Florianiplatz: Zack! Weg.#
(Wo ist der Heilige?)#
von Martin KruscheAls hätte er die Leiter benutzt, um vom Sockel zu steigen und abzuhauen, bis die Unruhe der Bauarbeiten verebbt. Der Florian von Lorch war ein pensionierter Kanzleivorstand. Sein Herkunftsort gehört zum heutigen Enns nahe Linz.
Seinen Lebensabend verbrachte der Beamte in Aelium Cetium, dem heutigen St. Pölten. Florian war einige Zeit Verwaltungs-Chef in der römischen Provinz Ufer Noricum gewesen.
Dieses „Noricum ripense“ bestand Teil der ursprünglichen Provinz Noricum nach deren Teilung im Rahmen der diokletianischen Reichsreformen. Kaiser Diokletian versuchte mit Akten der Christenverfolgung politische Unwägbarkeiten zu regulieren.
Florian stellte sich als Christ offen gegen diese Bemühungen. Es heißt, man habe ihn sehr ausführlich gefoltert, bevor er – mit einem Stein beschwert – in die Enns geworfen wurde.
Als Schutzpatron hat Florian ein kontrastreiches Klientel, darunter Bäcker, Bierbrauer, Rauchfangkehrer und Seifensieder, vor allem aber die prominenteste Zuständigkeit: unsere Feuerwehr. Daraus mag man ableiten, daß dieser zentrale Platz vor dem Rathaus ihm sehr passend gewidmet ist. Einstmals leitende Kraft der Verwaltung, politisch der Menschenwürde verpflichtet, als Schutzpatron mit einer Reihe von Zuständigkeiten bedacht, die ein städtisches Blühen fördern. Nun darf man gespannt sein, wo die Säule nach der Umgestaltung des Platzes wieder auftauchen wird.




