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Ostseite des Rathauses, Grafik aus “Der Bautechnikler”, XV. Jahrgang Nr. 5, 1895.
Ostseite des Rathauses, Grafik aus “Der Bautechnikler”, XV. Jahrgang Nr. 5, 1895.

Museum im Rathaus: Ein symbolischer Ort#

(Über eine Heimstatt der Demokratie)#

von Martin Krusche

Überlegen Sie doch einmal kurz, wofür dieser spezielle Ort im übertragenen Sinn steht. Ich meine, die Republik ist das politische Haus, in dem unsere Demokratie wohnt. Das braucht quer durchs Land jeweils lokal ganz konkrete Einrichtungen. Eben ein Haus mit festen Mauern, das auf dieser südlichen Florianiplatz-Anhöhe wie ein Monument steht. Hier sind historische, kulturelle und politische Agenda gebündelt. Also schreibe ich darüber, denn es befindet sich nicht bloß die gesamte Welt in einer Zeitenwende, auch dieser konkrete Ort wird einem Umbruch ausgesetzt; physisch und geistig.

Ich wurde mittlerweile hinter den Kulissen gefragt, weshalb mich all das schert, aus welchem Grund ich solche Glossen und Artikel schreibe. Mir fällt auf, daß in Teilen des Bildungsbürgertums offenbar keine allzu klare Vorstellung herrscht, was ein Schriftsteller tut. Also zum Beispiel seinen Lebensraum erkunden und beschreiben, was sich da zeigt.

Wenn ich mich der kulturpolitischen Situation Gleisdorfs widme, auch den Fragen nach Spielstätten, nach Veranstaltungsorten, befasse ich mich vor allem mit zweierlei: 1) Mit den Strukturen des geistigen Lebens; und zwar dort, wo ich zuhause bin. 2) Mit Belangen und Bedingungen meiner Profession. (Ich staune, daß ich derlei in meinem Milieu erklären muß.)

Wenn neuerdings das Museum im Rathaus als das, was es seit 2008 gewesen ist, aufgegeben wird, dann betrifft das beide der genannten Gründe. So ich nun Nachschau halte, wie damit in diesen Jahren verfahren wurde, nämlich 2008 bis 2026, gibt mir das Auskunft über die regionalpolitische Situation und den Stellenwert von Kultur.

Und zwar der Stellenwert von Kultur 1) für das Stadtmarketing als ein Instrumentarium der Werbung, 2) für das praktische Leben, welches sich Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft teilen. Was also ist Kultur konkret wert? Und zwar wem? Mit welchen Mitteln ausgestattet? Da geht es nun nicht primär um Tourismus-Agenda oder Freizeitangebote. Da geht es ganz einfach um die Fundamente und Werkzeuge der Demokratie.

Also etwa um die Fähigkeit zum selbstständigen und kritischen Denken. Um die Fähigkeit zur gelingenden Kommunikation mit sich und mit anderen. Um Teilhabe am öffentlichen Leben und um die Anforderung, daß Bürgerinnen und Bürger konkret Verantwortung übernehmen. Verantwortung für den sozialen Frieden, das gedeihende Gemeinwesen und die Stabilität der Demokratie.

Das sind keine Aufgaben der Kunst, denn die Kunst ist nur sich selbst verpflichtet. Aber jede Künstlerin sowie jeder Künstler sind Mitmenschen, sind Bürgerinnen und Bürger, sind politische Wesen. Ich denke, was in Gleisdorf am 9. Februar 2026 kulturpolitisch zur Debatte stehen wird, verhilft uns zu mehr Klarheit, wo dieses Gemeinwesen in den hier skizzierten Fragen steht.