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Konferenz in Permanenz: Zentrum und Region#

(Wie sieht unsere Landkarte der Bedeutungen aus?)#

von Martin Krusche

Ein paar grundsätzliche Überlegungen, die mir wichtig erscheinen, damit die „Konferenz in Permanenz“ sich weiter als relevanter Modus entwickeln kann, um Ergebnisse zu bringen, die ich nicht bekomme, wenn ich etwas begrifflich als „Diskussion“ verkleide, wo es bloß eine Mischung aus Sprechstunde und Schlagabtausch ist.
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Ich muß diesmal bei der Dokumentation sehr konzentriert sein, denn wir erlebten eine überaus komplexe Gesprächssituation. Für mich hatte sich dieser Eindruck, den mir schon die erste Konferenz im letzten April geboten hatte, noch vertieft: Hier die primären Kräfte aus der Kunst, dort die politischen Mandatare, auch die Wirtschaft mit uns am Tisch. Das bedeutet im übertragenen Sinn: drei verschiedene Ethnien.

Was damit gemeint ist? Die jeweilige Praxis bringt klare Unterschiede hervor. Unterschiede in den Erfahrungen, in der Bedeutung der Begriffe, in den Codes, Verfahrensweisen, in der Etikette, folglich auch in den Strategie. Das ist nichts, was anzufechten wäre. So sind Gesellschaften geprägt. Anders gesagt, das ist der Normalzustand.

Praxis des Kontrastes#

Das legt eine Praxis des Kontrastes nahe. Dazu ist Antwortvielfalt unerläßlich. Deshalb muß auch Dissens akzeptiert werden, sonst entsteht keine Klarheit. Widersprüche sind nicht dazu da, sie eliminieren zu wollen. Sie helfen uns, einander zu erkennen. Das war mir für diese Folgekonferenz wichtig und wurde von der Runde akzeptiert.

Allein dieser Wunsch, einander zu erkennen, ist eine unverzichtbare Basis jeder tauglichen Kooperation, ist soziokulturelle Arbeit. Man kann sie nicht leisten und zugleich schon kulturpolitische Arbeitsergebnisse generieren. Wer das vorgibt, wäre auf einem Jahrmarkt besser aufgehoben, um dort die Arbeit eines Marktschreiers zu erledigen.

Das, und ich erzähle keinen Witz, ist sozialgeschichtlich übrigens der Ursprung der Werbebranche. Kultursoziologe Andreas Reckwitz beschrieb diese Genese mit den dubiosen Wurzeln jenes Geschäftszweiges – Werbung - auf den öffentlichen Märkten der amerikanischen Provinz, gut 200 Jahre zurückliegend.

Big Picture#

Wir waren uns einig, dies ist eine Zeitenwende mit Veränderungsschüben, von denen alle Lebensbereiche bewegt werden. Wir waren uns auch bezüglich unseres Lebensstandards einig: Wer das, was wir haben, nicht als genug empfindet, hat ein Problem, denn mehr kann es nicht werden.

Und was vor allem Bürgermeister Robert Schmierdorfer erneut betonte: Die Politik dürfe keine Versprechungen machen, den Menschen alle Probleme abzunehmen, sie zu lösen. Wir sollten bereden, wofür nach unserer Auffassung Menschen selbst zuständig seien. Das ist sehr in meinem Sinn. Ein Ringen um Rollenklarheit.

Dazu ein wichtiger Punkt, der mir bei Debatten in letzter Zeit vollkommen gefehlt hat und den Bürgermeister Christoph Stark hervorhob. Gleisdorf hat als ein regionales Zentrum kulturpolitisch eine essenziell andere Situation, als die kleinen Gemeinden. Gleisdorf steht damit aber kulturell auch in Konkurrenz zu Landeszentren wie Graz, Wien und sogar Maribor, die per Auto leicht zu erreichen sind.

Das rückt den Fokus auf Veranstaltungsangebote und Publikumszahlen. Doch das sagt noch nichts über das geistige Leben einer Region, darüber, was vor Ort gedacht, debattiert, erarbeitet wird. Wir haben Klärungsbedarf, denn da ist derzeit vieles unscharf.