Mein kleines privates Finanzamt#
(Mini Fabula Echo: Dramolett für zwei Personen)#
von Jürgen KapellerBürgermeister „Scheen, doss jetz do bist. I frei mi fir di. Echt! Miass ma amoi feian, bei Gelegenheit mit an Bier. Oba nit goa bold, weil sunst redn’t Leit wida bled umeinand, doss die Partei wos g’schobn hätt, oda so. Waast es eh!“
Finanzamtsleiter „I donk scheen. Waast eh, is nur die holbe Maut. Des Omt, i sogs da, is sowos von vaseicht. Lauta übaeifrige Rotaugn. Des geht so anfoch ned. Mia von da Wirtschaftspartei homm imma g’sogt, die Betriebe, de brauchn mehr Luft. Wia solln des funktioniern, wonn a jede klane Hintaziehung glei aufklatscht werd? Wer solln do no Gewinne schreibn? De deppate Vafolgungspraxis muass i obstölln, sunst ruaft olle Stund wer on. Des werd a hoate Hockn, des sog i da! Oba z’schnöll derfs a ned sein, weil sunst mosat de Gewerkschoft oda irgenda Journalist mant, er braucht a Schlogzöln.“
Bürgermeister „Wos wüllst tuan? Mit de Leit, de jetz durt umeinandahängen, werst da schwah tuan. Du brauchst frisches Blut. I wissat do wen. I man, des miasset jetz scho drin sein, fir olls wos wir fir di toan hom.“
Finanzamtsleiter „Na eh supa, danke! Oba so g’schwind werd des nix. So schnöll kriag i do kan los. Wast eh, in an Omt brauchst holt a a bissl Geduld. Zwa von derane Obteilungsleita gehen eh in die nexnt zwa Johr in Pension. Donn konn i wos mochn. Dawöil konn i nur so follweis eingreifn, Weisungen und so. Mehr geht no ned. Oba i bin dron. Des wird schon hinhaun, werst segn.“
Bürgermeister „Heast, jetz sei a bissl kreativa! Meine Spezi hom ned ewig Zeit! Wonns noch dir gangat, sans scho vurher pensioniert! De oltn Bremsa in dein Omterl kennen jo ned so a Problem sein. So perfekt san de a ned, dos ma ned irgendwo wos find fir a klans Disziplinar, wast eh. Und wonnst des ned üba’s Herz bringst, Stichwort Vasetzung! Geschäftsbereich ohne operative Aufgobn. Null Orbeit bei vollm Geholt passt an jedn, des gib i da schriftlich. Oda notfolls a freistölln bei volln Bezügn. Goldn Hendscheck, wast! So a Korridor.G’schicht, oda wos ihr do holt so hobts.“
Finanzamtsleiter „Vasetzn is elegant, oba des wüll holt a ned jeda. Do san a poar Überzeugungstäta am Werk, wast! Oba ka Surg, i kriag des scho hin, wonn du sogst, es pressiert. I hob nua ned damit g’rechnet, dos es schnöll gehen muass. Hot ma kana g’sogt.“
Bürgermeister „I sogs da jetz eh! Weil … weil do is no wos, wos recht dringend waret.“
Finanzamtsleiter „Heast, du deckst mi do ein mit deine G’schichtn. Wos brauchst no olls?“
Bürgermeister „Na, is ned fir mi, is fir a bedeutende Person, wia ma so sogt.“
Finanzamtsleiter „Uii, des is imma haglich! Muass wer zrucktretn, oda so, doss ma an Postn brauchn?“
Bürgermeister „Na, na, ka Surg! Es is ana, der is unta’m Radar von da Presse. Des bleibt oba unta uns, göll? Es is da Sigi. Wast eh, wichtiga Investor, beste Kontakte in die holbe Wölt, vor ollm in‘d Osten. Supa Beziehungen in die Politik, durt. Hot schon fünf oda sechs östareichischn Firmen Tür und Tor geöffnet. Wast, wia i man? Er miassat ongeblich an zwastellign Millionenbetrog Steia nochzohln und er mant, dos des ned passt, dafir, wos er olls g’mocht hot fir unsa Lond.“
Finanzamtsleiter „Da Sigi? Der auf‘blosene Ostspion?“
Bürgermeister „Jo, wiss ma eh, oba es kummt von gonz obn, doss ma wos mochn solln.“
Finanzamtsleiter „Na servas! Gern tua i des ned, des sog i da schon. Fir die Partei, ka Problem, oba fir an Milliardär und Spion? Oba es geht nur üba die üblichn Fristn. Er muass zeast sein urntlichn Wohnsitz do im Zuständigkeitsbereich von mein Omt hobn, donn dauat’s sechs Monat, bis des olte Finanzomt die Aktn übastöllt und donn muas a a Onsuachn einbringen und donn schau ma holt.“
Bürgermeister „Kumm, des muass do schnölla gehn.“
Finanzamtsleiter „I konn do ned vül tuan. Ums olte Finanzomt miassts ihr eich kümman. I konn nua a Omtshülfeonsuachn hinschickn, wenn a do is. Des sollt donn holt bevorzugt behondlt wean. Do muass da Druck donn von woondas kumman.“
Bürgermeister „Vasteh! Des losst si mochn. I konn olso weitagebn, doss des Onliegn vom Sigi do bei uns wohlwollend behondlt werd?“
Finanzamtsleiter „Jo, konnst. Oba jetz sollt a Zeitl ruah sein mit de Sondawünsche. Es schaut a bissl bled aus, wonn a anziges Finanzomt plötzlich fir lauta Reiche zuaständig is, de ned so vül Steia zohln wolln.“
Bürgermeister „So vül von der Surtn homma eh ned. Den Rene vielleicht no, oba der hot des schon andas trixt.“
Finanzamtsleiter „Passt. Woll i nua g’sogt hobn. Des soll bitt’schen ned übahond nehmen. … Guat. … Und bei dir? Passt olls?“
Bürgermeister „Jo, jo, Vül Orbeit holt.“
Finanzamtsleiter „I hob g’hert, du host wida irgendan Knatsch mit dem Geburtshaus.“
Bürgermeister „Jo, oba holb so wüld. Des Übliche holt. Die an wollns obreißn, die ondan wolln a Museum und die drittn tätn gern a Mahnmal hinstölln. Wast, i reg mi üba des gor nimma auf. Sunst miassat i mi jedn Tog fünf mol ärgan.“
Finanzamtsleiter „So a richtig scheenes Museum mit ollem drum und dron waret schon klass. So mit Springastiefl, Stohlhölm, a poar Fahnen, seine erstn Bülda, a poar Pläne und Modelle und so. Wast, an echten Geschichtslehrpfad oda sowos. So ‚wieder das Vergessen‘, oda wia ma dazu sogt. No an Wirtn dazua mit Eiernockerln, g‘füllte Taubn und Lebaknedl. Donn hätt ma wenigstns a bissl Tourismus.“
Bürgermeister „Jo, eh, oba des dirf ma holt ned. Des gabat an Aufschrei. Ondarerseits, so scheen is des a wieda ned, wonn den gonzn Tog Glotzate im Ledag’wandl do umanondrennen.“
Finanzamtsleiter „No jo. Bei de Weiba g’follts ma ned so, oba sunst … Auf olle Fölle bessa, ols de Okö-Wixa mit eanene Herrgottsschlapfn."
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