Wie verschiedene Ethnien#
(Konferenz in Permanenz)#
von Martin KruscheBei unserer 28/04/26-Session sagte Bürgermeister Christoph Stark unmißverständlich, er sei an den Erwartungen der Bevölkerung interessiert. Eine legitime Position, bei der klar sein muß, daß ein Genre wie die Gegenwartskunst nicht an oberster Stelle der Prioritätenliste steht.
Stark: „Wir haben uns derzeit auf die Eventkultur konzentriert. Zeiten werden sich ändern. Dann werden auch wieder andere Prioritäten möglich sein.“ Kulturreferent Karl Bauer meinte: „Wie tragfähig ist das System der Gemeinde, um etwas voranzubringen?“
Das ist wohl aktuell zu klären und komplementär zu privatem Engagement anzuordnen. Denn eben erfuhren wir, was also im Gemeinderat derzeit verhandelbar und durchsetzbar ist. Vize Katharina Schellnegger brachte außerdem die interessante Sora-Studie von 2023 zur Sprache: „Kulturelle Beteiligung in Österreich“ (Besuch von Kulturveranstaltungen, Kultureinrichtungen und -stätten). Darauf werde ich später noch im Detail eingehen.
Man müßte ein Agent der Blödheit sein, wollte man ignorieren, nach welchen Kriterien im Rathaus aktuell kulturpolitische Entscheidungen fallen. Zurufe, die an diesen Kriterien vorbeifliegen, werden zwangsläufig ins Leere gehen.
Es liegt übrigens im Wesen einer repräsentativen Demokratie, daß verantwortliche Gremien meist nicht spontan auf Zurufe von außen reagieren, was ja auch bedeutet: Wer im Rathaus gerne eine andere Situation hätte, müßte sich beizeiten politisch engagiert und konkret eingebracht haben. Nun hat meiner Ansicht nach ein neuer/nächster Abschnitt begonnen. Ich würde dabei allen mißtrauen, die jetzt flott mit Heilsversprechen anrücken. Von der Voodoo-Fraktion höre ich ja so allerhand quasi-religiöse Kulturversprechen. Solchen Posen traue ich nicht.
Wie zwei Ethnien#
Ich bin für eine formelle politische Funktion mit entsprechendem Mandat ungeeignet. Daher sitze ich den Funktionstragenden gegenüber. Bei unserer 28/04/26-Session fand ich die Sitzordnung günstig, weil damit anschaulich wurde, daß da zwei grundverschiedene Milieus zusammengekommen waren. Wer nun meint, man könne einander etwas zurufen, ohne sich vorher über die verschiedenen Codes, Wortbedeutungen und Aufgabenstellungen zu verständigen, vergeudet die Zeit aller Beteiligten.Welche Intentionen herrschen vor? Mit welchen Mitteln ist deren Umsetzung ausgestattet? Welches Ethos ist da wie dort wirksam? Gibt es dafür eine wechselseitige Akzeptanz? Welche Pflichten werden auf dieser wie auf jener Seite als vorrangig angesehen?
Wir waren bei unserem Treffen aus drei Lagern zusammengekommen: zivilgesellschaftliche Kulturleute, unternehmerisch erfahrene Kräfte und Funktionstragende der Regionalpolitik. Um eine populäre Metapher zu strapazieren: Bring einen Fisch, einen Vogel und ein Zebra an den Start eines 100-Meter-Laufs. So klappt das nicht.
Konnte ich deutlich machen, worum es mir geht? Fisch, Vogel und Zebra werden sich vorzugsweise erst einmal über die Bedeutung ihrer Begriffe verständigen, ihre jeweils gewünschten Ziele darlegen, um dann herausfinden zu können, ob sie in all dem a) Schnittpunkte haben, über die b) eine Kooperation interessant und möglich wäre.
Ich sehe keine Chance, diese Verständigungsarbeit durch simple Slogans und markante Protestschritte zu ersetzen. Mir fehlt noch einiges an zu leistender Verständigungs- und Konzeptarbeit. Kann ja kommen. Sollte uns gelingen.
- Konferenz in Permanenz: 28/04/26 (Startseite)

