Kanzlei: Contenance#
(Man geht doch gegen dichtende Kolleginnen und Kollegen nicht allzu energisch vor!)#
Field Agent Salvatore Kafka fand diesen Text auf einem Butterbrotpapier, das in einem Internet-Café liegengeblieben war, was die Annahme nahelegt, daß der Urheber sich auf Lyrikseiten umgetan hat. Kafka sah sich den Browser-Verlauf der Station an und kam zum Schluß, daß diese Web-Histo und die Handschrift auf dem Papier - zusammengenommen - sehr deutlich auf Jack Nest hinweisen.
reime rattern ruhelos
wenn sie niemand bremsen will
denn sie sind, wie sag ichs bloß?
schließlich ein verlockend spiel
dichten heißt mitnichten
daß man hohe ziele hat
es sich gut zu richten
und der ambitionen statt
fette intentionen
pflegen daß es scheppert
posen die sich lohnen
bist du deppert!
alles volk
soll mich bemerken
und mein
selbstbewußtsein stärken
scheiß auf endreim
pfeif auf rhytmus
ich will nicht
der dichter pflicht
auf die strengen formen wahren
interludium
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sollte ich mir das reimen völlig abgewöhnen? ist ist eigentlich eher hinderlich. (Wozu wurde die kategorie prosagedicht erdacht?)schlußakt#
wenn ich auch kaumetwas zu denken weiß
ich sags
wer heutzutag gedichte schreibt
der soll sich doch nicht plagen
wer sich an solcher lyrik reibt
hat vielleicht nichts zu sagen
(ach! schon wieder reime. das wolle ich nicht!)
doch selbst die schwächste poesie
hat einen kleinen nutzen
ein kritiker kann mühelos
zu solchem stoff
vom leder ziehen
wird so die eigne brühe los
es schwillt der kamm
es schwillt die brust
wer hätte dazu keine lust?
jetzt aber schluß! das ist so ein tag, an dem ich die reimerei einfach nicht los werde. ich hol mir nun ein gläschen trinkalkohol und denk über einfachere dinge nach.
