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Lauter alte Athleten da draußen; mich ausgenommen.
Lauter alte Athleten da draußen; mich ausgenommen.

Flocke: Alter Mann XIV#

(Nicht ohne Pause!)#

von Martin Krusche

Ich nutze gerne die Gelegenheit, mich mit alten Männern darüber zu unterhalten, was es bedeutet und verlangt, ein alter Mann zu sein, denn ich bin ein alter Mann. Ich weiß schon, es gilt als unschicklich, das so zu betonen.

Man bietet mir im Gegenzug sehr doofe Euphemismen an, die von Senior bis Silberrücken reichen. Dieses Thema ist auf unsinnige Art von Klischees und ideologischen Versatzstücken umstellt, ist oft auch maskiert.

Das Ärgernis daran: Falls ich etwas sein möchte, was ich nicht bin, vice versa etwas nicht sein möchte, was ich bin, läuft das unweigerlich auf Konflikte hinaus. Mindestens mit mir selbst, meist auch mit anderen.

Mit Maler Heinz Payer ist ein Erörtern solcher Zusammenhänge mühelos. Er hat in der Sache ein paar Jahre Vorsprung. Bei seiner Berufstätigkeit als Psychologe durfte er gelegentlich schrullige Posen erleben, wo Leute mit ihrem aktuellen Zustand im Unreinen blieben.

Beim ersten Sondieren von Arbeiten für eine kommende Ausstellung war auch Künstlerin Erika Hütter mit auf dem Set. Sie sagte zu diesen Schrullen: „Männer reden nicht.“ Payer stimmte ihr zu. Ich kann es auch bestätigen,

Vermeidungen und Strategien#

Wir sind mit der Ausstellung „Böhmen liegt am Meer“ Gäste eines Ärzteehepaares, Georg Kurtz ist mein Vertrauensarzt. Dazu paßt die kleine Szene vor dem eingangs angedeuteten Gespräch, als ich zu Georg grinsend sagte: „Weißt du eine Strategie für Männer, die einen Arztbesuch vor sich herschieben?”

„Du redest jetzt eh schon länger davon”, erwiderte er und ich nickte. Seine Antwort: „Heiraten. Die Frauen schicken mir die Männer dann schon ausreichend energisch.” Malerin Monika Lafer stand neben uns, sagte unüberhörbar: „Das stimmt!” Ich so: „Gibt es einen Plan B?”

Heinz Payer bei Ausstellungsvorbereitungen.
Heinz Payer bei Ausstellungsvorbereitungen.

Ich weiß jetzt nimmer, wer dann noch anfügte: „Frauen leben ja auch statistisch gesehen länger als Männer.” Dazu sehe ich im Moment keinen weiteren Klärunsgbedarf. In einer vorherrschenden Männerkultur wächst einer wie ich mit einem Faible für dieses spezielle Gefühl heran: „Ich halte alles aus, bin womöglich unzerstörbar”. Das ist natürlich ein Stück Privatmythologie. Wem dann um die 50 noch nicht gedämmert hat, daß sowas keiner Überprüfung standhält, darf mit ein paar mehr oder weniger harten Lektionen rechnen.

Adaptionsphasen#

Ich bin mittlerweile im Stadium der wachsenden Akzeptanz, daß ich einen ganzen Tag an Ereignissen ohne Pause nicht einfach so durchziehen kann. Ich brauch dazwischen eine Ruhephase und wie sich zeigt, ist tagsüber ein Schläfchen von ein bis eineinhalb Stunden vermutlich längst Standardbedarf, wenn es gut laufen soll.

Ignoriere ich das, fährt mein Körper in der zweiten Tageshälfte die Betriebstauglichkeit um etliche Prozent runter. (Ich fürchte, das ergibt ein zweistelliges Prozent-Minus.) Freilich bin ich der einzige Siebzigjährige weit und breit, dem es so geht, denn alle anderen alten Männer -Heinz ausgenommen - machen mir den Eindruck, als wüßten sie gar nicht, wovon ich rede.