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Florianiplatz: Mein Vorgarten#

(September/Oktober 2026)#

von Martin Krusche

Man könnte sagen, dies ist mein Vorgarten: dieser Teil des Florianiplatzes. (Ich betone den Teil, wer der Platz formal erst links hinterm Rathaus endet.) Der Garten wird freilich erst gebaut. Augenblicklich, im Oktober 2026, fehlen noch die Flächen dafür. Die Fundamente werden eben gegossen.

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Gleisdorfs Zentrum hat ein markantes Ensemble an Plätzen, wovon freilich nur der Hauptplatz als Platz erlebbar ist. Der Rest sind heute gewissermaßen Verwaltungs-Plätze, also bloß per Definition Plätze. Dabei wird wenigstens der Florianiplatz, mein Vorgarten, ein etwas größeres Blumenbeet erhalten.

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Ah ja, stimmt! der Rathausplatz hat einen Baum und etwas Buschwerk. Der Rest sind Verkehrsflächen. Der Sparkassenplatz ist noch nicht einmal im Ansatz ein Platz. Diese semantischen Kuriositäten illustrieren, daß so allerhand in Gleisdorf mit Begriffen belegt wurde, die ein wenig in die Irre führen.

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Aber womöglich ist das von mir etwas kleingeistig gedacht. Man muß sich doch nicht immer gleich festlegen. Außerdem sind Gesellschaft und Kultur von einem steten Wandel bestimmt. Und überhaupt! Künstler. Das kennt man ja.

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Die haben meist recht eigensinnige Vorstellungen, widersprechen auch ganz gerne dem politischen Personal, und wenn man den vaterländischen Gemeinderäten Gleisdorfs glauben soll, tschächern sie auf Staatskosten Wein, statt sich irgendwie nützlich zu machen.

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Das Lustige an solchen provinziellen Legenden: Staatliche Gelder werden ja von politischem Personal vergeben und von staatlicher Verwaltung wird deren Verwendung geprüft. Falls da Malversationen vorkämen, müßte man das erst einmal in den eigenen Reihen untersuchen und ahnden.

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Aber ich schweife ab. Mein Interesse gilt ja unter anderem den Veränderungsprozessen der Stadt in ihrer gebauten Substanz. Das fasziniert mich allemal. Wenn eine Gesellschaft sich verändert, was ja andauend geschieht, drückt sich das auch in ihrem Stadtbild aus.

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Von offizieller Seite her lese ich dann gelegentlich so rührende Botschaften wie „Wir lieben unser Gleisdorf!“, was nach einer tiefen Emotion klingt, auch wenn ich nicht ganz nachvollziehen kann, welches „Wir“ da spricht und wie ein Stadt kollektiv „geliebt“ wird. Mein Verdacht lautet, solche Sätzlein sind Surrogate, um sich eine genauere Auseinandersetzung mit dem Städtischen zu ersparen.

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Egal, ich werde anderen Leuten nicht zurufen, was sie tun sollen. Ich erzähle Ihnen stattdessen von meinem Vorgarten, denn ich wohne seit Jahrzehnten am Florianiplatz. Und ich zeigen Ihnen Motive einer prozeßhaften Erzählung, denn obwohl ich seit einem halben Jahrhundert als Künstler lebe, fehlt mir die Neigung, auf Staatskosten Wein zu tschächern. Ich mach lieber solche Sachen. (Die Fotos stammen aus dem Zeitraum vom 18.9. bis 17.10.2026. Die Quelle der karte: © GIS-Steiermark.)



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