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Berhard Weber
Berhard Weber

Unaufgeregte Genauigkeit#

(Konferenz in Permanenz)#

von Martin Krusche & Berhard Weber

Spätestens seit dem zweiten Corona-Lockdown mußte klar sein, daß unser Metier Budgetkürzungen und Strukturbelastungen unterworfen werden wird. Das kam dann im Kulturbereich, im Sozialbereich, jüngst erhielt die universitäre Welt Nachrichten: Zukünftig womöglich nur noch 15,5 Milliarden staatliche Mittel anstatt der 16,5 Milliarden Euro der aktuellen Periode.

Auch die Wirtschaft läßt uns wissen, daß so mancher Hut brennt. Keiner unserer Arbeitsbereiche zu Kunst, Kultur und Bildung ist davon verschont. Wem müßte ich das noch mitteilen?

Teil #1: Krusche#

Zur Sache kommen#

Wir erleben selbstverständlich erhebliche Problemlagen, die unsere Perspektiven belasten. In meinem Umfeld hat sich zu all dem eine neue Art von „Radical Chic“ entfaltet. Über Protestveranstaltungen und Zeitungsberichte erreichen mich verbale Kraftlackeleien, rebellische Posen, die ich dem Genre „verkünden statt begründen“ zurechne.

Da werden gelegentlich auch Dinge behauptet, die sich nicht bis kaum verifizieren lassen. Ich wünschte mir stattdessen einen sachlich fundierten Fachdiskurs, der stichhaltige Argumente liefert, weil er sich auf valide Befunde stützt. Ich bevorzuge dabei einen unaufgeregten Tonfall.

Es scheint mir müßig, das predigen zu wollen. Aber ich kann wenigstens zeigen, was ich meine. Etwa am Beispiel des folgenden Statements von Bernhard Weber (Geschäftsführer des Unicorn Start-up & Innovation Hub), der dabei ohne jegliche Polemik und ohne Alarmismus auskommt. Das Land geht nicht unter, aber wir befinden uns in einer umfassenden Zeitenwende, stehen vor einigen sehr anspruchsvollen Aufgaben.

Teil #2: Weber#

Baustelle Budget & Zukunftspolitik?#

Gestern wurde eine bemerkenswerte Diskussion über die zukünftigen Universitätsbudgets gestartet. Bemerkenswert in vielerlei Hinsicht.

Nicht bemerkenswert, sondern klar ist: Österreich hat ein sehr großes, seit Langem angewachsenes Budgetproblem. Die Staatsfinanzen müssen ernsthaft und konsequent saniert werden.

Bemerkenswert ist aber, dass offenbar eines der ersten klar erkennbaren großen Einsparziele der Bundesregierung ausgerechnet das Budget der österreichischen Universitäten ist.

Im Raum steht, dass für die kommende Leistungsvereinbarungsperiode nicht der von den Universitäten berechnete Finanzierungsbedarf von rund 18 Milliarden Euro berücksichtigt wird, sondern nur etwa 15,5 Milliarden Euro. Für die steirischen Universitäten würde das nach Darstellung der Rektorate ein Minus von rund 500 Millionen Euro bedeuten.

Das klingt zunächst nach Budgetpolitik. Tatsächlich geht es aber um deutlich mehr.

Denn Universitäten sind keine reinen Kostenstellen. Sie sind zentrale Infrastruktur für die Ausbildung dringend benötigter Fachkräfte, für exzellente Forschung, für technologische Entwicklung, für medizinischen Fortschritt, für kulturelle Entwicklung und natürlich auch für internationale Talente, Spin-offs und neue Unternehmen.

Es geht damit um langfristige Wettbewerbsfähigkeit.

Es gibt zahlreiche Studien zur positiven Wirkung von Universitäten als zentrale Knotenpunkte wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Entwicklung von Standorten. Gerade in der Steiermark sieht man sehr klar, welche Rolle starke Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Innovationsakteure für die Entwicklung eines Standortes spielen können.

Klar ist auch: Europa steht in der weltweiten wirtschaftlichen und geopolitischen Auseinandersetzung enorm unter Druck. In diesem Standortwettbewerb werden wir nur durch Innovation, Forschung, Bildung und technologische Kompetenz bestehen können. Umso mehr angesichts der sehr offensiven Wachstumsstrategien im Bereich der Universitäten und Forschung in China, Indien oder Singapur.

Natürlich gibt es in großen Organisationen wie Universitäten immer Möglichkeiten für Effizienzgewinne und Optimierungen. Aus meiner persönlichen Wahrnehmung wird auch laufend daran gearbeitet, diese zu heben. Das ist auch klare Aufgabe der Universitäten.

Klar ist für mich aber auch: Wenn Effizienzen gewonnen werden, sollten diese Mittel nicht einfach aus dem System abgezogen werden. Sie sollten in wertschöpfende Aktivitäten an Universitäten umgewidmet werden – in Forschung, Transfer, Lehre, Kooperationen und Innovation.

Österreich diskutiert seit Jahren darüber, wie wir mehr Innovation, mehr Gründungen, mehr technologische Souveränität und mehr internationale Wettbewerbsfähigkeit schaffen können.

Diese Ziele erreicht man nicht, indem man die Grundlage dafür schwächt.

Universitäten erzeugen Wirkung weit über ihre Hörsäle und Labore hinaus. Sie sind Partner der Wirtschaft, Motor regionaler Entwicklung und Ausgangspunkt vieler jener Ideen, Technologien und Unternehmen, von denen unser Wohlstand in Zukunft abhängen wird.

Es gibt übrigens zahlreich Aussagen der Regierungsparteien aus den letzten Monaten / Jahren, die allesamt in Richtung Stärkung des Universitäts- und Forschungssektors gehen. Ich hoffe das waren keine Sonntagsreden.

Was mir in der gesamten Diskussion übrigens fehlt, sind mutige Schritte in Richtung echter Strukturreformen: im Föderalismus, im Pensionssystem, im Gesundheitssystem, in der Verwaltung und in der Frage, wie der Staat insgesamt wirksamer werden kann. Eine Ansammlung kleiner Entbürokratisierungsmaßnahmen in der Verwaltung ist natürlich Sinnvoll. Aber sie ist noch keine Reform. Deshalb ist diese Debatte mehr als eine Budgetfrage.

Sie ist eine Standortfrage.

Und sie ist eine Richtungsentscheidung:
Wo und wie soll Österreich in Zukunft Wertschöpfung erzeugen?
Wissenschaft ist keine Ausgabe.
Universitäten sind Infrastruktur für die Zukunft.