zurück gehen sind begrenzt und bieten kaum die Möglichkeit (ganz zum Unterschied zur „Designer-Sprache“ Hochdeutsch) sich unbegrenzt auszudrücken. Die Angelsachsen lösen dieses Problem mit dem Zukauf von Vokabeln aus dem Romanischen.
Ähnlich verhält es sich bei der Komposition der ALPINE MUSIC: Sind die traditionell alpinen Ausdrucksmittel erschöpft (was, trotz aller Schönheit im Ausdruck schneller passieren kann, als man glaubt!) greift man einfach auf das „Vokabular“ der „Klassik“ bzw. auf jenes der „American Music“ zurück!
Das ist vor allem bei der Orchestrierung wichtig, weil es dafür keine alpine Vorbilder gibt, (Es gibt bei den Anglisten einen akademischen Spaß, fehlende Vokabel aus dem Westgermanischen künstlich zu generieren: Weil „Television“ griechisch-lateinischen Ursprungs ist, entwickelte man das, ans Deutsche erinnernde, Wort „Far-Seer“. Dies ist linguistisch durchaus möglich, wenngleich dies nicht in den allgemeinen englischen Sprachgebrauch durchsickern wird!
Auch bei der ALPINE MUSIC wäre solches möglich. Nur würden diese Lösungen von allgemeinen Publikum als „avantgardistisch“ abgetan werden! Deshalb die „englische Lösung“!)
Kru#
das gefällt mir: „englische lösung“. postskriptchen: wir hatten grade eine debatte, da ging es u.a. auch um avantgarde. meine ansicht: niemand ist seiner zeit voraus, da müßte man ja überlichtgeschwindigeit beherrschen. aber! oft sind kunstschaffende auf der höhe der zeit (!) und die gesellschaft hinkt hinterher.Lemmerer#
Ob Charles Darwin die Natur wirklich verstanden hat, wissen wir nicht! Viele seiner marxistisch inspirierten Kritiker stellten fest, dass er die Ökonomie des frühkapitalistischen Systems in die Natur zurückgespiegelt hätte. Aber in den Künsten sind seine Theorien völlig zutreffend! Der „Avantgardist“ ist einfach nur ein Künstler, der auf die Vorgaben der Kulturindustrie (die ja Stückzahlen im Auge hat und keine Inhalte) pfeift und seine eigenen Intentionen - und das, was er der Gesellschaft oder sich selbst zu sagen wünscht, restlos im Auge hat!Die Kränkung der Maler: Ihr Monopol auf die bildliche Darstellung wurde von den Fotographen aufgehoben. Ihr einziger Ausweg lag in der Möglichkeit der innerlichen und subjektiven Darstellung der Aussenwelt. Gleichzeitig musste er zum beinharten Lobbyisten seiner Kunst werden, um nicht in der totalen Nichtbeachtung zu verschwinden!
Die Kränkung der Komponisten: Sein Monopol auf die Aufzeichnung von Musik wurde durch die Tonträger aufgehoben. Musik wurde immer und überall aufrufbar!
Die „avantgardistischen“ Komponisten reagierten mit Atonalität, Zwölftonmusik, serieller Musik und dgl: Sie schufen einen geheimnisvollen Nebel um sich und ihre Arbeit. Im Grunde aber verteidigten sie die vorindustrielle Unikats-Produktion gegenüber der Kulturindustrie und waren somit eigentlich Konservative!
Die Jazzer hingegen waren schlauer: Sie nutzten die Schellackplatte als Multiplikator. Ob ein Rock'n'Roller ein Musiker im eigentlichen Sinne ist, wissen wir nicht. Er könnte ebenso ein musizierender Schauspieler, oder ein Entrepreneur im Sinne der eigenen Person sein! John Lennon war zwischendurch sogar ein richtiggehender Polit-Aktivist!
Die Kränkung der Journalisten und Schriftsteller durch die KI: Der Journalist wird à la longue verschwinden - da helfen ihm die besten priesterlichen Attitüden nichts!
Der, der aber (wie schon beim Lagerfeuer in der Steinzeit) Geschichten zu erzählen weiß (ob mit dem analogen Buch oder online), wird überleben - so wie der Sex.
Kru#
ah, sehr schön. das thema muss vertieft werden.Lemmerer#
Denk' ich auch! Wir müssen jene Leute, „die uns gemacht“ haben, genauso hinterfragen, wie all jene, die uns bekämpft haben! Dann sind wir frei!Kru#
SEHR interessanter gedanke!- Sigi Lemmerer im Austria-Forum
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