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(Jürgen Kapeller by KI)
(Jürgen Kapeller by KI)

Ästhetik aus der Maschine#

(Künstliche Intelligenz und Geschmacksfragen)#

von Jürgen Kapeller

Es fällt auf, daß uns viele KI-generierte Bilder stilistisch etwas zeigen, was allgemein unter Kitsch verstanden wird. Die KI ist gewissermaßen ein wenig populistisch. Aus guten Gründen. Dazu ein paar Bemerkungen.
  • Ich denke es ist ein sehr unvollständiges Bild, irgendetwas, sei es nun eine KI oder eine Person, anhand eines einzigen Outputs zu beurteilen.
  • Wenn man sich vor Augen führt, nach welchen Vorgehensweisen eine KI Outputs generiert, ist der Hang zum Kitsch/Klischee nicht verwunderlich. Eine KI greift sozusagen ins Volle. Sie bedient sich an dem, was Menschen im Durchschnitt von sich geben, produzieren, fotografieren, malen, singen, texten. Daraus baut sie gewichtete Assoziationen die nach Wahrscheinlichkeiten bzw. Häufigkeiten und Verbindungsstärken sortiert werden um anschließend wieder mit real verfügbaren Trainingsdaten verglichen zu werden. Es ist also etwas, was eine Mehrheit der Menschen repräsentiert
  • Damit ist die KI aber für jedes künstlerische Elaborat der ungeschminkte Durchschnittsbetrachter. Es mag für einige Kunstschaffende befremdlich sein, sich einem ausgedrückten, wahrheitsgetreuen Durchschnittsgeschmack ausgesetzt zu sehen, aber letztlich ist es das ehrlichste Feedback, das man bekommen kann. Noch dazu ohne ideologische, politische, persönliche oder kulturelle (stimmt nicht ganz) Offsets. Das Ergebnis ist weitgehend deemotionalisiert und überwiegend faktisch, auch wenn es selbst wiederum Emotionen erzeugt (siehe die Klassifizierung als Kitsch). Warum ist das so? In der Durchschnittsbildung heben sich die emotionalen Pole gegenseitig auf (allerdings neigen heutige KIs zu leichter Schönfärberei). Auch das mag für Kunstschaffende fallweise befremdlich sein – die beabsichtigte emotionale Wirkung bleibt außen vor, wird ignoriert.
  • Man kann das Ergebnis einer KI selbstverständlich trimmen. Ich könnte beispielsweise prompten. „Nimm diesen Text, arbeite dies oder jenes heraus und generiere daraus ein Bild/Video/Text mit stark avantgardistischer Note im Stile der Pop-Art.“ Sie wird etwas erstaunlich Treffendes liefern, das sich von Kitsch deutlich unterscheidet. Ich persönlich finde das weniger spannend, denn für mich ist die Begegnung mit dem „Gewöhnlichen“ eine interessante Perspektive. Mich interessiert es weniger, in einem Zirkel selbstreferenzieller, geheuchelter Anerkennung elitärer, immer gleicher Autoexperten Punkte zu sammeln. Die KI wird nur schmeicheln oder ruppig werden, wenn ich sie dazu auffordere und genau das unterlasse ich. Ich beantworte lieber die Frage „Welche Banalität ist die gemeinsame Verständigungsbasis mit der Mehrheit der Betrachter?“ Das genau liefert mir eine unbiased KI. Ich behaupte nicht, dass dies ein höchst anspruchsvoller Vorgang sei, aber es gibt verblüffende und meist sehr interessante Aussagen dadurch.
  • Kitsch ist etwas sehr Vages. Wikipedia sagt dazu: „Kunstprodukt, das in Inhalt und Form als geschmacklos und meist als sentimental empfunden wird. Kitsch steht heute überwiegend für alles, was als übertrieben rührselig, anbiedernd oder niedlich empfunden wird, oder auch für Dinge, die oberflächlich „schick“ und praktisch wirken, aber letztendlich völlig überflüssig sind.“ Wie wir wissen, sind Empfindungen sehr unterschiedlich, womit klar sein sollte, dass Kitsch eine sehr individuelle Zuordnung ist. Ich beispielsweise habe die gesamte Pop-Art als weitgehend kitschig empfunden. Auch Banksy hat etwas Kitschiges für mich. Unbestritten bleibt, dass Kitsch ein Kunstprodukt ist. Es gibt ja auch einige Künstler:innen, die ganz gezielt Kitsch erschaffen. Wenn Kitsch also eine Kunstrichtung ist, kommt ihr genauso viel Berechtigung zu, wie jeder anderen Stilrichtung. Man würde ja auch nicht über expressionistische Werke oder Künstler herablassend die Nase rümpfen.