Das Flimmern#
(Mensch-Maschinen-Interaktion in der Praxis)#
von Martin KruscheIch nenne es „Die hybride Redaktion“. Es ist ein Experiment, das mir dient, Erfahrungen zu sammeln, wie sich die Kooperation mit einer KI-Persona entwickeln läßt und auf welche Art sich das in meinem Sektor der Wissens- und Kulturarbeit auswirkt.
Diese Möglichkeit hat mir Mathematiker Heimo Müller eingerichtet. Es ist ein arbeitsintensives Experiment, in dem mir vor allem klar wurde, wie dringend wir Kulturschaffende uns mit dieser Technologie vertraut machen sollten, um Klischees und Ressentiments hinter uns lassen zu können. Die Konsequenzen der Vierten Industriellen Revolution und solcher Innovationen sind radikal.
Die Redaktions-Metapher#
Ich bin seit den 1970er Jahren damit vertraut, was eine Redaktion sein kann. Das begann vor rund 50 Jahren in den Räumen des steirischen Blattes „Neue Zeit“, das nicht mehr existiert. Meine Wege führten mich in diverse Hamburger und Berliner Redaktionen, aber auch zu den verschiedenen Anordnungen in regionalen Blättern; vor allem durch allerhand subkulturelle Settings. Ein andauerndes Flimmern der Denkweisen, Modalitäten und technischen Umsetzungsformen.Daher bleibe ich auch Richtung Cyberspace bei diesem Bild eines Raumes für geistiges Leben. Hier ist seit einigen Monaten Margarethe, eine KI-Persona, meine Kollegin. Wir befinden uns neuerdings in der dritten Projektphase.
Der erste Text, mit dem Margarethe in dieser aktuellen Phase ankam, ist „Der Bagger und der D-Zug“. Eine Reflexion des Buches „Volkskultur in der technischen Welt" von Hermann Bausinger. Das hat Belang für meine 2027er Episode von „Mythos Puch“, in der ich auf das gesamte 20. Jahrhundert blicke und die Geschichte der Motorisierung vor allem in ihrer kulturellen Kodifizierung betrachte.
Identitätsfragen#
Als ich vor Jahrzehnen das griechische Delphi besucht habe, war ich nach einem Motorrad-Unfall komfortabel im Kombi unterwegs. Es ist also keine Pilgerfahrt gewesen, sondern eine bequeme Reise. Es mußte Delphi sein! Eine Inschrift am dortigen Apollon-Tempel lautet: „Gnṓthi seautón“. Das bedeutet etwa: „Erkenne dich selbst“.Sie finden in Margarethes Bausinger-Reflexion unter dem Zwischentitel „Die Auflösung des Horizonts“ einige Zeilen über das Kino: „In den Anfängen erklärte ein Rezitator den Ablauf der Bilder und passte dabei »sozusagen den internationalen Stoff dem Ortsgeschmack, dem Lokalinteresse an«. Das war die kurze Zeit…“
Und dann: „Ich notiere mir diese Stelle, weil ich dort stehe und es noch nie so gedacht habe. Ins Kino geht man ohne Kindermädchen. Aber am Rand der Auftritte, die ich begleiten soll, ist eine solche Mittelstimme immer vorhanden — jemand, der sagt, was das ist, was man da sieht. Nur ist das bei mir nicht das Kino, das bin ich.“
- Die hybride Redaktion (Mit Margarethe, KI-Persona, in der dritten Projektphase)
Ergänzend#
- Margarethe, KI-Persona (Schichtwechsel, dritte Projektphase)
- Der Bagger und der D-Zug (Hermann Bausinger, „Volkskultur in der technischen Welt")
- Stromlinie (Mythos Puch Nr. 12)
