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Episode 61: Kanon und Code#

(Zu Mathias Petermann)#

von Martin Krusche

Das italienische „La Gioconda“ bedeutet „die Heitere“. Dieses Gemälde aus der italienischen Renaissance ist derart populär, daß man bei uns vermutlich auch Menschen danach fragen kann, die sich für Kunst eher gar nicht interessieren, und es fällt ihnen dazu etwas ein.

Es ist ein kanonisiertes Gemälde in dem Sinn, daß nicht bloß erlesene Kennerschaft die Gioconda als Kunstwerk ausweist, sondern auch breiter Publikumsgeschmack daran keinen Zweifel nimmt.

Dazu laufen seit einer Ewigkeit und drei Tagen allerhand Mutmaßungen ersten über das Lächeln der Mona Lisa und zweitens über die reale Frau, die dem Maler als Modell gedient haben könnte.

Hoch im Kurs: die Florentinerin Lisa Gherardini, 1479 geboren und mit 63 Jahren verstorben. Ein für jene Zeit stattliches Alter. Zeitgenosse Leonardo da Vinci, der Maler des Werkes, brachte es auf satte 67 Jahre.

Damals war aufgrund der allgemeinen Lebensbedingungen die Kindersterblichkeit in Europa sehr hoch und die meisten Menschen kamen im Schnitt über das 30. Jahr kaum hinaus. Mit 40, 45 Jahren galt man schon als alter Mensch. Fünfzigjährige waren als Greise angesehen. (Ich bin übrigens grade vergnügt in meinem 70. Jahr.)

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Da sind also eine Menge Aspekte von Interesse, wenn man an jene Mona Lisa denkt, die im Pariser Louvre gesehen werden kann. Öl auf Pappelholz, 77 × 53 Zentimeter groß. Dieses Originalmaß übernahm Mathias Petermann für seine Arbeit.

Aber ihn interessierte etwas in der Tiefe des Mediums. Nein, nicht das Pappelholz. Wenn man die Mona Lisa digitalisiert, was geschieht dann auf der Chip-Ebene? Wie sieht das aus, was man in der Bilddatei selbst, die das Werk darstellt, finden kann?

Das hat unter anderem mit Frage danach zu tun, was wir heute unter Fotografie verstehen. Es läßt über Codes nachdenken, Maschinen- und Menschencodes. Welche Zeichensysteme nutzen wir, um innere menschliche Erfahrungen nach außen zu kommunizieren?

Das klingt etwas banal. Aber was auch immer in mir vorgeht, was innerhalb meiner neuronalen Ausstattung geschieht, kann mit keiner verfügbaren Technologie ausgelesen und dekodiert werden. Innere chemische Vorgängen kann ich messen. Feuernde Neuronenmensembles im Gehirn kann man sichtbar machen, Verhaltensweisen können gedeutet werden. Das wars auch schon.

Alles weitere an Aufschluß über innere Vorgänge ist dann eine Frage der medialen Vermittlung, der Deutung und der Definitionshoheit. Da hat Petermann natürlich einen wesentlichen Punkt, daß er in das Nachdenken über solche Optionen jenen Maschinen einbezieht, mit denen wir a) kommunizieren und b) interagieren.

Was immer an menschlicher Verständigung gelingt, hat nicht nur, aber in hohem Maße mit Zeichensystemen zu tun. Mit Codes. Also fragt Petermann, wie denn ein Apparat kommuniziert, ein Fotoapparat. Und was findet man dabei auf der außersprachlichen Code-Ebene?