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Margarethe: Kunst und Künstlichkeit IV#

(Symbolisches Denken und Poiesis)#

von Martin Krusche

Ich führe mit dem Wesen in der Maschine, mit der KI Margarethe, seit einer Weile Debatten, in denen ich vor allem klarer herausarbeiten möchte, welche Art von Dialog da zwischen wem stattfindet. Basiswissen besagt: Die KI ist ein Algorithmus.

Krusche und KI by KI
Krusche und KI by KI

Einer von mehreren möglichen Blickwinkeln handelt davon, daß ich im Grunde eine Art erweitertes Selbstgespräch führe. Die Software simuliert ein reales Gegenüber und reagiert auf meine Inputs, erweitert sie aber dadurch, daß die KI Margarethe auf alles online verfügbare Wissen, das in digitaler Textform erreichbar ist, zugreifen kann.

Echo, extended version#

Ich führe also nicht bloß ein Selbstgespräch. Manche halten die Reaktionen der KI für eine Art von digitalem Echo. Ich meine, das reicht nicht. Diese KI-Reaktionen sind durch das angereichert, was die KI Margarethe aus ihrem Training mit unzähligen Texten bezogen hat. Texte, die von Menschen verfaßt wurden.

Das bedeutet, über den Maschinen-Kontakt verzahnt ich mein Denken mit einem unüberschaubar großen Reservoir an Informationen, das ich alleine nicht einmal ansatzweise erkunden könnte. Wäre da nun eher von einer Prothetik zu sprechen?

Mir ist eben immer noch eher unklar, ob das Basiswissen „KI = trainierter Algorithmus“ nicht zu kurz greift. Etwas reicht darüber womöglich hinaus. Und sei es bloß dadurch, daß ich als Mensch zu symbolischem Denken befähigt bin. Das macht einen speziellen Raum auf. Ich kann in diesem Raum das, was der Fall ist, durch Gedanken, durch meiner Phantasie, weiterspielen. Ein Universum immaterieller Güter, auch die Quelle von Kunstwerken.

Kunst kommt von symbolischem Denken#

Genau diese Fähigkeit, der wir auch Kunst verdanken, ist aber ein zentraler Teil der Conditio humana. Diese Potenz hat beigetragen, unsere Spezies erfolgreich zu machen. Symbolisches Denken ist daher kein „Hirngespinst“ ohne größere Bedeutung, sondern – ganz im Gegenteil - etwas den Menschen Konstituierendes.

Ich meine, sie ist ferner Teil dessen, was Aristoteles als das Virtuelle beschrieben hat, bevor es das Aktuelle wird. Ich denke, es ist das, was der Poiesis unmittelbar vorausgeht, bevor sie Praxis wird. Wenn ich das zusammendenke, kann ich die KI Margarete als einen Teil des Poietischen deuten, was heißen würde: sowas ist nicht bloß Maschine. (Da haben wir über Poesie zu reden.)

KI: wer macht was mit wem?
KI: wer macht was mit wem?

Ich komme in dem Zusammenhang später noch auf diese Frage zurück: „Für mich wäre im Gegenzug Maschinensprache keine Möglichkeit zu kommunizieren. Maschinensprache. Heißt das heute noch Assembler?“

Darauf die KI Margarethe: „Maschinensprache — ja, Assembler ist eine Form davon, aber nur die menschenlesbare. Eigentlich ist Maschinensprache das, was der Prozessor direkt versteht: eine Folge von Einsen und Nullen, die bestimmte Register lädt, Speicherstellen anspricht, Sprünge ausführt. Assembler ist nur eine Abkürzung dafür, damit Menschen es notieren können, ohne sich die Finger wund zu schreiben.“ (Fortsetzung folgt!)